27. Januar 2021 / 20:31 Uhr

Neuer NOFV-Präsident Hermann Winkler: „Die wirtschaftliche Zukunft macht Angst“

Neuer NOFV-Präsident Hermann Winkler: „Die wirtschaftliche Zukunft macht Angst“

Tom Rietzschel
Dresdner Neueste Nachrichten
Hermann ist Winkler ist Präsident in Personalunion – beim NOFV und SFV.
Hermann ist Winkler ist Präsident in Personalunion – beim NOFV und SFV. © Michael Hundt
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Der Grimmaer Hermann Winkler ist neugewählter NOFV-Präsident. Im SPORTBUZZER-Interview hat 57-Jährige über seine kurz- und langfristigen Ziele im Regionalverband und beim DFB gesprochen und welche Lösungen er zum planmäßigen Re-Start anstrebt. Winkler wünscht sich vor allem, dass alle Beteiligten dem geliebten Fußball wieder nachgehen können.

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Grimma. Neben Spitzen-Referee Alexander Sather, der als Muldestädter in der 2. Bundesliga und in der höchsten Spielklasse als Schiedsrichter-Assistent fungiert, erlangt der FC Grimma ab sofort zusätzlich erhöhten Bekanntheitsgrad in der großen, weiten Welt des Fußballs. Hermann Winkler, langjähriger Vorsitzender des Landessportbundes Sachsen und seit 2016 Präsident des Sächsischen Fußballverbandes (SFV), ist als Mitglied des FC Grimma am vergangenen Donnerstag als kommissarischer Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) gewählt worden.

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Der 57-Jährige setzte sich bereits im ersten Wahlgang mit acht von 14 Stimmen gegen seine Mitbewerber Jens Cyrklaff (NOFV-Schatzmeister) und Bernd Schultz (Präsident des Berliner Fußballverbandes) durch. Hermann Winkler, der aktuell zusätzlich noch das Amt des Präsidenten des Sächsischen Fußballverbandes ausübt, wird somit die Nachfolge von Erwin Bugar antreten, welcher im vergangenen Dezember an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb. Hermann Winkler wird den Nordostdeutschen Fußballverband zunächst bis zum nächsten Verbandstag im Jahr 2022 führen. Dort soll dann ein neuer Präsident gewählt werden. Der SPORTBUZZER hat mit Hermann Winkler gesprochen.

SPORTBUZZER: Herr Winkler, herzlichen Glückwunsch zur Wahl des kommissarischen NOFV-Präsidenten. Wie war Ihr Gefühl im Vorfeld?

Hermann Winkler (57): Ich war optimistisch und trotzdem etwas angespannt, denn bei geheimen Wahlen weiß man nie. Zudem standen mit meinen zwei Mitbewerbern zwei langgediente Fußballfunktionäre aus Berlin und Brandenburg zur Verfügung, die ich schätze. Dass sich bereits im Vorfeld so viel Vereine für meine Kandidatur ausgesprochen haben, hat mich gefreut und motiviert.


Anfang Dezember 2020 traf die Nachricht über den Tod des verdienstvollen NOFV-Präsidenten Erwin Bugár ein. Wann stand für Sie fest, für das Amt zu kandidieren?

Nach dem ersten Schock habe ich über die Weihnachtsfeiertage mit vielen Sportfreunden gesprochen und von diesen auch die Ermutigung bekommen, als Nachfolger anzutreten.Viele meinten, dass ich mit der Art und Weise wie ich den Sächsischen Fußballverband führe, auch etwas im NOFV bewegen könne.

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In den kommenden Wochen und Monaten liegt jede Menge Arbeit vor Ihnen. Was sind Ihre primären Aufgaben, welche Sie zunächst in Angriff nehmen werden?

Das vordergründige Ziel besteht für mich darin, so schnell es geht wieder den Spielbetrieb in den Spielklassen zu beginnen. Wobei ich mir da nichts vormache und weiß, dass wir in der Hand der Politik sind. Aber ohne Punktspiele und Zuschauer bekommen unsere Vereine Probleme. Damit im Zusammenhang steht die Frage der Wertung der Saison und die Auf- und Abstiegsregelungen. Hier möchte ich Entscheidungen nur im engen Schulterschluss mit dem Spielausschuss und den Vereinen treffen. Wir haben dazu auch eine neue AG Fortsetzung des Spielbetriebs in der Regional- und Oberliga gebildet.

Was sind Ihre langfristigen Ziele an der Spitze des NOFV?

Ich möchte den Regionalverband als Interessenvertreter der Vereine stärken und den Vereinen damit Rückendeckung geben bei ihren Bemühungen, noch anerkannter in der Gesellschaft zu werden. Was in den Vereinen zumeist ehrenamtlich geleistet wird, ist enorm. Das hat auch etwas mit Attraktivität in den Kommunen zu tun, in denen unsere Mannschaften spielen. Schließlich kommt es auch darauf an, unsere Probleme gebündelt an die richtigen Adressen zu transportieren.

Unabhängig von Ihrer neuen Tätigkeit beim NOFV sind Sie ebenfalls noch Präsident des Sächsischen Fußballverbandes. Sind diese beiden Funktionen überhaupt zeitlich miteinander zu vereinbaren?

Viele Themen überschneiden sich ja und deshalb finde ich es gut, wenn ein NOFV-Präsident auch weiß, was in kleineren Vereinen unterhalb der Oberliga los ist. Die Nachwuchsproblematik oder die Gewinnung von Übungsleitern und Schiedsrichtern kann man vielleicht auch noch besser gemeinsam lösen. Ich bin noch bis 2022 im SFV gewählt und möchte meine sächsischen Sportfreundinnen und Sportfreunde jetzt auch nicht einfach so im Stich lassen in der schwierigen Zeit.

Apropos SFV – mit dem Spielausschuss-Vorsitzenden Uwe Dietrich und Lutz Mende (Vorsitzender Ausschuss für Prävention und Sicherheit) treffen Sie beim NOFV auf Kompetenzträger, mit denen Sie schon beim Sächsischen Fußballverband zusammengearbeitet haben.

Ich bin ein typischer Mannschaftssportler und deshalb gern mit Vertrauten und Freunden zusammen, auch um schwierige Situationen zu meistern. Im Übrigen sind die beiden Genannten natürlich alte Hasen im positiven Sinne und ich kann viel von ihnen lernen.

Wohnhaft sind Sie nach wie vor in Grimma, der Sitz des NOFV ist in Berlin. Wie oft wird man Sie nun wöchentlich in der Hauptstadt antreffen?

Ich sehe meine Aufgabe nicht so sehr in den Geschäftsräumen der Berliner NOFV-Zentrale. Da helfen übrigens Videokonferenzen, Fahrzeit zu sparen. Das ist vielleicht das einzige Gute an der Pandemie. Ich möchte auch so oft es geht in den Vereinen vor Ort sein. Da erfahre ich ungefiltert am besten, wo es brennt.

Durch Ihr langjähriges Engagement als Präsident des Landessportbundes Sachsen, sowie als jetziger SFV-Präsident verfügen Sie seit Jahren über ausreichend Erfahrung im Sport und haben vieles schon erlebt. Gibt es Anlässe oder Veranstaltungen, an die Sie sich gerne erinnern oder welche, die Sie gerne aus Ihrer Vita streichen würden?

Am schönsten finde ich immer die Vereinsbesuche, bei denen ich hautnah erlebe, mit wie viel Herzblut und Engagement die Verantwortlichen vor Ort sich mit ihrer Zeit und sehr oft sogar mit ihrem eigenen Geld regelrecht aufopfern für ihren Verein. Auch Ehrungsveranstaltungen sind sehr oft richtig bewegend. Natürlich gibt es auch viele negative Erlebnisse, aber streichen würde ich nichts. Irgendwie machen einen Niederlagen ja auch stärker, meistens jedenfalls.

In der aktuellen Zeit der Corona-Pandemie durchlaufen die unterklassigen Vereine eine sehr schwierige Zeit. Wie können Sie ihnen Mut machen?

Ich weiß nicht, wie das hier alles ausgeht und vor der wirtschaftlichen Zukunft vieler Vereine und vor allem vieler unserer Sponsoren habe ich Angst. Ich sage aber auch: Wenn es jemand schafft, dann wir Sportler mit Optimismus, Mut und Zusammenhalt. Wir mussten oft schon improvisieren und sind gestärkt daraus hervorgegangen.

Lange Zeit hatte der NOFV beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen sehr schweren Stand. Wie schätzten Sie generell die aktuelle Lage ein? Auf was kommt es in den nächsten Wochen und Monaten an?

Der NOFV ist ein stolzer Regionalverband. Der einzige in Deutschland, der mal Mitglied in FIFA und UEFA war. Unser Anspruch muss es sein, noch stärker Gehör zu finden. Da geht es auch darum, für bestimmte Positionen Verbündete zu suchen.

Gerade die Amateurvereine sind in ihren finanziellen Konzepten auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Ist für Sie eine Fortsetzung des Spielbetrieb ohne Zuschauer eine Option?

Nein, nicht wirklich. Ich denke noch zwei, drei Spieltage ohne Zuschauer kann ich mir zur Not vorstellen, aber ansonsten sind sie doch das Salz in der Suppe und als Einnahmequelle unbedingt erforderlich.

Aufgrund des ungewissen Termins bezüglich der Wiederaufnahme des Spielbetriebes kann man – sowohl in Regional- und Oberliga – nicht von einer ordnungsgemäßen Beendigung der Saison mit Hin- und Rückrunde sprechen. Welche Möglichkeiten gibt es trotzdem, die Saison bis zum 30. Juni 2021 werten zu können?

Es gibt einige Modelle, die wir gerade in den AGs diskutieren. Ehrlicherweise muss ich feststellen, dass die einzelnen Vorschläge der Vereine dazu immer auch irgendwie vom aktuellen Tabellenstand abhängen. Aber das ist ja menschlich. Ich persönlich ziehe eine sportliche Lösung einer Lösung am grünen Tisch vor. Schön wäre es, wenn wir wenigstens eine Halbserie zu Ende spielen können.

Als Mitglied des FC Grimma sehen Sie Ihren Heimatverein aktuell in der Oberliga Süd auf Torejagd gehen. Wie sind Sie über die Elf von Trainer Alexander Kunert informiert?

Ich fühle mich sehr gut informiert dank Facebook, Instagram, Lokalpresse und auch persönlichen Kontakten. Natürlich möchte ich unbedingt mal wieder live bei Alex und seinen Mannen dabei sein.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des FC Grimma ein?

Der Heimatverein vor der Haustür ist immer etwas Besonderes. Viele Freunde und Bekannte sind Mitglied und auch zu den „Promis“ wie Alexander und Harald Sather oder der Vereinsspitze um Daniel Kurzbach gibt es den kurzen Whatsapp-Draht. Das ist schön.

Gibt es Wünsche, welche Hermann Winkler für die kommenden Wochen und Monaten hat?

Zurzeit gibt es nur den einen Wunsch. Dass dieses Virus besiegt wird und wir wieder unserem geliebten Fußball nachgehen können. Alles andere ergibt sich dann schon.