30. Mai 2021 / 22:44 Uhr

Neun Jahre des Leidens: Pep Guardiola und das lange Warten auf den dritten Champions-League-Titel

Neun Jahre des Leidens: Pep Guardiola und das lange Warten auf den dritten Champions-League-Titel

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Pep Guardiola wartet in der Champions League seit zehn Jahren auf einen Titel.
Pep Guardiola wartet in der Champions League seit zehn Jahren auf einen Titel. © Getty/IMAGO/Sportfoto Rudel/Cordon Press/Miguelez Sports (Montage)
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Das lange Warten auf den dritten Triumph geht weiter: Der letzte Titel in der Champions League liegt für Pep Guardiola bereits zehn Jahre zurück. Hat der Star-Trainer das Gewinnen der Königsklasse verlernt? Der SPORTBUZZER blickt zurück.

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Wieder nichts! Trainer-Superstar Pep Guardiola hat sich an der Champions League auch in diesem Jahr wieder die Zähne ausgebissen. Der frühere Bayern-Coach scheiterte mit seinem Starensemble von Manchester City diesmal erstmals in einem Endspiel der Königsklasse. In Porto hatte Thomas Tuchel mit dem FC Chelsea (1:0) das bessere Ende für sich. Guardiola muss damit weiter auf seinen dritten Titel nach 2009 und 2011 warten - seit mittlerweile zehn Jahren ist der wohl berühmteste Trainer seiner Generation ohne Titelgewinn in der Königsklasse und musste sich in entscheidenden Situationen noch dazu oft genug eigene Versäumnisse ankreiden lassen. Ein Blick zurück.

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2011/12: Halbfinal-Aus gegen Chelsea (0:1, 2:2)

Guardiolas CL-Trauma begann 2012. Trotz einer dominanten Vorstellung hatte sein FC Barcelona als Titelverteidiger das Halbfinal-Hinspiel an der Stamford Bridge gegen den FC Chelsea mit 0:1 (0:1) verloren, Didier Drogba (45.+2) schockte Peps Wunder-Team (mit Xavi, Andrés Iniesta und Lionel Messi) mit dem einzigen Torschuss der Londoner. Das Rückspiel im Camp Nou wurde noch dramatischer: Barca führte nach Toren von Sergio Busquets (35.) und Iniesta (43.) bereits mit 2:0, war nach einer Roten Karte für John Terry in Überzahl und hatte das erneute Endspiel vor Augen - doch dann ging alles schief. Erst gelang Ramires das 2:1 (45.+1), das wieder Chelsea ins Endspiel brachte, dann verschoss Messi einen Elfmeter (49.). Als Barca zunehmend verzweifelt und ausgepowert alles nach vorn warf, erzielte Fernando Torres per Konter das zweite Tor für Chelsea (90.+1). Drei Tage nach dem Aus verkündete Guardiola seinen Abschied von Barca - nach vier Jahren und zwei Titelgewinnen.

2013/14: Halbfinal-Aus gegen Real Madrid (0:1, 0:4)

Nach einem Jahr Auszeit in den USA heuerte Pep Guardiola zur Saison 2013/14 beim deutschen Rekordmeister FC Bayern an. Das Team um Manuel Neuer, Jerome Boateng, Philipp Lahm und Co. sollte das Grundgerüst der Nationalmannschaft bilden, das 2014 in Brasilien Weltmeister wurde. In der Champions League war dagegen im Halbfinale gegen Real Madrid Schluss. Das Rückspiel in München wurde zur Blamage: Nach dem 0:4 in der Allianz Arena erklärte Guardiola, er habe einen "Riesenfehler" begangen. Im Mittelfeld hatte er auf das Duo Schweinsteiger/Kroos gesetzt, dabei brauche man doch "viele Spieler im Mittelfeld, um Konter zu unterbinden." Zur zweiten Halbzeit brachte der Trainer dann noch Javi Martinez – zu spät. Die Süddeutsche titelte schlicht: "Vercoacht". Die Königlichen aus der spanischen Hauptstadt feierten am Ende den Gewinn der Königsklasse.

2014/15: Halbfinal-Aus gegen den FC Barcelona (0:3, 3:2)

Der FC Bayern feierte mit Guardiola den 25. Meistertitel, der Trainer lobte seine Mannschaft für eine "Supersaison". In den K.o.-Wettbewerben wurde es allerdings nichts mit Titeln – Bayern gewann weder den DFB-Pokal noch die Champions League. In letzterem Wettbewerb war Schluss im Halbfinale gegen Peps Ex-Klub aus Katalonien. Das Hinspiel war diesmal entscheidend: In Barcelona gingen die Münchner mit 0:3 unter. Zweimal Messi (77. und 80.) und Neymar in der Nachspielzeit (90.+4) schockten Guardiolas Team in der Schlussphase. Während Pep nach dem Spiel seinen ehemaligen Schützling Lionel Messi lobte, sagte Kapitän Lahm: "Wir haben uns dreimal auskontern lassen. Das ist bitter." Erinnerungen an 2014 werden wach.

2015/16: Halbfinal-Aus gegen Atlético Madrid (0:1, 2:1)

Die berüchtigte Aggressivität der von Diego Simeone trainierten Madrilenen von Atlético beantworteten Guardiolas Bayern mit körperlosem Spiel. "Ein anthologisches Tor", schrieb die spanische Marca über den Treffer von Sául Niguez aus der 15. Minute. Vom Mittelkreis rannte der Spanier auf das Tor von Manuel Neuer zu, umkurvte der Reihe nach Thiago, Juan Bernat und Xabi Alonso, ließ dann noch Arturo Vidal und David Alaba links liegen und schob ein. Schon standen die Münchner nach dem Hinspiel wieder vor dem Aus im Halbfinale der Champions League. "Wir haben kein Duell gewonnen, wir haben es nicht gut gemacht", sagte Pep danach – und die Fußball-Welt fragte sich, warum nicht. Zwar gewann Bayern dann das Rückspiel mit 2:1 – die Auswärtstorregel griff aber zugunsten von Atlético.

2016/17: Achtelfinal-Aus gegen AS Monaco (5:3, 1:3)

Zur Saison 2016/17 wechselte Guardiola zu Manchester City. Die erste Saison bei den Engländern verlief holprig: Nur Dritter der Premier League, Viertelfinal-Aus im FA Cup und auch in der Champions League schieden die Citizens überraschend früh im Achtelfinale gegen den AS Monaco aus. Nach einem 5:3-Torfestival auf der Insel gelang es im Rückspiel lediglich dem Deutschen Leroy Sané, einen Treffer zu markieren. Und hinten ließ das Guardiola-Team trotz des Ausfalls des damaligen Monaco-Stars Radamel Falcao zu viel zu. Zwei Gegentore kassierte ManCity in dieser Königsklassen-Saison im Schnitt – zu viele für ein Top-Team.

2017/18: Viertelfinal-Aus gegen den FC Liverpool (0:3, 1:2)

Die Duelle zwischen Manchester City und den FC Liverpool zeichneten sich in dieser Saison vor allem durch eines aus: Tore. In der Premier League schossen die "Citizens" von Guardiola die "Reds" von Trainer Jürgen Klopp mit 5:0 ab, in der Rückserie stand am Ende ein 4:3 für Liverpool. In der Champions League gelang Guardiolas Team dagegen nur ein mickriger Treffer gegen den englischen Rivalen. In Spiel Nummer zwei nutzte Gabriel Jesus die Schläfrigkeit der Liverpooler Hintermannschaft in der zweiten Minute, nachdem es zuvor eine deutliche Pleite gesetzt hatte. Die zweite Halbzeit dieses Rückspiels, das Liverpool dann auch noch drehte, sah Guardiola nur noch von der Tribüne aus, nachdem er den spanischen Schiedsrichter Matéu Lahoz angeranzt hatte. Seinen Landsmann machte er später auch für das Ausscheiden verantwortlich – und fing sich so eine Strafe der UEFA ein.

2018/19: Viertelfinal-Aus gegen Tottenham Hotspur (0:1, 4:3)

Nach einem 0:1 im Hinspiel in London sah Pep Guardiola sich im Rückspiel zu Hause gezwungen, alles auf die Offensive auszurichten. Es folgte ein vogelwildes Spiel, in dem es immer wieder Führungswechsel gab. Das 1:0 durch Raheem Sterling nach nur vier Minuten konterte Heung-min Son Son für Tottenham nach Fehlern von Aymeric Laporte und Ederson mit einem Doppelschlag (7. und 10.). Nur eine Minute später (11.) egalisierte Bernardo Silva wieder – 2:2. Eine Viertelstunde vor Schluss sah alles so aus, als ob ManCity ins Halbfinale einziehen würde. Es stand 4:2 für den Gastgeber, Guardiola hatte Fernandinho zur Stabilisierung des defensiven Mittelfelds in die Partie gebracht. Es reichte jedoch nicht – auch weil eine strittige VAR-Entscheidung in der sechsten Minute der Nachspielzeit das 4:4 durch Sergio Agüero zurückpfiff. Zuvor hatte Fernando Llorente (73.) die Spurs mit seinem Treffer zum 3:4 in Ekstase versetzt.

2019/20: Viertelfinal-Aus gegen Olympique Lyon (1:3)

Die K.o.-Runde wurde 2020 wegen der Corona-Pandemie in einem Finalturnier im portugiesischen Lissabon ausgetragen - in nur jeweils einem Spiel pro Runde. ManCity galt gegen das kleinere französische Team, das nach dem Abbruch der Ligue 1 zudem eine längere Wettkampfpause einlegen musste, als großer Favorit - wie überhaupt für das Rest-Turnier. Doch der Trip nach Lissabon wurde für die Citizens zum Fiasko, Lyon gewann mit 3:1. "Der Coach hatte einen Plan, aber wir haben keine Optionen gefunden", konstatierte Spielmacher Kevin de Bruyne nach Abpfiff nüchtern, den Guardiola auf die ungewohnte Außenbahn gestellt hat. Sky-Experte Lothar Matthäus war am späten Abend außer sich: "Die Abwehr war nicht kompakt. Er hat verloren, weil er falsch aufgestellt hat. Guardiola hat sich selbst um die Stärken von De Bruyne gebracht."

2020/21: Final-Niederlage gegen den FC Chelsea (0:1)

In diesem Jahr wurde es wieder nichts mit dem dritten Champions-League-Triumph für Pep. Im Endspiel der Königsklasse setzte der Spanier überraschend auf eine Aufstellung ohne Sechser. Dabei standen mit Rodri und Fernandinho zwei profilierte Stars für diese Position einsatzbereit im Kader. Guardiola setzte gegen den Ligakonkurrenten aus London aber auf eine Ausrichtung mit fünf offensiven Mittelfeldspielern. Dem Team habe es an Balance gefehlt, monierte nach der Partie Sky-Experte Dietmar Hamann; sein Kollege Lothar Matthäus erkannte wegen der ungewohnten Aufstellung gar eine Überforderung der Mannschaft. Wieder hatte Guardiola im entscheidenden Moment auf den Überraschungseffekt gesetzt – vergeblich.