22. Juli 2021 / 07:58 Uhr

Nein aus Wolfsburg: Warum RB Leipzig den Poker um Lacroix verloren hat

Nein aus Wolfsburg: Warum RB Leipzig den Poker um Lacroix verloren hat

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Maxence Lacroix hat den Ball im Blick, einen Wechsel nach Leipzig aber (erst einmal) nicht mehr.
Maxence Lacroix hat den Ball im Blick, einen Wechsel nach Leipzig aber (erst einmal) nicht mehr. © Getty Images
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Ein Satz mit x: Mit Wolfsburgs Abwehrmann Maxence Lacroix wird es zunächst nix bei RB Leipzig. Wölfe-Manager Jörg Schmadtke hat den Wechsel ad acta gelegt. Nun müssen es die Verteidiger Willi Orban, Josko Gvardiol und Co. bei den Roten Bullen ohne den Franzosen richten.

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Leipzig/Bad Waltersdorf. Waren es die drei Testspiel-Niederlagen seiner Untergebenen, die ihn hartleibig werden ließen? Hatte sich Wolfsburgs Manager Jörg Schmadtke beim Sauna-Aufguss im Bad Waltersdorfer Trainingslager auf den heißen Stein der Erkenntnis gesetzt? Oder waren es am Ende doch sächsische Leitplanken, die Schmadtke in Sachen Maxence Lacroix den Daumen senken ließ? Fakt ist: Der Ex-Bundesliga-Keeper, 57, der einst mit farbenfroher Trikotage durchs Tor des SC Freiburg und von Fortuna Düsseldorf hechtete, schob am Mittwoch einen Riegel vor die Hotel-Suite von Abwehr-Jungstar Lacroix, legte den Wechsel des 21-jährigen Franzosen zu RB Leipzig und allen anderen Interessenten (Dortmund, Tottenham et cetera) ad acta.

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Aus der Suite darf der Hochbegabte nur zum Üben mit Neu-Coach Mark van Bommel, zum Essen und zur Massage. Und am Mittwoch war auch der Graz-Bummel ohne Bommel erlaubt. Hinaus in die weite Welt an die Pleiße, dem selbst ernannten Sehnsuchtsort des Innenverteidigers, geht es vorerst nicht. Laut Schmadtke seien alle Partein – Lacroix, RB und Co. – informiert, dass in der Sommer-Transferperiode nichts mehr passiert und der gute Maxence ein Wolf bleibt.

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Vorangegangen waren mehrere Wochen, in denen viele Herren die Hand an eine prall gefüllte Ketchup-Flasche legten, sie schüttelten, würgten, klopften. Und als Vieles darauf hindeutete, dass sich die Flasche auf einen Schlag entleert und Transfereinigkeit erzielt wird, stellte der Sportkamerad Schmadtke den Ketchup wieder zurück, wo er her kam. Ins obere Regal.

RB-Prinzipien-Treue

Woran hat’s denn nun gelegen? Ja, man ahnt es fast, an der Differenz zwischen der 30-Millionen-Euro-Vorstellung der Wölfe und dem 23-Millionen-Vorstoß der Bullen. Sieben Millionen Euro haben oder nicht haben sind zwar eine Menge Holz, hätten die Wolfsburger aber nicht um den Schlaf gebracht. Die Beinfreiheit durch den VW (fährt, fährt, fährt und zahlt) machte es dem VfL möglich, nein zu sagen zu den 23 Mios.

Die RB-Bosse wiederum kauen finanziell ebenso wenig auf den Felgen, beharren aber beim Verhandeln auf eine gewisse Prinzipien-Treue. Spieler XY ist uns dies und das (plus minus ein paar Euronen) wert. Nicht mehr. Man bewege sich in Leitplanken, beliebt Chef Oliver Mintzlaff zu sagen. Es sind golden glitzernde und nahezu unverbiegbare Leid(t)planken. Wir halten fest: Monsieur Lacroix kommt (noch) nicht nach Leipzig. Aus RB-Fankreisen verlautete diesbezüglich am Mittwoch ein anklagendes „Merde!“.

RB-Innenverteidigung mit Größen

Mintzlaffs leitende Kraft Florian Scholz steckte die Hiobs-Botschaft aus dem Wolfsburger Camp nahezu lässig weg, nahm den Namen Lacroix nicht mal in den Mund. „Wir sind in allen Bereichen auf einem guten Weg, das Transferfenster ist noch lange offen. Warten wir ab, was noch passiert. Wir haben keinen Druck – ganz im Gegenteil.“ Besagtes Fenster steht bis zum 31. August offen.

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Das Nein aus Wolfsburg könnte die Dortmund-Ausreise von Nationalspieler Marcel Halstenberg erschweren oder gar verhindern. Bisher liegt keine Anfrage des BVB vor. Und: Nackt im Wind steht Jesse Marsch auch ohne Lacroix nicht da. Der RB-Coach hat in der Innenverteidigung Größen wie Willi Orban, Nordi Mukiele, Mohamed Simakan, Lukas Klostermann und auch EM-Star Josko Gvardiol zur Verfügung. Insbesondere der junge Kroate gilt als Faustpfand für die Gegenwart und Zukunft.