07. Mai 2022 / 19:53 Uhr

Neue Kultur bei den Königsblauen: Darum steht Schalke 04 vor der Rückkehr in die Bundesliga

Neue Kultur bei den Königsblauen: Darum steht Schalke 04 vor der Rückkehr in die Bundesliga

Daniel Theweleit
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der FC Schalke 04 ist im Aufstiegsrennen in der Pole-Position.
Der FC Schalke 04 ist im Aufstiegsrennen in der Pole-Position. © IMAGO/RHR-Foto (Montage)
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Nach dem Abstieg aus dem Oberhaus im deutschen Fußball war die Stimmung rund um den FC Schalke 04 am Boden. Doch der Gemütszustand der Königsblauen hat sich verändert. Der SPORTBUZZER erklärt, warum der Klub erfolgreich spielt und vor der Rückkehr in die Bundesliga steht.

Es passt ganz gut, dass sich die legendären UEFA-Pokal-Sieger von 1997 an diesem Samstag zum Showdown gegen den FC St. Pauli auf Schalke (20.30 Uhr, mit Sport 1 und Sky Ticket [Anzeige]) treffen, um ein Jubiläum und vielleicht sogar einen entscheidenden Schritt in Richtung Bundesliga-Aufstieg zu feiern.

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Ein Vierteljahrhundert ist dieser für die meisten Schalker größte Moment ihrer Verbindung zu dem Revierklub nun her, und seltsamerweise fühlen sich viele derzeit an jene zuckersüßen Tage aus dem Frühjahr 1997 erinnert. "Ich habe mit Schalke 25.000 Fans beim UEFA-Cup-Sieg in Mailand erlebt. Aber das war heute ein zweites Mailand", erklärte Trainer Mike Büskens, als rund 10.000 Schalker die kleine Arena am Hardtwald in Sandhausen eingenommen hatten und ein Siegtor in der Nachspielzeit bejubelten, als wären sie gerade deutscher Meister geworden. "Das ist es, was Schalke zu dem gemacht hat, was es war und was es wieder sein muss."

Nach vielen eher tristen Jahren und dem katastrophalen Zusammenbruch während der Pandemie fliegen dem FC Schalke gerade wieder die Herzen zu. Es wird von jungen Sympathisanten berichtet, die plötzlich zu echten Fans werden. Und statt der eher professionell als leidenschaftlich mit dem Klub verbundenen Spieler der zurückliegenden Bundesliga-Jahre spielen nun Leute wie Darko Churlinov und Rodrigo Zalazar, die für Schalke entflammt sind, um den Aufstieg. Und der kann schon am Samstagabend perfekt gemacht werden: Nach dem Patzer des Tabellenzweiten SV Darmstadt 98 (1:2 in Düsseldorf) könnten die Königsblauen mit einem Sieg gegen St. Pauli die Rückkehr schon vorzeitig feiern. Sportdirektor Rouven Schröder und der Vorstand um Peter Knäbel haben Erstaunliches geschaffen in den vergangenen zwölf Monaten.

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"Alles hart erarbeitet"

Dabei spielt der FC Schalke weder besonders schön noch besonders gut Fußball. Es rumpelt und knarzt, wenn die Mannschaft versucht, vor das gegnerische Tor zu kommen. Doch sie hat den unglaublichen Simon Terodde, der einfach immer Tore schießt, und lauter Spieler, die ihre Arbeit mit maximaler Hingabe verrichten. "Uns ist in der ganzen Saison nichts zugeflogen", sagte Schröder vor dem Duell mit dem FC St. Pauli, "wir haben uns alles hart erarbeitet." Der Sportdirektor hat mit wenig Geld und vielen klugen Ideen eine Erfolgsmannschaft zusammengestellt, die sowohl zu dieser Liga als auch zu diesem Standort passt.

Sportvorstand Knäbel ist begeistert und lobt das "außergewöhnliche Netzwerk im Transfermarkt", in dem Schröder sich bewegt: "Spieler wie Ko Itakura oder Thomas Ouwejan kriegt man nur, wenn man perfekt vernetzt ist, diese Leute schon fünfmal gesehen hat, sie schon mal holen wollte und weiß, wie die Vertragssituation, die Besitzverhältnisse und das Management drumherum sind", sagte er neulich. Und bei Schröder komme "als Kirsche auf die Sahne dazu, dass das ein sehr emotionaler, dabei geerdeter und natürlicher Mensch ist, der einfach hierhin passt".

Nachdem mit dem umstrittenen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und dem langjährigen Finanzchef Peter Peters die beiden prägenden Männer der zurückliegenden Bundesliga-Jahre weg waren, ist eine neue Kultur im Verein entstanden. Die Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers erläutert regelmäßig offen und nachvollziehbar, wie die schwierige wirtschaftliche Lage aussieht. Im unter Tönnies autokratisch geführten Aufsichtsrat wird inzwischen ruhig, professionell und transparent zusammengearbeitet. So sind die Schalker selbst aus der Krisenphase, die zur Trennung von Trainer Dimitrios Grammozis führte, gestärkt hervorgegangen. Die Aussichten auf den Aufstieg sind bestens, auch wenn Büskens, der im Sommer wieder in den Assistentenstab wechseln wird, warnt: "Wir haben noch zwei schwere Spiele. Wir bleiben im Hier und Jetzt."