07. Oktober 2019 / 18:59 Uhr

Neue Einträge ins Geschichtsbuch: Chemie Leipzig feiert Derbyhelden

Neue Einträge ins Geschichtsbuch: Chemie Leipzig feiert Derbyhelden

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Derby-Helden: Daniel Heinze (l.) und Florian Schmidt.
Derby-Helden: Daniel Heinze (l.) und Florian Schmidt. © Picture Point
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Mit Daniel Heinze und Florian Schmidt wurden in Leutzsch neue Derbyhelden geboren! Nach dem 2:0 der BSG im 103. Derby waren nur strahlende Gesichter zu sehen. Acht Jahre war es her, dass die Leutzscher zum letzten Mal gewinnen konnten.

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Leipzig. Da war einmal Florian Schmidt. Der Luckenwalder, seit drei Jahren bei der BSG Chemie, war zuletzt im On-Off-Modus. Mal saß er draußen und es spielte Max Keßler oder Raffael Cvijetkovic für ihn, mal kam er rein (wie in Erfurt) und spielte auf ungewohnter Position sogar als Rechtsverteidiger. Im rechten Mittelfeld fühlt er sich jedoch am wohlsten, und dort sieht ihn auch Trainer Miro Jagatic am liebsten – als schnelle Flügelzange mit Alex Bury als Pendant auf links.

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Am 6. Oktober 2019 standen sich die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig zum 103. Mal gegenüber. Zur Galerie
Am 6. Oktober 2019 standen sich die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig zum 103. Mal gegenüber. ©
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Nun also Derbyschütze. In einer Reihe mit den Lisiewicz, Bauchspieß, Scherbarth, Trunzer, Kujat und Schiemann, die im Vorfeld des Spiels in einer kreativen und witzigen Aktion überall im Stadtgebiet zu sehen waren. Was bedeutet ihm das? „Das nimmt man gern mit, aber am Ende ist wichtiger, dass wir gewonnen haben und den Bock endlich umgestoßen haben gegen Lok“, meint der selbstbewusste, aber oft auch nachdenkliche Lehramtsanwärter, der noch studiert. In Leutzsch fühlt er sich mehr als heimisch, die emotionale Nähe der Fans, der familiäre Charakter. Und so überlegte er unlängst schon mal laut, warum er seine Karriere nicht in Leutzsch beenden sollte – „irgendwann viel später und wenn man mich so lange will“.

Chemie eine Herzenssache

Für einen anderen ist das schon lange klar. Daniel Heinze, mit über 270 Spielen für die BSG dienstältester Spieler, wird nirgendwo mehr hinwechseln. „Chemie ist eine Herzenssache, das ist mein Verein. Hier gehe ich nicht mehr weg!“ Dass es mit dem Tor gegen Lok geklappt hat, freut ihn um so mehr. „Ich habe ja schon länger nicht mehr aus der Distanz getroffen, obwohl das eigentlich nichts Seltenes bei mir war. Das Tor habe ich meinem Vater gewidmet, der immer an mich geglaubt hat.“

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Vor acht Jahren spielte Heinze noch für den FC Sachsen, damals traf er in der 48. Minute vor 8400 Zuschauern ebenfalls zum 2:0. Auch ein anderer Routinier war überglücklich. Kapitän Stefan Karau, der seinen Nebenmann Benny Schmidt, ebenfalls seit Kindesbeinen bei Chemie kickend, nach dem Tor besonders innig. Beide sind das, was man – wie auch Heinze - Galionsfiguren nennt. „Das stand noch auf meiner To-do-Liste, ein Derby zu gewinnen. Geschafft!“ freute sich Karau. Nach dem Spiel ging es dann auch noch auf einige Getränke in die Südvorstadt, wo das Team mit den Fans feierte.

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Daniel Heinze (BSG Chemie): Wie soll man das erklären - noch fehlen mir die Worte. Irgendwann waren wir mal dran. Die Voraussetzungen waren gut, denn Lok war klarer Favorit. Wir standen sehr kompakt, so richtig ist Lok nichts eingefallen, ein Quäntchen Glück war für uns sicher auch dabei. Ich hatte meinen Vater ein Tor versprochen - das war für dich, Papa. Zur Galerie
Daniel Heinze (BSG Chemie): "Wie soll man das erklären - noch fehlen mir die Worte. Irgendwann waren wir mal dran. Die Voraussetzungen waren gut, denn Lok war klarer Favorit. Wir standen sehr kompakt, so richtig ist Lok nichts eingefallen, ein Quäntchen Glück war für uns sicher auch dabei. Ich hatte meinen Vater ein Tor versprochen - das war für dich, Papa." ©

Gespaltene Gefühle hatte wohl Andy Wendschuch. Bei Lok nach Umstellung auf Vollprofitum gegangen, weil er seine Arbeitsstelle als Ingenieur nicht aufgeben wollte, schlug er bei Chemie auf Anhieb ein und sorgte für Stabilität im defensiven Mittelfeld. Zuletzt plagte er sich mit einer hartnäckigen Muskelverletzung herum, zum Derby war er rechtzeitig fit. Den Sieg gegen die ehemaligen Mannschaftskollegen genoss der stille Sechser auf die für ihn typische Art: eher leise. Alles überschäumende ist ihm fremd, er analysiert lieber und bleibt fokussiert: „Ein schöner Sieg, drei Punkte, die wichtig waren. Jetzt geht es weiter“. Wohltuende Realität in Leutzsch. Ein sympathischer Derbysieger.

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