30. September 2021 / 18:36 Uhr

Neu-SCO-Trainer Sören Albrecht: "Bei einem anderen Verein hätte ich überlegen müssen“

Neu-SCO-Trainer Sören Albrecht: "Bei einem anderen Verein hätte ich überlegen müssen“

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Sören Albrecht (September bis Dezember 2021): Schon einmal stand der frühere Spieler beim SCO an der Seitenlinie. Als der SCO nach sechs Spielen am Ende der Landesliga-Tabelle steht, muss das Urgestein noch einmal ran. Die Mission lautet wie damals: den Abstieg verhindern. Doch dazu kommt es gar nicht: Bereits im Dezember wird er wieder entlassen.
Neuer und alter Trainer beim Landesligisten SC Oberhavel Velten: Sören Albrecht. © Verein
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Landesliga Nord: Im Interview spricht der 47 Jahre alte Coach über das erste Kennenlernen, alte Verbundenheit und realistische Saisonziele mit dem Club aus Velten. Sein Debüt an der Seitenlinie gibt er aber erst am 16. Oktober.

Der Entschluss zum Trainerwechsel in der Ofenstadt fiel nach dem verlorenen 1:2-Derby gegen den FC 98 Hennigsdorf. „Die sportliche Situation, der Tabellenstand und die aktuelle Niederlagenserie haben den Impuls für diese Entscheidung gegeben“, sagt Marek Duhme, Präsident des SC Oberhavel Velten. Am vergangenen Sonntagabend wurde der bisherige Coach Oliver Schirrmacher über die Entscheidung des Vorstandes informiert. „Er war natürlich enttäuscht, wir sind aber mit dem Trainer im Reinen und er kann die Entscheidung des Vereins verstehen“, erklärt Duhme. Dabei strebe der Verein „eine Zusammenarbeit auf anderer Ebene“ mit Schirrmacher an, wie der SCO vermeldete. „Es gibt schon einige Gedankenmodelle für eine Anschlussverwendung. Jetzt ist es aber dafür noch zu früh“, meint der Vereinschef, der nun auf Sören Albrecht als neuen Coach setzt.

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Herr Albrecht, Sie wurden am vergangenen Dienstagabend der Mannschaft vorgestellt. Wie war das erste Kennenlernen?

Es war interessant. Viele Spieler kannte ich noch von früher, aber ein paar neue Gesichter waren auch dabei. Die Mannschaft hat einen positiven Eindruck gemacht. Dass der Verein den Schritt machte und den Trainer wechselte, kam scheinbar nicht überraschend.

Die Trainer des SC Oberhavel Velten seit 1997

Die SCO-Trainer von Hartmut Berndt bis Sören Albrecht zum Durchklicken. Zur Galerie
Die SCO-Trainer von Hartmut Berndt bis Sören Albrecht zum Durchklicken. ©

In welcher Verfassung haben Sie die Mannschaft vorgefunden?

Das ist schwer zu sagen. Ich hatte ja erst ein Treffen mit dem Team. Der Vorstand hatte etwas gesagt, ich habe ein paar Sätze gesprochen. Das Team ist sich der Situation bewusst. Wir müssen jetzt alles tun, was notwendig ist, um gemeinsam die Karre wieder aus dem Dreck zu holen.

Wurde denn im Anschluss schon gemeinsam trainiert?


Selbstverständlich. Es gibt schließlich viel zu tun.

Was sind denn Ihre ersten Schritte?
Es gilt, die Mannschaft kennenzulernen. Auch, wie sie menschlich tickt. Wenn man sich die Tabelle anschaut, sieht man, dass das Team in sechs Spielen schon 24 Gegentreffer (schlechteste Defensive der gesamten Liga; Anm. d. Red.) kassierte. Das sind im Schnitt vier Gegentore pro Partie. Da musst du erstmal immer fünf Tore schießen, um die Spiele zu gewinnen. Wir müssen die Defensive stabilisieren. Dazu gehören aber nicht nur die Abwehrspieler und der Torhüter, sondern alle im Team.

Drei Punkte aus den bisherigen sechs Partien holte der SCO und ist damit Tabellenletzter. Was ist für Velten in dieser Saison noch möglich?

Man muss aber auch sehen, dass fünf der sechs Gegner aus dem oberen Bereich der Tabelle kamen. So eine 0:8-Niederlage gegen Ahrensfelde schmerzt natürlich. Im Optimalfall und vom Verein gewünscht, spielen wir am Ende eine Saison ohne Abstiegssorgen. Das ist nach dem ersten Eindruck, den ich bekommen habe, kein unrealistisches Ziel.

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Mit welchem Fußball wollen Sie beim SCO aufwarten?

Grundsätzlich soll die Mannschaft mit Charakter und Leidenschaft spielen. Wir wollen aus einer sicheren Defensive heraus agieren, aber auch Torgefahr ausstrahlen.

Sie kennen den Verein als ehemaliger Spieler, aber auch schon als Trainer. Wie würden Sie ihre Verbindung zum SC Oberhavel beschreiben?

Ich habe über zehn Jahre in Velten gespielt und dort meine schönste Zeit gehabt. Da konnte ich viel lernen. Nun bin ich aus alter Verbundenheit wieder da. Bei einem anderen Verein hätte ich überlegen müssen, ob ich an die Seitenlinie zurückkehre. Ich kenne die Leute aus dem Vorstand seit Jahren und habe ein gutes Verhältnis zu ihnen.

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Nach ihrer ersten Amtszeit, die von Mai 2012 bis November 2013 ging, hieß es im Anschluss, es habe auch „Querelen zwischen Spielern und Trainer“ gegeben. Belastet das noch nach so einer langen Zeit?
Die gab es nicht. In jedem Team kommt es mal zu Problemen, wenn sich der Erfolg nicht einstellt. Das sind aber alte Geschichten. Darüber muss man nicht reden.

Der SCO hat nun zwei spielfreie Wochenenden in Folge.
Das ist ein großer Vorteil für mich und meine Arbeit. Vielleicht hat der Vorstand auch deshalb diesen Zeitpunkt für den Trainerwechsel gewählt.

Wie sehen die nächsten Schritte bis zum ersten Pflichtspiel des SC Oberhavel unter ihrer Regie am 16. Oktober gegen Einheit Perleberg aus?

Wir werden alles machen, was dazu gehört. Da gilt es, sportlich auf dem Platz im Training zu arbeiten, aber auch viel miteinander zu sprechen. Sicherlich streben wir auch ein Testspiel an, müssen aber schauen, wer ebenso spielfrei hat. Wir werden alles machen, was uns in der derzeitigen Situation hilft.