24. Mai 2019 / 16:58 Uhr

Neuer HSV-Sportvorstand: Wer ist Jonas Boldt?

Neuer HSV-Sportvorstand: Wer ist Jonas Boldt?

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jonas Boldt hat sich bei Bayer 04 Leverkusen bis zum Sportdirektor entwickelt.
Jonas Boldt hat sich bei Bayer 04 Leverkusen bis zum Sportdirektor entwickelt. © imago images / Jan Huebner
Anzeige

Er ist der neue starke Mann beim Hamburger SV: Jonas Boldt soll den HSV aus der Dauerkrise führen. Der 37-Jährige kommt von Bayer 04 Leverkusen an die Elbe und beerbt den geschassten Ralf Becker. Der SPORTBUZZER zeichnet den bisherigen Karriereverlauf von Jonas Boldt nach. Wer ist der neue HSV-Boss?

Anzeige
Anzeige

Der HSV wagt mal wieder einen Neuanfang: Jonas Boldt soll es nun also richten beim Hamburger SV. Am Freitagmittag bestätigten die HSV-Bosse, dass der 37-Jährige Ralf Becker als Sportvorstand nachfolgt. Becker hatte es nicht geschafft, mit den Hamburgern den sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Der soll nun unter Leitung von Boldt gelingen. Er freue sich auf die neue Aufgabe, betonte der Ex-Leverkusener auf seiner ersten Pressekonferenz als HSV-Boss, und wolle für Ruhe und Kontinuität sorgen.

Ganz Hamburg fragt sich nun: Wer ist der neue starke Mann des HSV - wer ist Jonas Boldt? Der gebürtige Nürnberger, der eine Erfüllung seines Zwei-Jahres-Vertrags beim HSV als "großen Erfolg" bezeichnen würde, hat trotz seines noch jungen Alters bereits mehr als zehn Jahre Erfahrung im Sportmanagement, arbeitete seit 2007 ohne Unterbrechung für Bayer 04 Leverkusen, seit 2009 war er als Chefscout und Assistent von Sportdirektor Rudi Völler. Er machte den spanischen und lateinamerikanischen Markt zu seinem Steckenpferd, war maßgeblich beteiligt an den Verpflichtungen von Arturo Vidal und Dani Carvajal.

Karriere-Killer HSV? So erging es den Trainern nach der Trennung

Bereits 18 Cheftrainer hatte der Hamburger SV seit der Jahrtausendwende. Der <b>SPORT</b>BUZZER macht den Check: Wie erging es den entlassenen Coaches nach ihrem Engagement an der Elbe? Zur Galerie
Bereits 18 Cheftrainer hatte der Hamburger SV seit der Jahrtausendwende. Der SPORTBUZZER macht den Check: Wie erging es den entlassenen Coaches nach ihrem Engagement an der Elbe? ©
Anzeige

Mit Mitte 20 legte Boldt 2007 nach einem Studium im Bereich BWL mit Schwerpunkt Sportmanagement bei Bayer los. Zunächst arbeitete der Franke unter anderem unter dem künftigen Schalke-Kaderplaner Michael Reschke als Scout in der Bayer-Jugend, später im Rahmen eines Auslandsaufenthalts in Südamerika. In Chile, dem Heimatland von Boldts Mutter, entdeckte er Arturo Vidal, der damals ein noch völlig unbekannter Linksverteidiger war. "Auch wenn das Fragezeichen der fehlenden Schnelligkeit bestand, war klar, dass er uns links hinten kurzfristig helfen würde", sagte Boldt einmal zu Spox. Die Station Bayer Leverkusen war für Vidal, der später Mittelfeldspieler wurde, der Start einer Weltkarriere, die ihn zu Juventus Turin, dem FC Bayern und Barcelona führen sollte. Und auch für Boldt war es in vielerlei Hinsicht ein Türöffner.

Erste Aufgabe: Jonas Boldt muss einen neuen HSV-Trainer finden

Inzwischen hat der 37-Jährige es zum Sportvorstand eines deutschen Traditionsvereins gebracht. "Ich spüre eine riesige Vorfreude auf diese Herausforderung", sagte Boldt auf seiner ersten Pressekonferenz als HSV-Boss. Er hatte in den vergangenen Monaten keinen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht, nach vielen Jahren in der zweiten Reihe Hauptverantwortlicher eines Profiklubs zu sein. "Für mich ist es eine tolle Aufgabe, in erster Reihe zu arbeiten. Es ist ein Verein, der polarisiert." Die Aufgabe könne "kaum konträrer" sein zu der in Leverkusen, wo er sportlich erfolgreich in einem funktionierenden Umfeld arbeitete. All das hat er in Hamburg nicht.

Der Klub befindet sich nach dem verpassten Wiederaufstieg in die Bundesliga im Selbstzerstörungsmodus. Trainer Hannes Wolf muss ebenso gehen wie Boldts Vorgänger Ralf Becker - beide waren erst im Laufe des Vorjahres nach Hamburg gekommen. Vorstandschef Bernd Hoffmann hatte noch unmittelbar nach dem gescheiterten Aufstieg erklärt, man wolle sich von markt- und besonders hsv-üblichen Mechanismen freimachen und nicht sofort die handelnden Personen austauschen.

Mehr zum HSV

"Wir sind seit Jahren im permanenten sportlichen Krisenmodus, der immer im Austausch einzelner Personen endet. Das macht es kurzfristig besser, aber hat dauerhaft keinen Effekt gehabt", betonte Hoffmann, der von 2003 bis 2011 und erneut seit Mai 2018 als Vorstandschef der Hamburger fungiert und zwischenzeitlich auch als Präsident sowie Aufsichtsrat arbeitete. Er wolle "den Kreislauf irgendwann man durchbrechen, dass wir immer alles auf den Trainer reduzieren". Nur anderthalb Wochen später wurde Hoffmann von der Realität überholt: Becker feuerte erst Trainer Wolf und wurde dann vom Aufsichtsrat "abberufen", wie es im Amtsdeutsch euphemistisch heißt. Das Chaos bleibt dem HSV treu.

Jonas Boldt soll HSV-Teufelskreis durchbrechen: "Für Ruhe und Kontinuität sorgen"

Diesen Teufelskreis soll Boldt nun durchbrechen. Er kennt aus Leverkusen das Arbeiten in Kontinuität, seit der Jahrtausendwende hatte Bayer nur halb so viele Cheftrainer wie der HSV, Rudi Völler ist seit 2005 Verantwortlicher im Sportlicher Leiter. Boldt wolle für "Ruhe und Kontinuität" beim HSV sorgen, das sei in der momentanen Situation geboten. Den HSV habe er in den vergangenen Jahren aus Leverkusen genau verfolgt. Immer wieder "gab es auch Überschneidungen", stellte der 37-Jährige fest. Etwa beim Transfer des Ex-Hamburgers Hakan Calhanoglu, den Boldt als Manager von Bayer 04 2014 maßgeblich vorantrieb. Zum 1. Juli 2018 wurde er Sportdirektor.

50 ehemalige Spieler von Bayer Leverkusen - und was aus ihnen wurde

Dimitar Berbatow, Bernd Schneider, Michael Ballack: Sie alle haben jahrlang ihre Schuhe für Bayer 04 geschnürt. Doch was wurde aus diesen und weiteren ehemaligen Spielern der Werkself? Der SPORTBUZZER zeigt 50 Ex-Profis von Bayer Leverkusen - und was sie heute machen. Zur Galerie
Dimitar Berbatow, Bernd Schneider, Michael Ballack: Sie alle haben jahrlang ihre Schuhe für Bayer 04 geschnürt. Doch was wurde aus diesen und weiteren ehemaligen Spielern der Werkself? Der SPORTBUZZER zeigt 50 Ex-Profis von Bayer Leverkusen - und was sie heute machen. ©

Schon im Vorjahr war der HSV an Boldt interessiert (damals als Nachfolger von Jens Todt), verpflichtete dann aber Ralf Becker von Holstein Kiel. Boldt hatte abgesagt, wollte in Leverkusen bleiben. Ende November 2018 gab er jedoch seinen Abschied bekannt. Boldt arbeitete mit Simon Rolfes seinen Nachfolger ein und betonte, nach vielen Jahren bei der Werkself hauptverantwortlich bei einem anderen Klub arbeiten zu wollen. Bis Mai 2019 arbeitete er Rolfes ein, verließ Bayer endgültig zum Saisonende.

Football Leaks: Enthüllungen zu Fabianski belasten Boldt

Boldt gilt als eines der größten deutschen Talente im Bereich Sportmanagement. Doch es gibt auch eine Schattenseite: Im Dezember 2018 veröffentlichte der Spiegel einen Artikel, der Boldt geheime Absprachen mit Spielerberatern vorwarf. Konkret ging es um den Fall Lukasz Fabianski. Für den damaligen Swansea-Torwart hatte Boldt 2015 ein Angebot hinterlegt, das laut Football Leaks von dessen Beraterfirma vorformuliert worden war.

Das Ziel: Fabianski einen neuen, hoch dotierten Vertrag zu verschaffen - unter dem Eindruck einer vermeintlichen Offerte aus Leverkusen. Das gelang, Fabianskis Firma kassierte ein Honorar in siebenstelliger Höhe. Boldt dementierte, ein Bayer-Interesse am Polen vorgegaukelt zu haben. Zu einer Verpflichtung kam es allerdings nicht.

Hier abstimmen: Schafft der HSV 2020 den Wiederaufstieg?

Mehr anzeigen

ANZEIGE: 50% auf dein Winter-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus aller Welt