08. April 2022 / 17:06 Uhr

Nelly Emma Schröder: "Vor mir muss kein Coach Angst haben"

Nelly Emma Schröder: "Vor mir muss kein Coach Angst haben"

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Nelly Emma Schröder beim Spiel zwischen Miersdorf/Zeuthen und dem FC Energie Cottbus II. 
Nelly Emma Schröder beim Spiel zwischen Miersdorf/Zeuthen und dem FC Energie Cottbus II. © Oliver Schwandt
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Vereinsleben: Die 14-jährige Schülerin aus Kablow-Ziegelei betreibt Karate und ist als Fußball-Schiedsrichterin tätig.

In einer losen Reihenfolge stellt die Märkische Allgemeine Zeitung Schiedsrichter aus dem Fußballkreis Dahme/Fläming vor. Dieses Mal ist Nelly Emma Schröder an der Reihe, die seit einem halben Jahr Nachwuchspartien für den SV Merkur Kablow-Ziegelei leitet.

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Nur durch einen Zufall kam die 14-Jährige zur Pfeiferei. „Während des Länderspiels zwischen Deutschland und Portugal bei der Europameisterschaft 2021 sprach mich unser Vereinsvorsitzender Markus Wenzel an, ob ich nicht Lust hätte, Schiedsrichterin für den SV Merkur Kablow-Ziegelei zu werden. Ich war sofort Feuer und Flamme. Da ich mir Fußballspiele meines Bruders Willy, der zurzeit im Nachwuchs vom FC Energie Cottbus spielt, regelmäßig anschaute, wusste ich ganz genau, worauf ich mich einlassen würde“, erinnert sich die Schülerin. „Ich habe es ja vor ein paar Jahren selbst einmal mit dem Kicken versucht. Das war dann doch nicht so mein Ding, weil ich nicht wirklich gut darin war.“

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Im Oktober 2021 absolvierte sie bereits im Sportheim des FSV Eintracht Königs Wusterhausen erfolgreich ihre Schiedsrichter-Prüfung. „Ich musste in der Theorie zwar in die Nachprüfung, aber ansonsten lief es wirklich für mich rund“, sagt Schröder weiter. Ein Extralob gab es zudem von Schiri-Chef Thomas Glaß. „Nelly hat es wirklich gut gemacht. Besonders ihre Ausdauer beim Lauf hat mir imponiert. Wenn sie am Ball bleibt, dann kann sie es mal ganz weit nach oben schaffen.“

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Großes Vorbild ist Bibiana Steinhaus

Und genau das ist auch das Ziel der zusammen mit ihren Eltern Tino und Simone Schröder in Kablow-Ziegelei wohnenden sehr ehrgeizigen Nachwuchs-Schiedsrichterin. „Mein großes Vorbild bei den Frauen ist Bibiana Steinhaus, die ja in der Männer-Bundesliga Begegnungen geleitet hat. Da würde ich auch gerne hinkommen – das ist mein großer Traum. Für diesen werde ich alles geben.“ Auch ihre Eltern stehen da voll hinter ihr: „Am Anfang waren sie über meine Entscheidung etwas überrascht. Sie sagten aber auch, wenn ich das will, dann soll ich es auch machen. Ihre Unterstützung habe ich jedenfalls.“

Erste Erfahrungen sammelte sie bereits bei einigen Nachwuchspartien. Begleitet wurde Schröder bei diesen von der erfahrenen Brandenburgliga-Schiedsrichterin Jacqueline Lünser, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stand. An ihre erste Begegnung kann sie sich noch ganz genau erinnern. „Es war das B-Juniorinnen-Match zwischen dem HSV Fortuna und dem FC Energie Cottbus. Ich war sehr nervös und hatte eine klare Fehlentscheidung mit dabei, da ich einen Neunmeter für Cottbus gegeben habe, der keiner war. Diese Aktion habe ich im Nachhinein mit Jacqueline ausgewertet und meinen Fehler erkannt“, gesteht sich die junge Unparteiische ein.

Deutlich besser für sie lief es am vergangenen Wochenende, als Schröder das erste Mal die Begegnung in der D-Junioren-Landesliga zwischen dem SC Eintracht Miersdorf/Zeuthen und dem FC Energie Cottbus II ohne Begleitung leitete. „Im Vorfeld teilte ich den Trainern und Spielern mit, dass es mein ersten Spiel sein würde, das ich alleine pfeifen werde. Alle Beteiligten zeigten dafür sehr großes Verständnis. In meinen Augen lief das Spiel auch sehr gut, denn dieses Mal unterlief mir kein Fehler. Woran ich auf alle Fälle noch weiterhin richtig hart arbeiten muss, ist definitiv mein Stellungsspiel, das noch deutlich ausbaufähig ist.“

Neben der Pfeiferei betreibt die 14-Jährige noch ein zweites großes Hobby, das ihr unheimlich viel Spaß und Freude bereitet. Beim SC Karate Bestensee ist sie seit 2016 Mitglied und erlernt bei Trainer Axel Böger mit viel Leidenschaft diese Kampfsportart. „Vor mir muss kein Coach Angst haben. Karate ist für mich ein gutes Aufbautraining im Ausdauerbereich, um beim Fußball über die komplette Distanz konditionell mithalten zu können“, sagt die Schülerin des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums.