10. Januar 2022 / 13:47 Uhr

Neuer Vorsitzender: Stephan Brandt will die Stagnation des VfL Bückeburg beenden

Neuer Vorsitzender: Stephan Brandt will die Stagnation des VfL Bückeburg beenden

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Stephan Brandt ist der neue Vorsitzende des VfL Bückeburg. © Daniel Kultau
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Der VfL Bückeburg hat mit Stephan Brandt einen neuen Vorsitzenden der Fußballsparte. Im Interview mit dem Sportbuzzer Schaumburg sprach er über die "Stagnation" der vergangenen Jahre und gab einen Ausblick.

Mit Stephan Brandt haben die Fußballer des VfL Bückeburg wieder einen neuen festen Vorsitzenden. Ende November löste der 47-Jährige, der als Key-Account-Manager bei einem großen deutschen Elektrokonzern arbeitet, den kommissarischen Vorsitzenden Falko Rohrbach ab. Er ist der Bruder von Torben Brandt, der die erste Mannschaft trainiert. Auf ihn kommen einige große Aufgaben zu, denn der VfL hat schwierige Jahre hinter sich und könnte in der nächsten Saison mit nur noch einer Mannschaft auf Bezirksebene vertreten sein. Wir trafen uns mit dem neuen Vorsitzenden zum Interview und sprachen über die großen Herausforderungen, Versäumnisse und schauten in die Zukunft.

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Hallo Herr Brandt. Seit dem 25. November sind sie nun schon 1. Vorsitzender der VfL-Fußballabteilung. Haben Sie sich denn schon gut eingelebt?

Ich kenne den VfL ja von früher und habe damals auch schon auf Vorstandsebene mitgearbeitet. Deswegen ist nicht alles Neuland für mich. Das Vorstandsteam macht es mir auf jeden Fall leicht, Fuß zu fassen und reinzukommen. Ich habe bisher viele Gespräche mit Trainern, Funktionären und den Jugendkoordinatoren geführt, um mir ein eigenes Bild, von dem, was ich im Vorfeld gehört habe, zu machen. Da sind wir dann auch schon recht zügig und konkret in erste Arbeitsschritte eingetreten, um Maßnahmen einzuleiten, die wichtig sind, um den VfL-Fußball für das nächste halbe Jahr zu wappnen. Die diesjährige Winterpause ist eine Art Weichenstellung für die weitere nahe Zukunft der Abteilung und ich bin froh, dass wir diese Zeit für Arbeiten im Hintergrund nutzen können.


Die Stelle war lange Zeit durch Falko Rohrbach nur kommissarisch besetzt. Einen Nachfolger zu finden war schwierig. Wieso haben Sie sich dazu entschieden, den Schritt zu gehen?

Viele Werte, neben denen aus meinem Elternhaus und von Freunden habe ich durch meine Zeit als Jugendspieler und Mitarbeiter beim VfL vermittelt bekommen. Ich wäre nicht die Person, die ich heute bin, wenn ich nicht im VfL groß geworden wäre. Ich möchte dem Verein nun etwas zurückgeben und habe im Sommer signalisiert, im Vorstand mitzuarbeiten. Das hat Torben (Brandt Anm. d. Red.) dann mal eingestreut und was mich sehr gefreut hat: Auch Martin Prange hat meinen Namen fallen lassen. Im Herbst kam das Thema dann auf und da alle anderen Positionen im Vorstand besetzt waren, habe ich gesagt, dass ich den Vorsitz übernehme (lacht). Dass es bis dahin nur einen kommissarischen Vorsitzenden gab, hat sicher auch Spuren in der Fußballabteilung hinterlassen. Ich kann nur sagen, dass Falko einen tollen Job gemacht hat – nur wenige wissen um die administrativen Arbeiten im Hintergrund, die ebenso wichtig sind. Ich übernehme eine Abteilung, die grundsätzlich gut aufgestellt ist. Es gibt allerdings einige Stellschrauben, die wir zusammen nachjustieren müssen.

Sie haben die vergangenen Jahre dann auch mitverfolgt.

Ja, aus der Distanz.

Hat sich der VfL in den Zehnerjahren auf dem Erfolg ausgeruht?

Weil ich es nur aus der Distanz mitbekommen habe, steht es mir nicht zu, Personen, Zusammenhänge oder Entwicklungen zu kritisieren. Aber ich gebe Ihnen recht: Auch mein subjektiver Eindruck ist, dass hier und da eine gewisse Art Stagnation stattgefunden hat. Das wurde mitunter auch von einigen Personen im Vorstand so bestätigt. Ob sich der VfL auf den Erfolgen ausgeruht hat, weiß ich nicht. Ich habe zum Beispiel erst am Abend vor diesem Gespräch im Zuge unseres regelmäßigen Austauschs mit den beiden Jugendkoordinatoren Oliver Schmöe und Biagio Porcello telefoniert und meinen Eindruck zum Status geschildert. Grundsätzlich stelle ich bei allen Vorstandskollegen eine gute Reflektiertheit fest. Das freut mich sehr!

Ein Resultat daraus könnte sein, dass beide Herrenmannschaften absteigen. Dann würde die erste Mannschaft in der Bezirks- und die Zweite in der Kreisliga spielen. Eine Art Super-GAU. Wie soll das verhindert werden?

Ob das ein Super-GAU wäre, weiß ich nicht. Unschön wäre es auf jeden Fall. Unser Ziel ist es, dieses Niveau mit zwei Herrenmannschaften auf der Bezirksebene zu halten. Das ist nämlich schon, und das sage ich selbstbewusst und frei von jeder Überheblichkeit, eine Leistung, die hier ihresgleichen sucht. Dazu finden im Hintergrund auch schon intensive Gespräche statt, ob wir hier und da spielerdeckenmäßig noch was tun müssen. Ich will nicht sagen verbessern, denn ich vertraue den Mannschaften und bin froh, wie offen die beiden Trainer miteinander kommunizieren. Ich nehme es auch ein Stück weit auf meine „Erfolgskappe“, dass ich Torben und Steffen Potthast ein Stück näher zusammengebracht habe und vielleicht dadurch auch eine „frische Motivation“ entstanden ist. Es wird darauf ankommen, dass die beiden Mannschaften als ein großes Team zusammenarbeiten. Einzelne Interessen müssen sich dann im Notfall auch mal hinten anstellen, um das Vereinsziel zu erreichen.

Wenn es darum geht die Mannschaften zu verstärken, kam immer mal was aus der eigenen Jugend, aber der VfL griff selten tief in die eigenen Taschen. Ist das noch der richtige Weg für die Zukunft?

Ich bin ein Fan und auch überzeugt davon, auf die eigene Jugend zu setzen. Das ist der Weg und die DNA des Vereins: Zukunftsfähigkeit und Konstanz. Ich will nicht von diesem Weg abkommen, aber wir müssen vielleicht temporär ein paar Weichen stellen. Es gibt Herausforderungen und dazu gehört auch das Geld. Aber wenn ich es nicht habe, dann kann ich es nicht ausgeben. Wir müssen uns das Geld erst erarbeiten, damit wir es sinnvoll einsetzen können, um die Niveaus der Mannschaften zu halten. Mittel- und langfristig gesehen bestätigt sich der bisherige Weg für mich, da wir im Unterbau viele Spieler haben. Und wir müssen versuchen, dass wir die diese Spieler durch einige Maßnahmen im Umfeld wie zum Beispiel der systematischen Traineraus- und Fortbildung eine Verbundenheit zum Verein erzielen und idealerweise bis in den Herrenbereich behalten. Das Umfeld und der Verein müssen attraktiv sein und sich so auch präsentieren. Auch wir werden dafür Mittel brauchen, aber werden auch in Zukunft nicht losziehen, um Spieler zu kaufen.

Von den jungen Spielern aus der eigenen Jugend sind ganz viele zum großen Rivalen VfR Evesen gewechselt. Tut das nicht weh?
Grundsätzlich ist das immer schade und schmerzhaft, wenn uns Spieler verlassen – egal zu welchem Verein. Es gibt Motivationen, die kann man nachvollziehen und es gibt welche, die etwas schwieriger zu verstehen sind. Letzten Endes können wir das anbieten, was wir haben. Wenn das nicht ausreicht, finde ich es schade, dass wir diese Spieler nicht überzeugen konnten. Dann müssen sie ihr Können woanders unter Beweis stellen. Aber das wird es immer geben. Dass es diese Rivalität gibt, gehört zum Sport dazu und das nehmen wir auch an. Ich möchte nur im Umfeld die zuletzt aufgetretenen Verstimmungen und Irritationen nicht wieder entfachen und grundsätzlich vermeiden.

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Ein weiterer Brandherd ist die U19, die in die Landesliga absteigen wird. Hat der VfL-Nachwuchs noch die Klasse, um sich in der Liga etablieren zu können?

Durch das Auftreten und die Zusammenarbeit im gesamten Team zwischen der U17 und der U19 – bin ich sicher, dass wir das hinbekommen werden. Ich habe die Mannschaft (U19) zwei, drei Mal getroffen. Und wir sind es ihnen schuldig, für die Rückrunde ein Umfeld zu bereiten, was uns befähigt die Saison mit Anstand und Respekt zu beenden. Kurzfristig wollen wir den Kader ergänzen, um die Rückrunde angemessen zu beenden. Denn zu schauen, wie viele Spieler wir überhaupt am Wochenende zusammenbekommen, ist nicht der Anspruch des VfL. Dass es mal nicht reicht, ist in Ordnung. Wir haben Fehler gemacht, die dazu geführt haben, dass die Mannschaft dieses Jahr absteigen wird. Unser oberer Jugendbereich ist in dieser Saison mit jeweils nur einer Mannschaft sicher zu dünn aufgestellt, aber wenn ich sehe, was aus dem unteren Jugendbereich nachkommt, glaube ich weiter an diesen Weg. Mittelfristig müssen wir uns reorganisieren und neu aufbauen. Dazu braucht es Zeit.

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Was im Schaumburger Jugendfußball generell heiß diskutiert wurde, ist die Gründung eines JFV. Zuletzt wurde es ruhiger – wie stehen Sie dazu?

Ein ganz spannendes und wichtiges Thema, denn wir werden nicht drumherum kommen. Ich werde es gerne wieder aufgreifen, weil es eine Konsequenz der Zeit ist. Es gibt zu viel Verein für zu wenig Spieler. Ich finde, es ist die Aufgabe eines jeden Vereinsfunktionärs, über diese Zukunftsgestaltung nachzudenken. Es wäre fast schon unterlassen, wenn man das nicht täte. Mein guter Freund Klaus Everding hat mir mal gesagt: Wer gewinnen will, muss bereit sein, zu verlieren. Von einem JFV könnte ja auch zum Beispiel die Stadt Bückeburg profitieren.

Andere Vereine scheinen beim Thema des JFVs Sorge zu haben, dass ihre besten Spieler später an den VfL gehen. Können Sie das verstehen?

Das ist ja auch nichts Neues. Ich respektiere diese Aussagen, die sind völlig legitim. Womit ich ein Problem habe, ist wenn für „Spieler X“ der VfL Bückeburg ankommt, kommt das nicht gut an. Wenn Hannover 96 ankommen würde, dann würden die Eltern ihre Kinder wahrscheinlich noch mehrmals die Woche zum Training nach Hannover fahren. Da geht es um das Thema „Image“. Es gab sicherlich auch Momente, die nicht schön gelaufen sind. Da kann ich mich in meiner Funktion nur für entschuldigen. Oberste Maxime ist für mich in dem Thema jedoch, dass wir offen und ehrlich kommunizieren. Faire Kommunikation von allen, zu allen, mit allen. Ich habe das Gefühl, dass der VfL wieder einen guten Namen auch in dem gemeinschaftlichen Miteinander mit anderen Vereinen hier im Landkreis hat. Und dass es da offen, ehrlich und sauber miteinander zugeht.

Lassen Sie uns noch mal zurück in den Herrenbereich gehen. Sie haben in ihren ersten Wochen immer mal wieder den langjährigen VfL-Jugendleiter Werner Heinke zitiert, dass der VfL jedem eine sportliche Heimat bieten möchte. Aber wenn ich als Herrenspieler nur hobbymäßig kicken möchte, bietet der VfL aktuell keine Heimat. Denn die 3. Herren gibt es seit einigen Jahren nicht mehr.

Das finde ich sehr schade und es ist ein Thema, über das ich zwischen Weihnachten und Neujahr auch schon nachgedacht habe. Ich selbst habe auch für die 3. Herren gespielt und diese Mannschaft war immer ein Standpfeiler des gemeinschaftlichen VfL-Lebens. Da haben ganz tolle Persönlichkeiten gespielt, wie ein Christoph Marzinowski, Michael Piepho, Martin Stratmann – mir fallen diese Namen ganz spontan ein, es gab natürlich noch mehr. Es wäre mir schon ein Wunsch und Anliegen, diese 3. Mannschaft wieder zu etablieren. Das ist ein Manko des VfL, aber ich verspreche mir mit den Trainern der Ü32 Martin Neubert und der Ü40 um Olaf Bielinski sowie vielleicht auch aus neuen Spielern der Freizeitliga von Hubert Knodel, dass wir es vielleicht hinbekommen, diese wieder aus dem Boden zu stampfen. Das wäre ein mittelfristiges Ziel für die Saison 2022/2023.

Wie sieht denn die Zukunft für Frauen und Mädchen beim VfL aus?

Auch der Frauen- und Mädchenfußball hat bei uns eine lange Historie und ich finde es ganz wichtig, dass wir für Frauen und Mädchen etwas anbieten werden. Ich habe vor Weihnachten mit den Trainern gesprochen und die haben mir von einem gewissen Zulauf berichtet. Die machen einen ganz tollen Job und ich bin komplett offen dafür. Wenn die Frauen sagen, dass sie gerne den nächsten Schritt gehen wollen und auf Bezirksebene spielen wollen, dann werden wir alles, was wir dafür leisten können auch tun, um das zu erreichen. Im Fokus steht die sportliche Entwicklung und dann ist es die Aufgabe des Vorstandes, das Umfeld so zu gestalten, dass das dann auch passt. Das ist uns mal gut und mal weniger gut gelungen. Das soll keine Kritik an irgendwelchen Personen sein. Aber da sehe ich meine Funktion: Ich möchte das gerne orchestrieren. Wir haben im gesamten Fußballbereich viele tolle Trainer und Betreuer. Woran wir in meinen Augen etwas schleifen können, sind die Strukturen und die Organisation. Was auf jeden Fall sehr wichtig ist, dass wir auch wieder weibliche Mitglieder im Vorstand haben müssen – daran ist zu arbeiten.

Auch wenn die letzten Jahre schwierig waren: Was macht Sie denn optimistisch, dass der VfL immer noch eine sehr gute Adresse für Fußballerinnen und Fußballer in Schaumburg ist?
Vom sportlichen Standing ist der VfL gut aufgestellt und hoch akzeptiert in der Gesellschaft. Er hat eine lange Historie, lebt mit und von Werten und vielen engagierten Charakteren, engagiert sich in lokalen und auch überregionalen sozialen Themen und bringt sich auch außerhalb des Fußballs stetig ein. Wir bieten eine Heimat für fußballbegeisterte Menschen. Wir haben eine hervorragende Infrastruktur in Form engagierter Kräfte, Plätze, Anlagen, Fuhrpark sowie der Reputation. Für viele Ideen brauchen wir aber auch weitere Hilfe in Form von Personen, die mit anpacken. Wir wollen vor allem im Jugendbereich weitere Dinge schaffen, von denen man jetzt nicht unbedingt denkt, dass sie ein Verein tut. Und ich freue mich jetzt schon darauf, diese bekannt geben zu können, wenn sie dann fix sind.
Interview: Daniel Kultau