26. Januar 2021 / 14:18 Uhr

Neu-Grizzly Jormakka: Bewegte Karriere mit Schockmoment

Neu-Grizzly Jormakka: Bewegte Karriere mit Schockmoment

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Will mit Wolfsburg in die Playoffs: Der Finne Pekka Jormakka gab am Sonntag gegen Bremerhaven sein Debüt im Grizzlys-Trikot.  Bei der WM 2014 erlebte er einen Schockmoment, musste nach einem Check Richtung Kopf mit einer Rettungstrage vom Eis gefahren werden (kl. Bild).
Will mit Wolfsburg in die Playoffs: Der Finne Pekka Jormakka gab am Sonntag gegen Bremerhaven sein Debüt im Grizzlys-Trikot.  Bei der WM 2014 erlebte er einen Schockmoment, musste nach einem Check Richtung Kopf mit einer Rettungstrage vom Eis gefahren werden (kl. Bild). © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH/Imago
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Mit seiner Klasse und mit seiner Routine soll er den Grizzlys Wolfsburg im Angriff Tiefe verleihen: Pekka Jormakka, der jüngste Zugang des Wolfsburger Eishockey-Erstligisten hat eine bewegte Karriere hinter sich - und einen Schockmoment auf dem Weg zu WM-Silber. 

Es war der 11. Mai 2014, 14.000 Zuschauern in der Minsk-Arena stockte erst der Atem, dann bangten sie mit - um Pekka Jormakka. Finnland spielte in der WM-Vorrunde gegen Russland (Endstand 2:4), hatte mit Beginn des zweiten Drittels Überzahl, dann setzte Verteidiger Vadim Shipachyov einen üblen Check Richtung Kopf gegen die finnische Nummer 25. Pekka Jormakka, der das nicht hatte kommen sehen, wurde voll erwischt, knallte aufs Eis, musste minutenlang behandelt und mit einer Rettungstrage vom Eis gefahren werden. "Das ist das Erste, was man auf Youtube von mir findet", sagt Jormakka, der oft auf die Szene angesprochen wird. "Mancher hat gedacht, ich spiele nicht mehr, aber ich war jung." Und acht Tage später mischte er gegen Kasachstan schon wieder mit.

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Das Video vom Check an Pekka Jormakka

Ob das schnelle Comeback eine gute Idee war? Jormakka bezweifelt es im Nachhinein. Auch im Finale gegen Russland um Alex Ovechkin und Yevgeni Malkin war er dabei, kassierte da wieder einen Check mit Folgen. Ohne die Vorgeschichte, so glaubt er, "hätte es mich da nicht so erwischt, dann hätte ich eine bessere Reaktion gehabt." So hatte er massive Schulterbeschwerden. "Ich habe es noch versucht, gab sogar noch eine Tor-Vorlage, aber dann konnte ich kaum noch den Schläger halten." Auch dieses Spiel gegen Russland konnte er nicht zu Ende spielen.

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Der Schockmoment - "lange her", sagt er. Gegen Shipachyov, der nach dem erstmal ungeahndeten Foul im Nachgang für drei Partien gesperrt wurde, hat Jormakka in der KHL später noch öfter gespielt. "Er sagte mir, es täte ihm leid, ansonsten haben wir darüber nicht mehr gesprochen", so Wolfsburgs neuer Flügelstürmer. Er freut sich jetzt auf die neue Aufgabe. Am Sonntag sprang er quasi ins kalte Wasser, "es war meine zweite Einheit mit dem Team", so der Finne. "ich habe vor allem versucht, den jungen Spielern an meiner Seite mit meiner Erfahrung zu helfen. Die Formation mit ihm, Phil Hungerecker und Jan Nijenhuis, aber ohne echten Center, machte es gut. Jormakka hatte kurz vor Schluss sogar eine Top-Torchance, die regelwidrig, aber ungeahndet, gestoppt wurde.

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Der Schockmoment von 2014 ist abgehakt, es gab Erfreuliches. Vor zwei Wochen wurden Jormakka und seine Lebensgefährtin Melissa Eltern einer Tochter namens Elsi. Anfang Dezember war sein Engagement in der KHL bei Nowosibirsk beendet gewesen, Jormakka fieberte in Helsinki der Geburt des Babys entgegen. "Das hat gut gepasst, aber dann war ich wieder bereit für Eishockey und habe mich umgehört. Von Wolfsburg kam eine konkrete Anfrage, da habe ich zugesagt."

In dieser Woche hofft er, sich ein wenig im Wolfsburger Team zu akklimatisieren. Das sollte nicht schwer werden. Mit Mathis Olimb hat er bei Jokerit Helsinki 2015/16 zusammen gespielt, Matti Järvinen war in Finnland, wo Jormakka mit Jyp Jyvaskyla 2009 Meister wurde, öfter Gegner. Der Rechtsschütze spielte außerdem noch für Lahti und Tappara Tampere, ehe er 2019 in der KHL von Jokerit zu Vityaz Podolsk wechselte.

Vor zwei Wochen Vater geworden

"Gegen Bremerhaven habe ich zwar kein Powerplay gespielt, aber ich hoffe sehr, hier eines Tages in Überzahl spielen zu dürfen. Meine Stärken liegen darin, Tore zu schießen", sagte er im Interview auf der Grizzlys-Homepage. Die zwischenzeitliche finnische Führung im WM-Finale 2014, die er vorbereitet hatte, war übrigens ein Powerplay-Tor. Russland gewann am Ende 5:2. "In meinen früheren Jahren ging es viel darum, offensiv zu spielen. Jetzt bin ich ein intelligenterer Spieler und lege mehr Wert auf die Defensivarbeit als zuvor. Wenn man Erfahrungen sammelt, merkt man, dass man nicht nur offensiv denken darf. Ich hoffe sehr, dass ich dem Team helfen kann und besser in Form komme, einfach besser spiele. Mein Ziel ist es, dass wir die Playoffs erreichen", sagte der 30-Jährige im Grizzlys-Interview.

Seine Familie soll in Kürze nachkommen, "wenn wir einen Pass für Elsi haben", und dann, so sagt er, werde er sich in ein neues Hobby stürzen. TV-Shows schauen, Fortnite oder Call of Dutty an der Konsole spielen - das waren so die kleinen Ablenkungen zum Eishockey, "jetzt wird es wohl Windeln wechseln", sagt er mit einem Lachen, und fügt ernsthaft hinzu: "Ich freue mich auf diesen neuen Lebensabschnitt."

Pekka Jormakka kompakt

  • Position: Stürmer
  • Rückennummer: 25
  • Nationalität: FIN
  • Schusshand: rechts
  • Geburtsdatum: 14. Sept. 1990
  • Geburtsort: Jyväskyla
  • Größe: 1,74 m
  • Gewicht: 82 kg
  • Familie: vor zwei Wochen mit Melissa Vater von Töchterchen Elsi geworden. 
  • SM-Liiga-Spiele: 277 
  • SM-Liiga-Tore: 69
  • KHL-Spiele: 267 
  • KHL-Tore: 60
  • A-Länderspiele: 74 (davon 14 bei zwei Weltmeisterschaften, WM-Silber 2014)
  • Stationen: Jyväskyla, Lahti, Tapp. Tampere (SM-Liiga), Jokerit Helsinki, Podolsk, Nowosibirsk (alle drei KHL).