23. Februar 2021 / 11:37 Uhr

Netzartist Henrik Kamphausen: Via Facebook zu den L.E. Volleys in die zweite Liga

Netzartist Henrik Kamphausen: Via Facebook zu den L.E. Volleys in die zweite Liga

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Henrik Kamphausen ist fester Bestand im L.E.-Team von Co-Trainer Jan Zangrando.
Henrik Kamphausen ist fester Bestand im L.E.-Team von Co-Trainer Jan Zangrando. © Christian Modla
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300 Trainingseinheiten bis zum Zweitliga-Niveau: Henrik Kamphausen aus Altenburg hat erst spät mit dem Volleyballspielen begonnen. Vor anderthalb Jahren fragte er in Leipzig bei den L.E. Volleys, ob er mittrainieren darf – inzwischen ist er fester Bestandteil des Zweitliga-Teams.

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Leipzig. Dass Henrik Kamphausen jetzt für die L.E. Volleys in der 2. Bundesliga aufläuft, darf als kleines sportliches Wunder gelten. Eines, das allen Spätzündern Mut machen sollte. Und es ist ein schönes Beispiel für Eigeninitiative, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Denn der gebürtige Skatstädter begann erst als 14-Jähriger beim VC Altenburg mit dem technisch anspruchsvollen Spiel am hohen Netz. Lange schmetterte er unterklassig, doch vor gut anderthalb Jahren, mit 23, wurde aus dem Hobby-Volleyballer plötzlich ein Profi.

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Als Henrik Kamphausen hörte, dass die Leipziger noch einen Mittelblocker suchen, fragte er einfach mal via Facebook an, ob er nicht zum Probetraining kommen darf. Wenig später hatte er Coach Christoph Rascher am Telefon. Der lud ihn zwar ein, machte dem 1,96-Meter-Mann aber keinerlei Illusionen. „Er hat mir gleich gesagt, dass ich viel Geduld mitbringen muss und mindestens 300 Trainingseinheiten brauchen werde, um Zweitliga-Niveau zu erreichen“, erzählt der Altenburger, „es war dann auch eine ganz andere Welt für mich und die Anfangszeit extrem hart. Aber ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass ich mich durchgebissen habe.“

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Henrik Kamphausen hat als Kind vieles ausprobiert. Er war Schwimmer, Tischtennisspieler, Leichtathlet und Fußballer. „Aber wirklich Talent hatte ich da nicht.“ Seine bereits damals beachtlichen Körpermaße prädestinierten ihn eher für Basket- oder Volleyball. Ein Freund nahm ihn schließlich zum VC Altenburg mit. „Im Nachwuchsteam war ich der Längste, die haben mich deshalb in den Mittelblock gestellt. Diese Position ist technisch nicht ganz so schwierig und am leichtesten zu lernen.“

Als Jungspund beim VC Altenburg gereift

Er lernte schnell und schaffte es schon als 17-Jähriger zu den Männern. „Als Jungspund da mitzumischen und sich mit viel Älteren zu messen, war sportlich und menschlich reizvoll für mich.“ Er stieg mit den Altenburgern in die Regionalliga auf, wurde dort Dritter, reifte unter Trainer Frank Schneider, profitierte zudem von Kapitän Michael Münchow. „Beide haben mich herangeführt, ihnen bin bis ich bis heute dankbar.“ Als sich die Mannschaft wegen vieler Abgänge auflöste, schnupperten er gemeinsam mit Münchow eine Saison Drittliga-Luft in Markkleeberg, kehrte dann aber wieder zurück nach Altenburg, in ein neues Bezirksliga-Team.


Gewaltige Umstellung für den Körper

Dort hätte es noch lange weitergehen können, doch Henrik Kamphausen wollte mehr, träumte von den L.E. Volleys. Er wusste um die große Volleyball-Tradition in der Messestadt, von den Leipziger Weltmeistern 1970, vom SCL und seinen Nachfolge-Vereinen, die erfolgreich in der 1. Bundesliga mitmischten, und er wusste auch, dass in Liga zwei immer noch professionell gearbeitet wird. „Ich habe mich lange nicht getraut, dort anzufragen, mich dann aber doch überwunden. Mir war klar: Wenn ich es jetzt nicht probiere, ist es zu spät für mich.“

So vereinbarte er mit Christoph Rascher einen Deal: Kamphausen trainierte zwar in der ersten Mannschaft mit, spielte aber zunächst im Leipziger Reserve-Team in der Regionalliga. Bisher hatte er nur zweimal wöchentlich trainiert, jetzt musste er fünfmal ran – mit einer ganz anderen Intensität. „Die Umstellung war gewaltig, mein Körper musste sich an die höhere Belastung erst gewöhnen, hat mit einigen Wehwehchen reagiert.“

Flatteraufschlag und gute Sprunghöhe

Da er in der Jugend keine ausreichende Grundausbildung hatte, galt es viele technische Defizite aufzuarbeiten. „Über die Jahre hatten sich fehlerhafte Bewegungsabläufe Es dauert, die rauszubekommen, daran feile ich bis heute.“ Doch er kämpfte sich Schritt für Schritt heran, eignete sich einen gefährlichen Flatter-Aufschlag an sowie Automatismen für den Anlauf im Angriff. „Ich habe eine ganz gute Sprunghöhe, und wenn es läuft, mache ich dort auch meine Punkte. Aber mir fehlt noch die Konstanz.“

Natürlich kann er sich noch bestens an sein erstes Zweitliga-Spiel erinnern. „Da war im Januar 2020 in Friedrichshafen. Ich wurde eingewechselt, war sehr nervös, habe aber gleich einige Aufschläge durchgebracht. Ich durfte dann auf dem Parkett bleiben, auch im Tie-Break. Wir haben 3:2 gewonnen.“

Tie-Break-Sieg bei Premiere in Friedrichshafen

In der vergangenen Saison befreite der coronabedingte Abbruch die Leipziger vom Abstiegskampf, in dieser Spielzeit rangieren sie auf einem soliden Mittelfeldplatz. Auch dank Henrik Kamphausen, der nun weit mehr Einsätze erhält und des öfteren in der Startformation steht.

Eingespielt: Henrik Kamphausen und seine Volleys-Kameraden.
Eingespielt: Henrik Kamphausen und seine Volleys-Kameraden. © Christian Modla

Er wohnt übrigens immer noch in Altenburg. Das montägliche Krafttraining absolviert er in einem Fitnessstudio der Skatstadt, an den anderen Tagen fährt er mit dem Auto nach Leipzig, eine knappe Stunde hin und wieder zurück. „Der Aufwand ist groß, aber er lohnt sich“, sagt Henrik Kampfhausen, der als Landwirt in einer von seinem Vater geführten Agrargenossenschaft arbeitet und sein Landwirtschaftsstudium in Bernburg fast abgeschlossen hat. „Ich sitze gerade an meiner Abschlussarbeit.“

Landwirtschaftsstudium fast abgeschlossen

Raum für Hobbys bleibt da nicht, die meiste Zeit gehört seiner Leidenschaft Volleyball. Und er empfindet es als Privileg, dieser auch unter Pandemie-Bedingungen nachgehen zu können. „Geisterspiele sind zwar nicht schön, weil die Atmosphäre fehlt, aber auch daran gewöhnt man sich“, meint der 25-Jährige.

Einen sportlichen Traum will sich Henrik Kamphausen auf jeden Fall noch erfüllen: „Ich möchte mal MVP werden.“ Also als wertvollster Spieler in einem Match ausgezeichnet werden. „Das ist ein bisschen wie der Ritterschlag. Erst wenn ich das schaffe und in einem Spiel den Unterschied machen kann, bin ich wirklich in der zweiten Liga angekommen.“ Christoph Rascher traut ihm das zu. „Henrik ist ein toller Kerl, sehr fleißig und engagiert. Er kommt zu jedem Training und wird weiter seinen Weg gehen.“