25. März 2020 / 12:12 Uhr

Neuer Termin, Athleten-Kritik: IOC-Chef Bach gibt sich nach Olympia-Aus kämpferisch – Rücktritt kein Thema

Neuer Termin, Athleten-Kritik: IOC-Chef Bach gibt sich nach Olympia-Aus kämpferisch – Rücktritt kein Thema

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der umstrittene IOC-Präsident Thomas Bach hat sein Vorgehen in einem Telefon-Call mit Journalisten verteidigt.
Der umstrittene IOC-Präsident Thomas Bach hat sein Vorgehen in einem Telefon-Call mit Journalisten verteidigt. © Getty
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Einen Tag nach der Verlegung der Olympischen Spiele wegen der Corona-Krise hat IOC-Präsident Thomas Bach in einer Telefonschalte zu den zentralen Fragen Stellung bezogen und sich gegen Kritik verteidigt.

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Keine 24 Stunden nach dem vorläufigen Aus für die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie hat IOC-Präsident Thomas Bach sein Vorgehen in einer Telefon-Pressekonferenz mit Journalisten erklärt und verteidigt - und zu den drängendsten Fragen Stellung bezogen: Warum hat die Entscheidung, die Spiele ins nächste Jahr zu verlegen, so lange gedauert? Wann können die Spiele stattfinden? Wie hoch sind die Kosten? Und was sagt er zur Kritik aus Athleten-Kreisen am allzu zögerlichen Vorgehen des IOC?

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Bach sprach von "vielen tausend Fragen", die sich nach der historisch einmaligen Verlegung der Spiele ins Jahr 2021 stellen würden - und war sehr bemüht, deutlich zu machen, warum die Entscheidung erst jetzt getroffen wurde, obwohl der öffentliche Druck von Sportlern und Verbänden seit Wochen erdrückend war. Man müsse sich Olympia als "riesiges Puzzle vorstellen", erklärte der Deutsche. "Jedes Teil muss passen. Wenn ein Teil herausgenommen wird, kann es leicht zerstört werden. Die Spiele wurden noch nie verschoben - es gibt keine Blaupause."

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Nicht zuletzt aus Deutschland hatte es in den vergangenen Tagen kritische Töne gegeben. "Wir wollen alle den fairen Wettbewerb, der ist momentan gar nicht mehr gegeben", sagte etwa der deutsche Athletensprecher Thomas Röhler. Bach betonte, man habe stets "die Gedanken der Athleten einbezogen".

Bach über Kanada-Rückzug: Recht jedes Athleten, über Teilnahme zu entscheiden

Kritik äußerte der frühere DOSB-Chef am Vorgehen der Kanadier, die pauschal ihre Teilnahme zurückzogen. Es sei das Recht eines jeden Athleten, "über seine Teilnahme zu entscheiden. Ich denke nicht, dass diese Entscheidung von einer Mehrheit getroffen werden kann oder von jemand anderem."

Das IOC und Japan als Gastgeberland haben die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Der SPORTBUZZER hat dazu internationale Pressestimmen gesammelt. Zur Galerie
Das IOC und Japan als Gastgeberland haben die Olympischen Spiele in Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben. Der SPORTBUZZER hat dazu internationale Pressestimmen gesammelt. ©

Bach: Corona-Entwicklung in Afrika und WHO-Prognose ausschlaggebend

Einen Rücktritt als IOC-Präsident schloss Bach demonstrativ aus. Die Frage, ob er in den vergangenen Tagen darüber nachgedacht habe, beantwortete er schlicht mit einem "Nein" - es war die kürzeste Antwort Bachs. Kritik am generellen Krisenmanagement wollte Bach nicht gelten lassen. Er habe keinerlei Reue, weil man sich Zeit gelassen habe. Bach klärte auch über die Frage zusätzlicher Kosten auf. Die Verlegung werde "Opfer von allen Anteilseignern" fordern, allerdings hätten Japans Premierminister Shinzo Abe und auch das IOC die Absicht, einen Teil der Zusatzkosten zu schultern. Konkrete Zahlen nannte Bach nicht.

Der IOC-Chef nannte im Telefon-Call auch den Zeitpunkt, als man sich über eine Verlegung klar wurde: "Japan war sehr zuversichtlich, die Spiele austragen zu können. Dann haben wir am Sonntag die Zahlen aus Afrika gesehen - das war eine große Sorge." Anschließend sei man gemeinsam zu der Entscheidung gelangt, die Spiele zu verlegen - auch, nachdem man am Montag eine "ziemlich alarmierende" Prognose der Weltgesundheitsorganisation WHO erhalten habe.

Olympia-Austragung im Frühling 2021 eine Möglichkeit

Wann genau die Spiele ausgetragen werden können, ließ Bach noch offen. Es gebe eine Taskforce, die "schnellstmöglich" zu einer Entscheidung gelangen soll. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie früher stattfinden werden als im Juli/August 2021. "Wir sind nicht auf die Sommermonate beschränkt. Wir wollen und werden aber nur dann Spiele organisieren, wenn eine sichere Umgebung für alle Sportler gewährleistet ist."