23. April 2020 / 10:00 Uhr

Die neuen Superstars: Mattéo Guendouzi im Porträt – Lockenkopf ohne Position

Die neuen Superstars: Mattéo Guendouzi im Porträt – Lockenkopf ohne Position

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Er liebt Fußball, er isst Fußball, trinkt Fußball, schläft Fußball: Mattéo Guendouzi vom FC Arsenal. 
"Er liebt Fußball, er isst Fußball, trinkt Fußball, schläft Fußball": Mattéo Guendouzi vom FC Arsenal.  © imago
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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind noch aktiv, doch die nächste Generation lauert schon – der SPORTBUZZER stellt die neuen Superstars des Fußballs in einer Serie mit eingebettetem Podcast vor. Teil 14: Mattéo Guendouzi vom FC Arsenal. 

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Wer bis zum 12. Januar 2019 noch nicht auf Mattéo Guendouzi aufmerksam geworden ist, weder wegen seines fußballerischen Talents, noch wegen der prachtvollen Lockenfrisur, der wurde es womöglich durch einen Tweet der ehemaligen Pornodarstellerin Mia Khalifa. "Du lagst in dem Spiel häufiger flach als ich im Jahr 2014", schrieb die West-Ham-Anhängerin also während einer Partie ihres Lieblingsteams gegen den FC Arsenal, dem Klub des jungen Franzosen. Spätestens da war sein Name bekannt, was ihm gefallen haben dürfte. Der Londoner pflegt ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

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Als Dimitar Berbatow Ende 2018 in einer TV-Show über Guendouzi sagte, er fühle sich von dieser Charaktereigenschaft genervt, war das allerdings positiv gemeint. "Er ist erst 19, aber er spielt, als wäre er schon immer da gewesen", befand der ehemalige Bundesliga- und langjährige Premier-League-Profi. Der Mittelfeldspieler kickte da frisch beim FC Arsenal, im Sommer war er vom FC Lorient gekommen – und schon Leistungsträger. Dabei sei der Schritt aus der 2. französischen Liga nach London "ein großer" gewesen, sagt Landsmann Willy Sagnol, der ehemalige Bayern-Profi. Doch mit Herausforderungen – und Zielen – kennt sich der Sohn eines Marokkaners und einer Französin bestens aus.

"Er brauchte nur wenig Anlaufzeit, bis er der Anführer wurde"

"Jedes Mal, wenn er sich auf einer höheren Stufe beweisen durfte – in der U16, der U17, der U19 – brauchte er nur wenig Anlaufzeit, bis er der Anführer der Mannschaft wurde – jedes Mal", erinnert sich Lorient-Präsident Loic Fery. Mit 15 war Guendouzi zu dem Klub gekommen, nachdem er, aufgewachsen in der Stadt Poissy vor den Toren von Paris, zunächst seit seinem sechsten Lebensjahr in der PSG-Akademie ausgebildet wurde. In Lorient sollte er jedoch schneller an den Männerfußball herangeführt werden. Und als Leader der Jugendteams machte der heute 21-Jährige diesen Anspruch auch selbst stets deutlich.

Was wurde aus den "Invincibles" des FC Arsenal?

Vieira, Pirés, Henry und Cole - sie gehörten zu den Leistungsträgern bei den Invincibles, der legendären Arsenal-Mannschaft der Saison 2003/04, die in der Premier League in allen 38 Meisterschaftsspielen ungeschlagen blieb. Aber was machen Sie heute? Der <b>SPORT</b>BUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. Zur Galerie
Vieira, Pirés, Henry und Cole - sie gehörten zu den Leistungsträgern bei den "Invincibles", der legendären Arsenal-Mannschaft der Saison 2003/04, die in der Premier League in allen 38 Meisterschaftsspielen ungeschlagen blieb. Aber was machen Sie heute? Der SPORTBUZZER hat sich auf Spurensuche begeben. ©

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Guendouzis erster Profieinsatz war insofern folgerichtig: Mit 17 debütierte er, damals noch in der Ligue 1. Sein Trainer Sylvain Ripoll schwärmte von dem Teenager: "Er liebt Fußball, er isst Fußball, trinkt Fußball, schläft Fußball." Was Ripoll jedoch besonders auffiel, war die ausgeprägte Persönlichkeit, die in dem Jungen steckte – und die gepaart mit einer Menge Temperament immer wieder zu Problemen führte. Das Ausnahmetalent Guendouzi war derart von sich überzeugt, dass er jedes Mal empört reagierte, wenn jemand nicht seiner Meinung war.

Es dauerte nicht lange, bis es in seiner zweiten Profisaison, nach dem Abstieg in die Ligue 2 unter dem neuen Trainer Mickael Landreau, zu Meinungsverschiedenheiten kam. In der Halbzeitpause eines Spiels gegen Valenciennes führte dies am 24. November 2017 in einem Kabinenkrach dazu, dass Guendouzi zur zweiten Hälfte aus dem Spiel genommen wurde – und rund drei Monate nicht zum Einsatz kam. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wollte er den Verein verlassen. Der FC Arsenal schlug für 8 Millionen Euro zu.

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Sagnol fordert: "Er muss den Fußball mehr studieren"

Dabei hat Guendouzi ein Problem. "Er hat seine Position noch nicht gefunden", erklärt Sagnol, "um als Nummer zehn zu spielen, dafür hat er nicht die Technik. Und um als Nummer sechs zu spielen, dafür ist seine Kenntnis vom Fußball noch nicht groß genug." So bleibt eine Menge Luft nach oben. "Auf dem Platz ist er wie ein Hund. Er läuft nach rechts, nach links. Irgendwann ist er müde und kann sich nicht mehr bewegen", sagt Sagnol und fordert von dem französischen U21-Nationalspieler, der noch auf sein A-Debüt wartet: "Er muss den Fußball mehr studieren und Dinge erkennen." Nach gutem Saisonbeginn hat Guendouzi vor der Corona-Pause seinen Stammplatz verloren. Für Sagnol ein Alarmzeichen: "Normalerweise geht ein junger Spieler step by step in seiner Karriere. Er hat aber zuletzt zwei Schritte zurück gemacht. Er muss jetzt die Kurve kriegen."

Nächster Teil: Rodrygo.

Die Serie "Die neuen Superstars des Fußballs“ gibt es als Podcast bei rnd.de und allen bekannten Anbietern.