13. Mai 2021 / 17:06 Uhr

Neuer Grizzlys-Dompteur Mike Stewart: "Ich mag selbstbewusstes Eishockey!"

Neuer Grizzlys-Dompteur Mike Stewart: "Ich mag selbstbewusstes Eishockey!"

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Stewart interview
Gibt bei den Grizzlys nun die Richtung vor: Der neue Chefcoach Mike Stewart mag offensives Eishockey. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Anfang August will Mike Stewart als neuer Trainer mit dem deutschen Eishockey-Vizemeister Grizzlys Wolfsburg in die Saisonvorbereitung einsteigen.Warum es ihm leichtfiel, den Grizzlys schnell zuzusagen verrät der Nachfolger von Pat Cortina im SPORTBUZZER-Interview.

Anfang August will Mike Stewart als neuer Trainer mit den Grizzlys Wolfsburg in die Saisonvorbereitung einsteigen.Warum es ihm leichtfiel, den Grizzlys schnell zuzusagen, wie er es mit der Kapitänsfrage hält, warum er dringend mit dem Fitness-Coach reden muss - das und mehr verrät der Nachfolger von Pat Cortina im SPORTBUZZER-Interview.

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Mike Stewart trainierte in Deutschland zuvor die Fischtown Pinguins Bremerhaven (2012 bis 2015), wurde mit ihnen Zweitliga-Meister und war Zweitliga-Trainer des Jahres. Als Bremerhaven aufstieg war er schon Coach in Augsburg (2015 bis 2019), dann holten ihn die Kölner Haie, wo er im Februar 2020 nach 17 Niederlagen ("Das ist Vergangenheit") beurlaubt worden war.

Wenn man etwas über Sie nachliest, landet man immer irgendwann auf der Ranch...

Ja, das stimmt. Mein Vater war in seiner Jugend beim Rodeo, trat unter anderem auf beim Kälberbinden, wo es darum geht, so schnell wie möglich ein Kalb zu fangen und an beiden Beinen zu fesseln. Später hat er eine Farm in den Rocky Mountains, nicht weit von Calgary, aufgebaut, die heute mein Onkel Duncan führt. 650 Rinder gibt es dort, aber man darf sich das nicht wie im Wilden Westen vorstellen. Prärie gibt es dort nicht.

Aber reiten können Sie?

Ja, klar. Das mache ich auch, ein paar Pferde haben wir ja auch.


Haben Sie da in den vergangenen Jahren auch wieder auf der Farm mitgemischt?

Ja. Das ist auch ein Rückzugsort für mich, dort kann man abschalten, es gibt keinen Handyempfang.

Hätte es Sie nicht früher gereizt, wieder im Eishockey einzusteigen?

Im Prinzip schon, aber die Pandemie hat da eine große Rolle gespielt. Als Trainer möchte man ja zumindest das Gefühl haben, dass die Situation bei dem Klub, zu dem man geht, stabil ist. Aber das war ja seit meiner Beurlaubung in Köln für alle Klubs und für die gesamte Liga schwierig. Alles war von Unsicherheit geprägt. Jeder hat geguckt, geht es überhaupt? Wann, wie? Da habe ich mich dafür entschieden, abzuwarten. Aber jetzt kann ich es kaum noch abwarten, bis es wieder losgeht.

Was können Sie zu den Abläufen mit den Grizzlys verraten?

Ich habe am vergangenen Sonntag unterschrieben. Es waren zuvor sehr gute Gespräche mit Charly Fliegauf, den ich seit meinen Augsburger Zeiten inzwischen ja schon ganz gut kenne. Da musste ich nicht lange überlegen. Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, und es ist mir eine Ehre für einen Klub wie die Grizzlys zu arbeiten. Die Geschichte des Klubs mit allein vier Finalteilnahmen in zehn Jahren spricht ja für sich... Am Dienstag hatten wir eine dreistündige Zoom-Konferenz, um viele Abläufe durchzusprechen.

Worum ging es dabei?

Die Besetzung der letzten Kaderplätze, aber auch um die Saisonvorbereitung. Da werde ich noch intensiv mit unserem Fitnesscoach sprechen, denn die Erholungsphase ist durch das späte Saisonende diesmal für die Spieler kurz, die neue Saison fängt aber auch schon am 11. September an. Es könnten 56 Spiele werden und durch die Olympia-Pause ein enger Spielplan. Es könnte Absteiger geben, es wird keine leichte Saison. Anfang August wollen wir loslegen.

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Einige Plätze im Kader sind noch offen...

Wir haben einen guten Kern, aber es gibt noch ein paar Entscheidungen zu fällen, da werde ich noch weiter mit Charly und Tyler Haskins sprechen, Videos studieren, um da ein besseres Gefühl zu bekommen.

Stichwort Tyler Haskins...

Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er war ein hundertprozentiger Profi, identifiziert sich mit Wolfsburg, verkörpert die Grizzlys, das wird eine große Hilfe sein.

Haskins hat in der abgelaufenen Spielzeit großen Anteil am guten Wolfsburger Powerplay gehabt. Sie waren auch immer bekannt für gutes Powerplay...

...man braucht auf jeden Fall die richtigen Leute für ein Powerplay. Ich mag selbstbewusstes Eishockey. Und im Powerplay liegt die größte Chance für jeden Spieler, auch kreativ zu sein.

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Sie gelten als Verfechter aggressiven, offensiven Eishockeys...

Ja, das stimmt, ich mag In-Your-Face-Hockey, aber dennoch lege ich Wert auf die Defensive. Doch es kommt in diesem Spiel darauf an, ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner, also wollen wir die Scheibe und dem Gegner Zeit wegnehmen, zu spielen.

Zur guten Defensive zählen immer auch die Torhüter. Da ist Wolfsburg schon komplett. Zufrieden?

Absolut. Dustin Strahlmeier war in den Play-Offs eine Wand. Er und Chet Pickard haben in der Saison einen Super-Job gemacht, über so ein Gespann freut man sich als Trainer.

In der kommenden Saison sind drei U23-Akteure pro Team Pflicht, man sagt Ihnen einen guten Draht zu jungen Spielern nach...

Fakt ist, dass die Liga immer jünger wird. Ich arbeite gerne mit ihnen, in Augsburg hatte ich unter anderem Simon Sezemsky und Daniel Schmölz entwickelt. Junge Spieler sind talentiert, laufstark, wollen Profis werden, sie zu Profis zu machen, macht Spaß.

Wie handhaben Sie die Kapitänsfrage in Ihren Teams?

Ich tendiere dazu, das die Sache der Mannschaft sein zu lassen. Wenn ich die Wolfsburger Gruppe Führungsspieler um Sebastian Furchner, Gerrit Fauser und Spencer Machacek sehe, da macht man nichts falsch, wenn man sich da nicht einmischt.

Sie sprechen für einen Kanadier sensationell gut Deutsch, erklären Sie mal etwas zum Hintergrund...

Jetzt ist mein Deutsch schon wieder etwas eingerostet. Neun Jahre als Spieler und zwei Jahre Trainer in Kärnten beim Villacher SV, das hat abgefärbt. Aber ich konnte lange nur Kabinendeutsch, als ich dann nach Bremerhaven gekommen bin, hat mich erstmal keiner verstanden. Meine Kinder sprechen viel besser deutsch, sie sind alle in Kärnten auf die Welt gekommen. Neben meiner Frau Tara werden voraussichtlich auch die 17-jährige Avery und die 16-jährige Bryn mit nach Wolfsburg kommen. Sie kennen die Wechsel schon. Mein Sohn Mack spielt in Kanada, er wird wohl dort bleiben.