20. April 2020 / 22:42 Uhr

NFV-Kreise Gifhorn und Wolfsburg weisen Vereinskritik zurück

NFV-Kreise Gifhorn und Wolfsburg weisen Vereinskritik zurück

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hartwig thomas
Verteidigen den Vorschlag: Wolfsburgs Spielausschussvorsitzender Bernd Hartwig (l.) und Ralf Thomas, Vorsitzender des NFV-Kreises Gifhorn, wplädieren dafür, dien Amateurfußball bis August zu pausieren.
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Einige Vereine der NFV-Kreise Gifhorn und Wolfsburg sind sauer - sie wollen nicht, dass der Plan des Niedersächsischen Fußball-Verbands Realität wird und die Saison im Amateurfußball mindestens bis zum 15., vielleicht sogar bis zum 31. August eingefroren wird. Es hagelt Kritik. Doch diese weisen die beiden Kreisvorstände direkt von sich.

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Am Freitagnachmittag hatte der NFV-Kreis Gifhorn in einer Videokonferenz des Verbands die Idee in den Raum geworfen, wegen der Corona-Krise eine lange Pause im Amateurfußball einzulegen und den Spielbetrieb frühestens am 16. August, eher aber am 1. September wieder aufzunehmen. Einige Vereine in Wolfsburg und Gifhorn halten von dem Vorschlag gar nichts, sie plädieren für einen Saisonabbruch und dafür, ab September mit der neuen Spielzeit zu starten - sofern es die Maßnahmen der Bundesregierung zulassen.

Vor allem die Spieler- und Trainerwechsel, die im Sommer anstünden, sehen die Coaches als problematisch an. Zudem plagt die Vereine die Ungewissheit, was die kommende Spielzeit angeht. Findet sie statt? Und wenn ja, wie genau? Oder fällt sie ins Wasser? Ideen gibt es bereits, konkret kann zum jetzigen Zeitpunkt aber noch gar nichts sein. Auch die Finanzen spielen in den Köpfen der Trainer natürlich eine Rolle. Der Aufschrei ist groß, doch Ralf Thomas, Vorsitzender des NFV-Kreises Gifhorn sowie Wolfsburgs Spielausschussvorsitzender Bernd Hartwig kontern die Kritik.

Die Netzreaktionen zur NFV-Entscheidung im Amateurfußball (19. April)

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Corona und der Fußball: Am 27. Juni entscheidet sich auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes der Umgang mit der am 12. März abgebrochenen Saison 2019/2020. ©

Kritik an der Saisonfortsetzung

Ein Saisonabbruch ist nicht so ohne Weiteres möglich. "Sollte der Vorstandsvorschlag keine Mehrheit finden, müssten die Mitglieder und Vereine auf dem außerordentlichen Verbandstag einen Antrag mit ihrem Lösungsvorschlag stellen und eine Entscheidung mit allen Konsequenzen treffen. Davor müsste ein Haftungsausschluss des Vorstands beschlossen werden", sagt DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Dieser ganze Prozess bräuchte Zeit, so dass eine Satzungsänderung auch nicht vor September realisierbar wäre. "Die Abläufe sind da klar vorgegeben", betont Thomas. "Man muss auch die Gesetzeslage beachten. Und wenn es einen Änderungsvorschlag gibt, muss der auch zu zwei Dritteln abgenickt werden." Und Hartwig ergänzt: "Ich glaube, viele haben die Idee noch gar nicht so richtig verstanden. Abzubrechen und die Hinrundentabelle zu werten, ist bei uns gar nicht möglich, da es selbst aus der Hinserie noch Nachholspiele gibt. Es ist aber ja auch noch nichts entschieden. Erst mal werden nur Meinungen der Vereine gesammelt." Eine Abfrage hat es in Gifhorn schon am Sonntagvormittag gegeben. Kurios: Aus Trainerkreisen gibt es Kritik, aber 50 von 52 Vereinsvorständen stimmten für den Vorschlag. Bei Wolfsburgs 30 Vereinen läuft die Abfrage noch.

Spielerwechsel und Jugend

Spieler könnten erst nach nach der Saison und nicht wie sonst zum 1. Juli den Verein wechseln. Einige müssen den Klub aber vielleicht berufsbedingt oder wegen des Studiums verlassen. Hartwig: "Wir können nicht auf jeden einzelnen Spieler Rücksicht nehmen. Ich denke auch nicht, dass im Juli in einem Verein zwei bis drei Spieler aufhören und dadurch die gesamte Mannschaft zusammenbricht." Thomas sieht es ähnlich: "Wer Fußballer ist, will auch Fußball spielen. Berufliche Gründe werden nicht bei 20 Spielern pro Verein eine Rolle spielen. Dass Wechsel erst nach einer Saison vollzogen werden können, ist ein ganz normaler Vorgang." Ähnlich ist es im Jugendbereich. Kinder und Jugendliche bleiben bis nach der Saison in ihren jetzigen Altersklassen. Das stößt sauer auf, da beispielsweise künftige A-Junioren nur ein Jahr in der A-Jugend hätten, bevor sie in den Herrenbereich gehen, sollte die kommende Saison ausfallen müssen. "Die Kritik ist nicht nachvollziehbar. Selbst in der Bundesliga wollen sie jetzt 16-Jährige hochziehen", betont Hartwig. Sein Gegenüber geht unterdessen stark davon aus, dass die neue Saison angeht. Thomas: "Drei bis vier Monate länger in der jeweiligen Altersklasse zu spielen, tut niemandem weh."

Thema neue Saison

Die kommende Spielzeit soll unbedingt stattfinden - möglichst zeitnah nach Beendigung der alten. Und das Saisonende ist für Ende November angedacht. Die Vereine schlagen jedoch vor, nach dem Abbruch bereits am 1. September neu zu starten. Hartwig kontert: "Wenn es dann eine zweite Corona-Welle gibt, finge die Saison wieder holprig an. Und spielen kann bis zum 31. August wegen der Gesetzeslage sowieso niemand - egal, ob man abbricht oder weitermacht." Hartwig stellt sich da jedoch auf die Seite der Klubs: "Ich bin mir auch nicht sicher, ob man die Saison wirklich bis Ende November schafft. Wenn man bis in den Sommer 2021 hinein spielt, hätte man deutlich mehr Spielraum."

Thema Finanzen

Der finanzielle Aspekt darf nicht unterschlagen werden, vor allem in der Oberliga leben die Vereine von Sponsoring und Zuschauereinnahmen. Aber auch in den unteren Ligen müssen die Klubs schauen, wie sie sich über Wasser halten. Und genau deswegen glaubt Thomas, kämpfen die Vereine für den Abbruch: "Es geht vielen Klubs nur ums Geld. Sie wollen ihre Schäfchen ins Trockene bringen." Und Hartwig pflichtet seinem Kollegen bei: "Jeder Einzelne sieht momentan nur seinen Verein, aber wir als Kreisverband müssen alle Vereine sehen und entsprechend eine Lösung präsentieren."

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