21. April 2020 / 09:38 Uhr

NFV will Saison einfrieren: Großer Widerstand in Hannover - und in Niedersachsen?

NFV will Saison einfrieren: Großer Widerstand in Hannover - und in Niedersachsen?

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Vereinsvertreter der Region Hannover werden am Dienstagabend nicht physisch, sondern per Videoschalte zusammenkommen. Der Kreis-Vorsitzende Jens Grützmacher (links) wird die Informationsveranstaltung leiten.
Die Vereinsvertreter der Region Hannover werden am Dienstagabend nicht physisch, sondern per Videoschalte zusammenkommen. Der Kreis-Vorsitzende Jens Grützmacher (links) wird die Informationsveranstaltung leiten. © Florian Petrow
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Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) will die Saison nicht abbrechen, sondern fortsetzen - wann auch immer. In der Region Hannover war das öffentliche Echo auf diesen Vorschlag negativ. In Gifhorn wie auch in Bayern gab es indes ein klares Ja. Wie stark wird der Gegenwind tatsächlich?

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Die Debatte, wie es im Fußball abwärts der Oberliga weitergehen soll, ist in vollem Gange. Bei den Amateurkickern liegt Streit in der Luft. Der Vorstand des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) will – wie der Bayerische Fußballverband (BFV) – die Saison fortsetzen. Die Fortsetzung der Serien soll frühestens zwischen dem 15. August und dem 1. September beginnen.

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Verbände fürchten juristische Probleme

Die Verbände fürchten im Fall eines Saisonabbruchs juristische Probleme mit Vereinen, die sich benachteiligt fühlen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der NFV rechnen intern außerdem die Möglichkeit mit ein, dass die Saison wegen der Corona-Verordnungen erst 2021 fortgeführt werden könnte. Daher setzen die Verbandsvorstände die Saison 2019/2020 lieber fort (Ende spätestens Juni 2021), als eine neue Saison zu planen.

In einigen niedersächsischen Regionen gibt es Zustimmung. In Gifhorn gab es ein klares Ja zum Vorschlag des NFV. Andere Vereine fordern den sofortigen Abbruch der Saison. Ein Zentrum des Vereinswiderstands gegen den NFV-Vorschlag ist Hannover.

Mehr Berichte aus der Region

Am Dienstagabend (19 Uhr) ist eine Videoschalte des NFV-Kreises Region Hannover geplant. Es handele sich um eine „Informationsveranstaltung“, heißt es in der Einladung. Ob – anders als in Gifhorn – in Hannover nicht abgestimmt wird, muss sich dabei erst zeigen.

"Großen Widerstand gegen das Vorhaben des NFV"

Vereinsvertreter machen vor der heutigen Veranstaltung mobil und wollen sich dem Vorhaben des NFV (Einfrieren der Saison) widersetzen. „Ich habe vernommen, dass es einen großen Widerstand gegen das Vorhaben des NFV gibt“, sagt Martin Becker vom TSV Bemerode.

Becker schrieb im Vorfeld der Telefonkonferenz die Vereine an und bat sie um ihre Meinung, wie mit dem Rest der Saison verfahren werden soll. „Ich habe ihnen auch meine Vorschläge für das Verfahren in der Krise dargestellt“, sagt Becker, „ich bin überzeugt, dass es den Vereinen und auch dem Verband hilft. Ich möchte einfach ein möglichst breit gefasstes Bild an Meinungen zusammenfügen und werde das vor der Telefonkonferenz auch dem NFV zur Verfügung stellen.“ Sein Vorschlag: Abbruch, kein Abstieg, bis zu drei Aufsteiger, neue Ligen.

Das sind die Bilder der Saison 2019/20 in Hannovers Amateurfußball

Harte Landung: Sarstedts Torschütze zum 3:1, Christian Schäfer, prallt hart auf den Boden.  Zur Galerie
Harte Landung: Sarstedts Torschütze zum 3:1, Christian Schäfer, prallt hart auf den Boden.  ©

Das Votum der Vereine aus Niedersachsen soll Einfluss haben auf die Entscheidung des NFV-Verbandsvorstandes. Diese Entscheidung wird am Freitag erwartet.

Bierkampf fordert Plan für die Kinder

Dirk Bierkamp, Abteilungsleiter bei der TSV Burgdorf, plädiert ebenfalls für einen klaren Schnitt. „Mein Verein ist der klaren Ansicht, dass die Saison nicht regulär zu Ende gespielt werden kann und dementsprechend zahlreiche ungeklärte Fragen offenbleiben“, so Bierkamp. „Was ich mir wünschen würde, ist, dass sie sich beim DFB einmal mit den führenden Virologen zusammensetzen und einen Plan dafür entwerfen, wann unsere Kinder endlich wieder Fußball spielen können“, sagt Bierkamp.

Ausschlaggebend wird das Meinungsbild der Vereine in Niedersachsen sein, nicht nur das Hannovers. Die Vereine aus Bayern stimmten am Sonntag über die Vorschläge ab. Das Ergebnis der Abstimmung dürfte für Aufatmen beim BFV-Präsidenten Rainer Koch, zugleich DFB-Vizepräsident für Amateurfußball, gesorgt haben.

Das sind die Helden der Woche aus der Region Hannover in der Saison 2019/20

Zum Saisonauftakt in der Bezirksliga 2 erlebte <b>Marius Fennel</b> mit der SG Blaues Wunder ein Wechselbad der Gefühle. Erst lief gegen Iraklis Hellas fast nichts zusammen, dann wendete der 29-Jährige mit zwei Treffern das Blatt. Doch in der Nachspielzeit gab es noch den Ausgleich. Die beiden Tore - per Direktabnahme aus 20 Metern und nervenstark vom Punkt - und 40,6 Prozent der Stimmen machten ihn zum ersten Held der Woche der Spielzeit 2019/20. Zur Galerie
Zum Saisonauftakt in der Bezirksliga 2 erlebte Marius Fennel mit der SG Blaues Wunder ein Wechselbad der Gefühle. Erst lief gegen Iraklis Hellas fast nichts zusammen, dann wendete der 29-Jährige mit zwei Treffern das Blatt. Doch in der Nachspielzeit gab es noch den Ausgleich. Die beiden Tore - per Direktabnahme aus 20 Metern und nervenstark vom Punkt - und 40,6 Prozent der Stimmen machten ihn zum ersten Held der Woche der Spielzeit 2019/20. ©

Eine Zweidrittelmehrheit ist demnach dafür, die Saison – wann auch immer – auf sportlichem Wege zu Ende zu bringen. 68,13 Prozent der Klubs stimmten bei der Wahl mit Ja. Morgen wird das BFV-Präsidium über das Ergebnis be­ra­ten.

Ablehnende Haltung in Brandenburg

Wie uneins sich Fußball-Deutschland ist, zeigt ein Blick in den Osten: Dort hat der Fußball-Verband Brandenburg bei seiner Abstimmung 59 Prozent der Stimmen gegen eine Fortsetzung der Saison erhalten.

„Über dieses Vo­tum, den Spielbetrieb bei den Männern am 30. Juni 2020 zu beenden, werden wir uns als Verband nicht hinwegsetzen“, sagte Präsident Jens Kaden in einer Pressemitteilung. In Niedersachsen wird der NFV ähnlich reagieren, wenn der Gegenwind zu stark wird.