05. Februar 2020 / 14:31 Uhr

Neele Eckhardt springt Weltjahresbestleistung

Neele Eckhardt springt Weltjahresbestleistung

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Neele Eckhardt springt beim PSD-Meeting in Düsseldorf Weltjahresbestleistung.
Neele Eckhardt springt beim PSD-Meeting in Düsseldorf Weltjahresbestleistung. © imago-images
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Noch keiner Dreispringerin ist weltweit so ein weiter Satz gelungen wie Neele Eckhardt am Dienstagabend beim PSD-Meeting in Düsseldorf. Die 14,17 Meter der Athletin der LG Göttingen waren eine Kampfansage.

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„Wäre schön gewesen, wenn ich das Brett getroffen hätte.“ Dieser Kommentar von LGG-Dreispringerin Neele Eckhardt unmittelbar nach dem Wettkampf verdeutlichte, dass sie wohl noch mehr in petto hatte, als die 14.17 Meter, mit denen sie das PSD-Hallenmeeting in Düsseldorf gewann.

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In einem international hochklassigen Feld schockte Eckhardt die Konkurrenz im zweiten Durchgang mit einem Satz auf 14,17 Meter. Bei der sehr gelungenen Live-Übertragung auf Eurosport war deutlich zu erkennen, dass sie mit der Fußspitze noch nicht einmal das zwanzig Zentimeter breite Brett berührte. Man konnte also bestenfalls erahnen, wie weit es in naher Zukunft noch gehen mag.

Eine Weite, die viel wert ist

Die 14,17 Meter bedeuten persönliche Hallenbestleistung, neuen Landesrekord, eine beachtliche Punktzahl für die Weltrangliste und als Sahnehäubchen Jahresweltbestleistung. Nach überschlägiger Recherche ist es auch das erste Mal, dass eine Göttinger Leichtathletin ein internationales Meeting der Premiumklasse gewinnen konnte. Für die Hallen-WM im chinesischen Nanjing indes taugt das Resultat aus Düsseldorf nicht, weil die Veranstaltung in der vergangenen Woche abgesagt wurde. Der Grund ist unschwer zu erraten: der Corona-Virus.



Nach dem phänomenalen Satz war die Luft bei der 27-jährigen mehr oder weniger raus und einen weiteren wirklich guten Sprung brachte sie nicht mehr in die Grube. Die Konkurrenz jedenfalls war aber nicht mehr in der Lage, zu kontern. Die Portugiesin Patrizia Mamona, Europameisterin 2016, kam ihr mit 14,09 Metern noch am nächsten, musste sich aber mit dem zweiten Platz begnügen, während sich die amtierende Europameisterin Paraskevi Papachristou (Griechenland) am Ende im geschlagenen Feld befand.

Zufriedene Athletin

„Ich bin sehr zufrieden mit der Serie und der Weite“, sagte Neele Eckhardt im Anschluss. „Zumal ich bei den 14,17 Metern noch viel verschenkt habe. Sonst wäre vielleicht sogar die Olympia-Norm von 14,32 Metern möglich gewesen. Ich hoffe, dass es am Samstag in Chemnitz klappt.“

Abgesagt hatte Kristin Gierisch (LAC Erdgas Chemnitz), die nun Einiges aufbieten muss, um ihre Spitzenposition im bundesdeutschen Frauendreisprung zu verteidigen. Die Gelgenheit dazu hat sie am Freitag vor heimischem Publikum beim 22. Internationalen Hallenmeeting. Auch in Chemnitz ist ein hochklassiges Feld am Start, unter anderen mit Dovile Kilty (Litauen) auch die Drittplatzierte aus Düsseldorf. Danach ist für Neele Eckhardt drei Wochen Wettkampfpause, ehe es in Leipzig um den Titel einer Deutschen Hallenmeisterin geht.

Kontinuität macht viel aus

Ihr Trainer Frank Reinhardt hat eine einfache Erklärung für diese zuletzt gezeigten Leistungen: „Wir konnten in den vergangenen Monaten so trainieren, wie wir uns das vorgestellt haben – ohne gesundheitliche Probleme. Kontinuität macht viel aus, es war endlich einmal ein vernünftiger Aufbau möglich.“ Die guten Leistungen hatte der Göttinger erwartet, wenngleich die Konzentration auf die Schnelligkeitswerte eine Veränderung des Technikbildes mit sich gebracht haben. So gibt es immer noch Optimierungsbedarf.

Hier muss Neele Eckhardt den Spagat zwischen Göttingen und Hannover hinbekommen. Ihr Trainingsschwerpunkt liegt in Göttingen, wo sie, so ihr Trainer, „vorsichtig gesagt, nicht die besten Bedingungen hat“. Beispielsweise ist die Grube im Laufschlauch unterhalb der Stehplatztribüne im Jahnstadion zu klein. „Zu speziellen Einheiten kommt sie dann zu mir nach Hannover. Das läuft nach Absprache, je nachdem, wie es in ihren Trainingsplan passt“, berichtet Reinhardt, Landestrainer Sprung beim Niedersächsischen Leichtathletik Verband.

Alternative zur Norm

Im Bereich von 14,40 Meter hat Reinhardt den Sprung seines Schützlings in Düsseldorf gesehen – wenn sie das Brett getroffen hätte. So hat Eckhardt reichlich Zentimeter verschenkt. Die Olympianorm für Tokio ist 14,32 Meter. „Das ist das Ziel für diesen Winter. Dann gucken wir weiter“, sagt der langjährige Trainer der Dreispringerin. Sollte die Dreispringerin die Norm nicht erfüllen, hat sie über ein Ranking-System, für das bei internationalen Wettkämpfen Punkte gesammelt werden können, die Möglichkeit, sich zu qualifizieren.

Reinhardt betont, dass, wenn man auf Weltniveau springen wolle, Profi sein müsse. „Zur Zeit ist das Springen Neeles Job. Nur wenige können sich vorstellen, was für ein Aufwand dahinter steckt. Sie wird auch im Sommer um die Welt zu Wettkämpfen reisen. Das ist das Spiel, das der Weltverband vorgibt.“ Da fällt die Absage der Hallen-WM in China für ihn nicht so ins Gewicht.

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Von Gerd Brunken und Kathrin Lienig

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