26. April 2020 / 16:41 Uhr

NFV: Entscheidung über Abbruch kann bis September dauern!

NFV: Entscheidung über Abbruch kann bis September dauern!

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Thomas NFV
Rechnet mit einer Entscheidung erst im September: Ralf Thomas, Vorsitzender des NFV-Kreises Gifhorn.
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Wie geht es nach der Corona-Krise im Amateurfußball weiter? Die meisten Klubs des Niedersächsischen Fußball-Verbands plädieren für einen Saisonabbruch. Doch dieser braucht viel Zeit - das wiederum könnte dem NFV-Kreis Gifhorn in die Karten spielen.

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1649 der insgesamt etwa 2600 Vereine in Niedersachsen hatten in der vergangenen Woche ihre Stimme abgegeben, die deutliche Mehrheit von ihnen sprach sich für einen Saisonabbruch aus. Doch es könnte bis September (!) dauern, bis über einen Abbruch entschieden werden kann. Denn für einen solchen Abbruch ist eine Satzungsänderung nötig, die nur ein außerordentlicher Verbandstag beschließen kann. Laut Satzung muss ein Termin dafür zehn Wochen vor der Durchführung stehen und bekannt gegeben werden.

Zehn Wochen vorher, das wäre Anfang August. Da aber nicht alles von jetzt auf gleich besprochen und entschieden werden kann, wird das eng. "Da haben wir eine Hängepartie. Ich denke nicht, dass es vor Mitte oder Ende September zu einem außerordentlichen Verbandstag kommen wird", sagt Ralf Thomas, Vorsitzender des NFV-Kreises Gifhorn. Für den 26. September war ohnehin ein Verbandstag angesetzt.

Dass eine neue Spielzeit ab dem 1. September starten könnte, was sich viele Klubs wünschen, wäre dann nur schwer umsetzbar. Also doch lieber die aktuelle Saison fortsetzen? Im NFV-Kreis Gifhorn hatten sich die meisten Vereine für die auch vom NFV bevorzugte Lösung ausgespochen. Und daran halten die Verantwortlichen in Gifhorn trotz des eindeutigen Meinungsbildes der Vereine in Niedersachen weiter fest. Der Landesverband hat bereits mehrfach betont, sich nicht gegen die Mehrheit der Klubs stellen zu wollen. Entschieden ist aber noch nichts - und bis das so weit ist, wird es noch dauern. Dass ein Verbandstag einberufen wird ist nun wahrscheinlich, eine Entscheidung darüber fällt jedoch erst am 14. Mai, eventuell sogar erst ein paar Tage später.

Die Netzreaktionen zur NFV-Entscheidung im Amateurfußball (19. April)

Eine Entscheidung steht immer noch aus: Am Sonnabend bietet der NFV für die Vereine aus Niedersachsen ein Webinar an - zur Erläuterung der möglichen Szenarien Zur Galerie
Eine Entscheidung steht immer noch aus: Am Sonnabend bietet der NFV für die Vereine aus Niedersachsen ein Webinar an - zur Erläuterung der möglichen Szenarien ©

...dann wohl ohne Aufsteiger

Abbruch-Entscheidung erst im September - das würde bedeuten, dass die alte Saison, bei einem angepeilten Start der neuen am 1. September, erst im Anschluss abgebrochen werden könnte - das ist zwar möglich, ginge aber wohl nur, wenn die laufende Spielzeit annulliert wird und es keine Auf- und Absteiger gibt. Ansonsten müssten sie den neuen Ligen nachträglich zugewiesen werden - unvorstellbar. Die neue Saison könnte mit Aufsteigern frühestens am 1. Oktober starten. Einfacher wäre eine Spielpause bis Ende August, denn bei einer Fortsetzung bräuchte es keinen Verbandstag. Einzige Möglichkeit sonst: Die Zehn-Wochen-Frist zu verkürzen, ob das jedoch möglich ist, "muss man einen Anwalt fragen", so Thomas. Dann könnte der Verbandstag eher vollzogen und ein Saisonstart am 1. September angepeilt werden, sollten die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung bis dahin gelockert sein.

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Online-Verbandstag?

Beim Verbandstag kommen anders als beim Meinungsbild laut Satzung umfangreichere Ergebnisse zum tragen. Dann hätte jeder Verein eine Grundstimme und darüber hinaus noch pro gemeldete Mannschaft je eine Stimme. Um das Prozedere zu erleichtern und es in der Corona-Krise möglich zu machen, ist es denkbar, einen Online-Verbandstag durchzuführen. "Es ist nur die Frage, ob das zeitnah rechtswirksam umgesetzt werden kann", betont Thomas.

Fußball ist kein Handball

Es wird also noch dauern, bis über die Zukunft im Amateurfußball entschieden wird - anders als im Handball beispielsweise, wo die Saison längst abgebrochen wurde. Ähnlich ist es im Eishockey, wo es keine Play-offs gibt. Aber warum ist es im Fußball unabhängig von der Satzung noch so schwierig? Der finanzielle Aspekt ist nicht von der Hand zu weisen. Thomas bezieht sich zudem auf den Handball und sagt: "Wir sind der größte Verband und müssen viel mehr Vereine mit einbeziehen. Und auch beim Handball hat man von einigen Vereinen gehört, dass es die ,schlechteste Lösung' ist. Das wollen wir unbedingt vermeiden." Zudem sei der Deutsche Handball-Verband anders aufgestellt.