17. Mai 2020 / 13:43 Uhr

NFV informiert Vereine und lässt Tendenz erkennen

NFV informiert Vereine und lässt Tendenz erkennen

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Während viele Klubs in der Region nur eine Entscheidung wollen, wie die Saison beendet wird. Geht es für Lucas Duymelinck und seine Mitspieler vom SSV Nörten um mehr. Sie hoffen auf den Sprung in die Landesliga.
Während viele Klubs in der Region nur eine Entscheidung wollen, wie die Saison beendet wird. Geht es für Lucas Duymelinck und seine Mitspieler vom SSV Nörten um mehr. Sie hoffen auf den Sprung in die Landesliga. © Peter Heller
Anzeige

Wenn Ende Juni die Entscheidung fällt, wie die Fußball-Saison 2019/20 in Niedersachsen „abgerechnet“ wird, ist dem Votum der Vereine eine lange Findungsphase vorausgegangen. Zu dieser gehörte auch ein Webinar, an dem am vergangenen Sonnabend Vertreter der heimischen Klubs teilgenommen haben.

Anzeige
Anzeige

Mit Hilfe von zwei Webinaren hat der Niedersächsische Fußballverband (NFV) am Sonnabend bei seinen Vereinen für Klarheit und Aufklärung zu zentralen offenen Fragen mit Blick auf den bevorstehenden Außerordentlichen Verbandstag gesorgt. Im Fokus standen die vier am Montag, 11. Mai, vom NFV-Verbandsvorstand diskutierten Varianten zum weiteren Umgang mit der zurzeit unterbrochenen Saison 2019/20.

1600 unterzeichnen Petition

Daniel Vollbrecht, der im Vorfeld mit einem offenen Brief an den NFV und einer Online-Petition, die mehr als 1600 Menschen unterzeichnet hatten, für Aufmerksamkeit – weit über die Region hinaus – gesorgt hatte, ist am Ende mit einem guten Gefühl aus dieser virtuellen Zusammenkunft herausgegangen. „Neben der Fortsetzung, die für den NFV keine Wunschoption ist, wurde auch die Annullierung der kompletten Saison als rechtlich heikel bewertet, da dies der größte Eingriff in die Spiel- und Rechtsordnung wäre“, sagte der Abteilungsleiter des Fußball-Bezirksligisten Bovender SV. Schwerpunkt seien die Darstellung der beiden Abbruchvarianten „Mit Aufsteiger und Absteiger“ und „Mit Aufsteiger, aber ohne Absteiger“ gewesen.

„Ich rechne damit, dass sich der Vorstand mit der Einladung zum Verbandstag am Ende dieser Woche auf eine Variante festlegen und diese auch als Abstimmungsantrag formulieren wird“, sagt Vollbrecht, der mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger rechnet. „Dann hat der NFV die Möglichkeit, noch fünf Wochen mit diesem eigenen Antrag zu werben und sich nicht selbst Konkurrenz mit zwei verschiedenen Anträgen zu machen.“ Eine zur Abstimmung gestellte Variante sei dann auch ein klares Signal in Richtung der Vereine, worauf sie sich einstellen und womit sie planen könnten. „Wir haben schon einiges für die kommende Saison vorbereitet, aber dann können wir in die konkreten Planungen einsteigen.“

NFV sucht Gespräch mit Vollbrecht

Im Vorfeld der Webinare hatte der NFV-Vorstand das Gespräch mit Vollbrecht gesucht. Sein offener Brief an die Verantwortlichen hatte immerhin eine Reichweite von gut 100000 Facebook-Usern. Viele Fußballer haben darauf reagiert, aus Lüneburg und sogar aus Sachsen-Anhalt haben sich Menschen mit dem Bovender in Verbindung gesetzt. „Ich habe am vergangenen Freitag eine halbe Stunde mit einem Vorstandsmitglied des NFV telefoniert. In diesem Gespräch wurden mir viele rechtliche Fragen beantwortet. Er hat mir auch gesagt, dass viele Briefe beim NFV eingegangen seien – allerdings oftmals in einem wenig sachlichen und freundlichen Ton formuliert“, sagt Vollbrecht.

Gedanklich schon mit der Saison abgeschlossen

Fabian Adam, Teammanager der SG Bergdörfer, war ohne große Erwartungen in dieses Online-Meeting gegangen, hat sich aber im Anschluss gut informiert gefühlt. „Die Erklärungen der einzelnen Varianten wurden gut vermittelt und waren detailliert. Ich fand es auch gut, dass der NFV-Vorsitzende gleich zu Beginn erläutert hat, dass die Saisonfortsetzung keine bevorzugte Variante sei.“ Adam rechnet mit einem Saisonabbruch mit Quotientenregelung. „Ob es die Variante mit oder ohne Absteiger wird, kann ich aktuell schwer einschätzen.“

Das hält den Teammanager des Bezirksligisten aber nicht davon ab, schon für die Spielzeit 2020/21 zu planen. „Ich bevorzuge einen Abbruch, gedanklich habe ich sowieso schon längst mit der Saison abgeschlossen. Ich bin relativ entspannt. Wir sind vorbereitet, müssen nur noch einige Absprachen endgültig festziehen.“ Sollten die zur Abstimmung feststehenden Varianten veröffentlicht werden, „werden wir uns bei der SG Bergdörfer zusammensetzen und darüber beraten, wie der Verein abstimmen wird“.

NFV hätte sich viel Ärger ersparen können

Thorsten Richter, Präsident des I. SC Göttingen 05, fand die Form dieses Informationsaustausches sehr gut. „Ich hätte mir gewünscht, dass das so früher stattgefunden hätte, da hätte sich der NFV viel Ärger erspart.“ Das Webinar sei professionell aufgezogen und gut vorbereitet gewesen. Inhaltlich habe man gewisse Tendenzen erkennen können. Als positiv habe er es wahrgenommen, dass NFV-Präsident Günter Distelrath gleich in seiner Eingangsrede die Fortsetzung der Saison abgelehnt und betont habe, das Votum der Vereine in Niedersachsen zu respektieren.

„Die meisten hoffen auf einen Neuanfang. Das hat man auch zwischen den Zeilen herausgehört. Ich bin mir sicher, dass wir zum Ende der Woche alle wissen werden, wohin die Reise gehen wird“, sagt Richter, für den ursprünglich die Annullierung der Saison die bevorzugte Variante gewesen ist. „Ich weiß jetzt aber auch, dass diese Annullierung eben auch der stärkste Rechtseingriff sein würde“, ist der 05-Präsident inzwischen von seiner ursprünglichen Meinung abgerückt.

Mehr vom Sport in der Region

Positive Ereignisse verkünden

Er spricht sich nun für eine Quotientenregelung mit einem Aufsteiger aus. „Der NFV sollte alles daran setzen, positive Ereignisse zu verkünden. Das verschafft den Vereinen auch weniger Stressmomente“, sagt Richter, der dann zwar eine Vergrößerung der Ligen, damit einhergehend allerdings auch Lösungsmöglichkeiten erwartet. Das sei die „positivste Lösung“. „Nur wenige Vereine würden dann Ungerechtigkeiten treffen.“