12. April 2021 / 17:13 Uhr

Mit neuem Konzept: SG Beelitz will Bundesliga-Spieler für Hertha und Union entwickeln

Mit neuem Konzept: SG Beelitz will Bundesliga-Spieler für Hertha und Union entwickeln

Maximilian Krone
Märkische Allgemeine Zeitung
Mirko Rücker (l.) ist nach seiner aktiven Fußballkarriere Jugendtrainer in Beelitz geworden. Nun will er als Abteilungsleiter den Jugendfußball in der Spargelstadt revolutionieren.
Mirko Rücker (l.) ist nach seiner aktiven Fußballkarriere Jugendtrainer in Beelitz geworden. Nun will er als Abteilungsleiter den Jugendfußball in der Spargelstadt revolutionieren. © Privat
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Fußballkreis Havelland: Die SG Beelitz arbeitet seit Juli vergangenen Jahres mit Advance.Football zusammen. Mit der Firma wurde ein neues Trainingskonzept entwickelt. Das Ziel der Spargelstädter: Ein Vorbild im südlichen Potsdamer Umfeld zu werden.

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"Der Breitensport in Deutschland kämpft mit zahlreichen Herausforderungen. Fußball steht im Wettbewerb der Freizeitangebote und immer weniger Nachwuchssportler begeistern sich für Fußball", heißt es im Blog von Advance.Football, "gleichzeitig entfliehen ehrenamtliche Helfer, wie Trainer, Funktionäre und Jugendleiter dem Vereinsleben." Dem wirkt die Sportgemeinschaft Blau-Weiß Beelitz zusammen mit Advance.Football nun entgegen: die Organisation der Jugendabteilung wurde umstrukturiert. "Derzeit entwickeln wir mit allen Kleinfeld-Trainern zusammen eine Spielphilosophie", erzählt der zweite Vorsitzende und der Fußball-Abteilungsleiter der SG Blau-Weiß Beelitz, Mirko Rücker. Zuvor wurde bereits viel Zeit investiert, um das Training einheitlicher und vor allem attraktiver zu machen.

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Doch was macht Advance.Football genau? Die aus Mannheim stammende Firma konzentriert sich neben dem Ausarbeiten von Spielphilosophien auch auf eine Videoplattform für Trainer, Webinare und Coachingdays. Seit Juli 2020 benutzen die Kleinfeldtrainer die virtuelle Lernplattform mit "über 200 Lernvideos, Vorträge und aktuelle Informationen rund um den Kinder- und Jugendfußball." Auch die Coachingdays, ein Camp, indem die Trainer von Advance.Football Übungen anleiten, den Übungsleitern über die Schulter schauen und Trainerfortbildungen machen, fanden im vergangenen Oktober schon statt: "Wir konnten sehen, wie andere Trainer mit den Kindern umgehen und haben sehr praxisnahe Fortbildungen erlebt", beschreibt Rücker, der früher selber in der Oberliga für Motor Eberswalde kickte und 2012 mit dem SV Falkensee-Finkenkrug den Landespokal gewann, seine Erfahrungen.

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Der Abteilungsleiter, der auch die E-Junioren der Spargelstädter trainiert, ist überzeugt von dem Programm der Mannheimer, die unter anderem auch Eintracht Frankfurt und Dynamo Kiew zu den vertrauten Vereinen zählen: "Die Trainer haben jetzt eine klare Ausrichtung. Alles ist sehr modern, sehr spielnah und ich war gleich hellauf begeistert. Die Einheiten lassen sich auch leichter und schneller zusammenstellen. Eine richtig, richtig super Sache." Im Training wird nun mehr auf Übungen in Wettkampfform gesetzt, "die Übungen machen jetzt auch bei jedem Trainer Sinn. Inhaltlich und methodisch ist das Training jetzt besser", erklärt Rücker.

Rücker: "Lieber investiere ich Geld im Jugendbereich, als für irgendwelche Söldner in der ersten Mannschaft"

Für die Kooperation mit der Firma scheut der Verein aus dem Fußballkreis Havelland keine Kosten und Mühen. Sowohl die Zugänge zur Videoplattform für jeden Beelitzer Kleinfeld-Trainer, als auch die Ausarbeitung der Spielphilosophie bezahlt der Verein aus der eigenen Tasche. "Wir wollen langfristig erfolgreich sein und der größte Hebel ist im Jugendbereich. Lieber investiere ich Geld im Jugendbereich, als für irgendwelche Söldner in der ersten Mannschaft", findet Rücker klare Worte.

Für die kommenden Wochen und Monate, besonders wenn auf den Fußballplätzen der Mark wieder durchgehend trainiert werden darf, will der Verein die Attraktivität steigern. "Ich habe selten solche Bedingungen wie hier in Beelitz vorgefunden", erklärt Rücker, der seit über fünf Jahren Abteilungsleiter ist, "das Potenzial müssen wir hier nur nutzen." Der Leiter des Controlling eines Krankenhauses will eine "nachhaltige und exzellente Fußballausbildung" in Beelitz etablieren. Dafür sollen die Jugendteams in den höchsten Spielklassen des Landes spielen und auch talentierte junge Fußballer "sollten nicht von Beelitz und den umliegenden Gemeinden, wie zum Beispiel Treuenbrietzen oder Michendorf, nach Potsdam reisen müssen, um ihr Fördertraining zu erhalten."

Der Anfang ist im Kleinfeldbereich gemacht, in wenigen Jahren soll auch der Großfeldbereich folgen. Das Ziel, so formuliert Rücker, ist es "Vorbildcharakter im südlichen Potsdamer Umfeld zu werden. Wir haben über 12 000 Einwohner in der Gemeinde." Dabei blickt er auch schon einige Jahre weiter: "Wir wollen ein Ausbildungsverein werden und natürlich ist es unser Ziel, auch mal einen Bundesliga-Spieler für Hertha oder Union zu entwickeln." Das kann für Hertha, zumindest mit Blick auf die aktuelle Bundesliga-Tabelle, wohl nicht früh genug passieren. Aber ein bisschen Zeit wird noch ins Land gehen, bis der neue Youngster des Big-City-Clubs aus der Spargelstadt kommt. Entwicklung braucht eben seine Zeit, das merkt in diesen Wochen sogar die "Alte Dame".

"Wer Lust hat als Trainer bei so einem spannenden Projekt mitzuwirken ist herzlich willkommen", verrät Rücker. Der Abteilungsleiter ist für Interessenten unter der E-Mail-Adresse _mr@sg-beelitz.de_ erreichbar.