17. Februar 2018 / 07:00 Uhr

Neuer Vertrag, Heynckes, Karriereende: Jetzt spricht Bayern-Star Arjen Robben

Neuer Vertrag, Heynckes, Karriereende: Jetzt spricht Bayern-Star Arjen Robben

Heiko Ostendorp und Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Arjen Robben ist eine Ikone beim FC Bayern München. Sein Vertrag läuft jedoch bereits am Saisonende aus. Der niederländische Superstar des FCB macht sich allerdings keine Sorgen über eine Vertragsverlängerung.
Arjen Robben ist eine Ikone beim FC Bayern München. Sein Vertrag läuft jedoch bereits am Saisonende aus. Der niederländische Superstar des FCB macht sich allerdings keine Sorgen über eine Vertragsverlängerung. © imago/Montage
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Wann verlängert Arjen Robben seinen Vertrag beim FC Bayern München? Wie steht er zu einem weiteren Jahr unter Trainer Jupp Heynckes? War er mit seiner Karriere wirklich zufrieden? Der niederländische Superstar hat sich exklusiv im Interview mit dem SPORTBUZZER zu den aktuell wichtigsten Themen beim FCB geäußert.

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Eigentlich war der Interview-Termin an der Säbener Straße auf 12 Uhr angesetzt. Und eigentlich ist Arjen Robben wirklich ein pünktlicher Mensch. Doch an diesem Tag bittet er um einen kleinen Aufschub, denn er muss unbedingt noch Fernsehen schauen. Wie gebannt verfolgt er die Entscheidung über die 1000 Meter im Eisschnelllauf bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Und tatsächlich gewinnt Robbens Landsfrau Jorien ter Mors die fünfte Goldmedaille für die Niederlande. Entsprechend gut gelaunt erscheint der Offensiv-Star des FC Bayern dann mit einer kleinen Verspätung zum vereinbarten Gespräch.

SPORTBUZZER: Herr Robben, wollen Sie nach Ihrer Fußballkarriere noch auf die Jagd nach einer Olympiamedaille im Eisschnelllauf gehen?

Arjen Robben (34) (lacht): Nein, nein. Aber in Holland macht das jeder, auch in der Schule. Wir sind als Kinder über die Kanäle geflitzt, meine Kinder lieben es auch. Es macht mir wirklich sehr viel Spaß. Meine Stärken waren übrigens eher die Langstrecken als die Sprints.

Also im Gegensatz zum Fußball. Wie lange wollen Sie den jüngeren Gegnern noch davonlaufen? Ihr Vertrag läuft im Sommer aus.

Im Moment fühle ich mich noch sehr fit, sehr gut und glaube, dass ich noch ein, zwei Jahre auf dem höchsten Niveau spielen kann – das ist auch mein Ziel.

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Am 23. Januar 1984 in den Niederlanden geboren, wird Arjen Robben zu einem der besten Fußballspieler seiner Zeit. Der SPORTBUZZER zeichnet die Highlights seiner Karriere nach. Zur Galerie
Am 23. Januar 1984 in den Niederlanden geboren, wird Arjen Robben zu einem der besten Fußballspieler seiner Zeit. Der SPORTBUZZER zeichnet die Highlights seiner Karriere nach. ©

„Ich würde mich freuen, wenn Jupp Heynckes noch weitermacht“

Inwieweit hängt Ihre Zukunft auch von der Trainerentscheidung beim FC Bayern ab?

Natürlich ist diese Entscheidung nicht ganz unabhängig davon. Der Trainer ist derjenige, mit dem man tagtäglich arbeitet. Aber ich habe hier mit allen Verantwortlichen so eine offene und ehrliche Kommunikation, dass ich mir da überhaupt keine Sorgen mache. Der Verein wird einen Plan haben. Und dann müssen ich und der Klub entscheiden, ob und wie es weitergeht.

Stand jetzt hört Jupp Heynckes nach der Saison auf. Würden Sie sich wünschen, dass er weitermacht?

Erst mal ist es super, dass Jupp Heynckes wieder da ist. Er, Peter Hermann und Hermann Gerland kennen den Verein in- und auswendig. Sie alle wissen sehr gut, was jeder Spieler braucht. Man hat vom ersten Tag an den Turnaround gesehen, das hat natürlich auch mit dem Trainer zu tun. Ich würde mich freuen, wenn Jupp Heynckes noch weitermacht, aber das ist ganz alleine seine Entscheidung und egal wie diese ausfällt, muss man sie respektieren.

Könnten Sie sich nach Bayern ein Karriereende in den USA, China oder Doha vorstellen?

Das ist genau das Thema gerade bei mir zu Hause, am Küchentisch. Wenn ich mit meiner Familie rede oder mit meinen Freunden. Es ist jetzt eine Phase, in der ich Entscheidungen treffen muss. Vor ein paar Jahren war das meistens relativ klar, aber das Ende kommt näher und damit auch viele Gedanken – das ist nicht einfach, aber auch spannend. Es ist vieles offen. Manche Dinge habe ich in meinem Kopf schon abgehakt, aber die bleiben bei mir.

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Was sagen Ihre Kinder?

Die sind so jung, die lassen wir noch nicht mitreden. Sonst kommt bestimmt etwas Komisches dabei heraus (lacht).

Sie haben auch mal angedeutet, dass Sie sich irgendwann eine Rückkehr in die Heimat nach Groningen vorstellen könnten. Ist das noch aktuell?

Ich habe dort in der Jugend gespielt, mein Profidebüt gegeben, habe noch immer sehr enge Kontakte dorthin und meine Verbindung zum FC Groningen wird auch immer so bleiben. Aber ich kann nicht versprechen, ob es noch mal als Fußballspieler sein wird.

„Mir ist es viel zu einfach zu sagen: Bayern gewinnt eh immer, wird sowieso Meister, die Liga ist zu einfach“

Wird Ihnen angesichts des 18-Punkte-Vorsprungs in der Bundesliga eigentlich nicht manchmal langweilig?

Mir ist nie langweilig auf dem Platz. Jedes Spiel ist wieder schön, jedes ist anders, jedes eine neue Herausforderung. Mir ist es viel zu einfach zu sagen: Bayern gewinnt eh immer, wird sowieso Meister, die Liga ist zu einfach. Wir haben es doch auch schon in dieser Saison gesehen: Als wir noch nicht so gut drauf waren, lagen wir fünf Punkte hinter Dortmund. Wenn du in der Bundesliga nicht jedes Spiel voll da bist, verlierst du – auch als FC Bayern.

Es gibt derzeit viele Diskussionen, wie man die Liga spannender machen könnte. Was halten Sie davon, beispielsweise Play-offs einzuführen?

Sollte das tatsächlich passieren, spiele ich ohnehin nicht mehr (lacht).

In dieser Saison wird Bayern nicht mehr zu stoppen sein. Ist sogar das Triple drin?

Mir ist es viel zu früh, sich damit zu beschäftigen. Es ist logisch, dass die Öffentlichkeit darüber diskutiert, und wir wollen neben dem Pokal und der Meisterschaft auch wieder weit kommen in der Champions League – aber da haben wir nächste Woche erst mal Besiktas Istanbul vor der Brust. In der Mannschaft geht es ausschließlich um diese Runde. Wir wollen weiterkommen und dann erst schauen, wie es weitergeht.


Großes Lob an Pep Guardiola und Manchester City

Es sieht so aus, als ob es mit Manchester City und Paris Saint-Germain zwei neue Konkurrenten um den Titel gibt.

Sie sind ganz sicher dabei. Im Vergleich zu den letzten Jahren sind sie noch mal deutlich stärker geworden. Viele sagen, dass Man City derzeit die beste Mannschaft in Europa ist. Das mag momentan so sein, aber es zählt halt nicht, wenn du es im Februar bist, sondern das bist du dann, wenn du am Ende den Pott in den Händen hältst. Allerdings möchte ich schon ein Kompliment loswerden.

Bitte schön.

Es ist echt beeindruckend, was Pep Guardiola bei Man City auf die Beine gestellt hat. Wir kennen ihn ja auch sehr gut und es hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Er ist wirklich ein super Trainer. Das sieht man auch jetzt wieder.

Ist es mit diesen vielen Stars nicht relativ einfach?

Absolut nicht. Wenn man sich die Art und Weise anschaut, wie sie Fußball spielen, ist das die Handschrift des Trainers. Die hat Pep weiterentwickelt, das ist sein Werk.

Was macht Arjen Robben eigentlich im Sommer?

Lange Urlaub (lacht).

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Niederlande haben die WM-Qualifikation einfach nicht verdient

Werden Sie sich die WM-Spiele anschauen oder ist der Frust nach der Nicht-Qualifikation einfach zu groß?

Ich schaue grundsätzlich zu Hause nicht so viel Fußball. Wenn ich Lust und Zeit habe schon. Wenn nicht, dann eben nicht. Aber mit Frust hat das nichts zu tun. Wir haben uns zum zweiten Mal hintereinander nicht für ein großes Turnier qualifiziert. Wir haben von den sechs Spielen gegen Island, die Türkei und Tschechien ein Unentschieden geholt und fünf verloren – das sagt alles. Ich bin realistisch genug, um zu sagen, dass wir es einfach nicht verdient haben.

Woran lag es?

Puuh, darüber könnten wir sehr, sehr lange reden.

Wir haben Zeit …

Es gibt natürlich nicht nur einen Grund. Es gibt immer gewisse Generationen. Deutschland könnte beispielsweise gerade drei Mannschaften bauen und die könnten alle bei einer WM mitspielen. Wir hatten diese ganz große Qualität zuletzt nicht mehr, es gab mal mehr Talente und bessere Spieler. Aber auch 2014 hatten wir nicht so viele Stars, sind trotzdem bei der WM in Brasilien Dritter geworden, was überragend war. Damals haben wir etwas defensiver gespielt, im 5-3-2. Danach kam ein neuer Trainer, der wieder das klassische Holland-System, ein 4-3-3, wollte. Da bist du halt anfälliger, dafür brauchst du Qualität. Wir haben es nicht gut hinbekommen.

Ist Deutschland für Sie auch in Russland der Topfavorit auf den WM-Titel?

Sie gehören auf jeden Fall dazu. Allerdings ist es unter den Topteams verdammt eng. Man muss auch Frankreich dazu zählen, Brasilien und Argentinien, Spanien vielleicht. Im Grunde genommen die üblichen Verdächtigen.

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„Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte“

Gibt es irgendetwas, was Ihnen in der Karriere fehlt oder was Sie im Nachhinein bereuen?

Nein, ich bin sehr glücklich und zufrieden mit meiner Karriere. Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte, mit dem Champions-League-Titel als Krönung. Natürlich macht man auch Fehler, erleidet bittere Niederlagen – aber wichtig ist, dass man daraus lernt. Und ich glaube, dass mir das eigentlich immer ganz gut gelungen ist. Ich bereue jedenfalls nichts.

Sie haben sehr viele große Trainer erlebt. Wenn man von jedem die größte Qualität nimmt, hätte man dann den perfekten Coach?

Ich glaube, dass es den perfekten Coach nicht gibt. Jeder hat unterschiedliche Qualitäten. Mit dem einen hast du persönlich ein besseres Verhältnis, ein anderer macht dich vielleicht taktisch besser.

Könnten Sie sich vorstellen, nach Ihrer Karriere selbst mal als Trainer zu arbeiten?

Ab und zu trainiere ich die Mannschaft von meinem Sohn, das macht mir sehr viel Spaß. Aber jetzt zu sagen, dass ich eines Tages mal Cheftrainer auf höchstem Niveau werden möchte, fällt mir schwer. Ich sehe jeden Tag, was für ein Stress das ist, was für ein Druck. Den habe ich jetzt auch schon seit 18 Jahren und für den Trainer ist er noch größer. Da stellt man sich die Frage: Brauchst du das wirklich noch? Ich weiß wirklich nicht, ob ich darauf Lust habe.

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Welchen jungen Spielern beim FC Bayern trauen Sie eine ähnliche Weltkarriere zu, wie Sie sie geschafft haben?

Vom Potenzial her fast allen. Wenn du bei Bayern spielst, hast du das Potenzial dazu, alles zu erreichen. Aber es geht immer darum, wie man selbst damit umgeht. Mit dem Druck, mit der Psyche, mit der Physis, mit den positiven und negativen Erfahrungen. Hier sind einige Jungs, die eine große Zukunft vor sich haben. Ich bin selbst gespannt, wie sich das entwickelt. Und ich werde es genau beobachten.

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