28. Juni 2020 / 17:28 Uhr

NFV-Verbandstag: Das sagen die betroffenen heimischen Klubs zum Ergebnis

NFV-Verbandstag: Das sagen die betroffenen heimischen Klubs zum Ergebnis

Yannik Haustein und Benno Seelhöfer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Großer Verlierer des NFV-Verbandstags: Der SSV Kästorf (in Rot).
Großer Verlierer des NFV-Verbandstags: Der SSV Kästorf (in Rot).
Anzeige

Der NFV-Verbandstag hat beschlossen: Die Quotientenregel bestimmt Auf-, aber keine Absteiger. Dass diese Regelung ohne Antrag angenommen wurde, sorgt bei manchen heimischen Klubs für schlechte Laune - aber nicht bei allen.

Anzeige
Anzeige

Die Diskussionen sind beendet, nun gibt es endlich ein Ergebnis: Die Saison im niedersächsischen Amateur-Fußball ist beendet, der NFV-Vorschlag hat sich ohne ergänzende Anträge durchgesetzt. Das sorgt auch im heimischen Fußball für Gewinner und Verlierer.

Landesliga

Der Verein, der wohl am meisten unter der Entscheidung leidet, ist Landesligist SSV Kästorf. Der Antrag des Klubs, die Hinserien-Tabelle zu werten, wurde - wie alle anderen Anträge auch - mit großer Mehrheit abgelehnt. "Erstmal möchte ich allen Aufsteigern gratulieren", sagt SSV-Coach Georgios Palanis, der aber natürlich nicht zufrieden mit dem Ablauf des Verbandstags ist, in Sachen Fehler aber auch auf den eigenen Klub schaut. "Ich bin enttäuscht vom NFV, wie er die Klubs auf den Verbandstag vorbereitet hat, wie sie zu der Lösung geführt wurden."

Damit meint Palanis, dass sich die Klubs, die vom NFV-Vorschlag profitieren, keine weitere Gedanken über große Verlierer machen. Und angesichts des Saison-Verlaufs und der witterungsbedingten Absage von im Nachhinein wichtigen Spielen, ist der Nicht-Aufstieg des SSV denkbar unglücklich. "Wer sagt, wir hätten es nicht verdient aufzusteigen, der lügt", sagt Palanis.

Dennoch sieht er die Schuld auch bei sich selbst, der Antrag der Kästorfer, nur den Hinrunden-Ersten aufsteigen zu lassen und nicht auch den aktuellen Ersten nach Quotientenregelung, sei nicht gut gewesen. "Das war ein Fehler, das sage ich ganz klar. Warum sollte man seinem Nebenmann nicht auch das Gönnen, was man selber hat." Aber genau diese Einstellung hätte sich Palanis auch von anderen Klubs gewünscht. "Wo wäre da für andere Vereine der Nachteil, wenn wir auch aufsteigen?"

Dass die Anträge des MTV Treubund Lüneburg und des SSV so wenig Stimmen bekamen, findet Palanis überraschend. "Ich hatte ein kleines Fünkchen Hoffnung, aber dass die Vereine so abstimmen..." Bei allem Ärger wolle er persönlich aber jetzt mit dem Thema abschließen: "Für mich ist das Ding durch."

Ärger in Kästorf, aber es gibt auch einen heimischen Gewinner in der Landesliga: Den SV Reislingen/Neuhaus. Hätte es auch Absteiger gegeben, wäre der SVR durch die Quotientenregelung auf einen Abstiegsplatz abgerutscht - doch dem scheidenden Coach José Salguero bleibt dieser extrem bittere Abschied erspart. "Dieses Kapitel ist Gott sei Dank endlich abgeschlossen", sagt Salguero über die Diskussionen im Vorfeld des Verbandstags.

Dass sein Team die Klasse hält, stand für ihn aber nie groß infrage: "Ich bin da sehr rational. Wir waren in dieser Saison nie auf einem Abstiegsplatz, standen wegen zuletzt vier Auswärtsspielen gegen Teams von oben da unten. Das ist eine Frage von Moral und Ethik, dass man Teams nichts wegnehmen darf. Und so wäre es bei uns gewesen."

Landesliga: SSV Kästorf gegen SV Reislingen/Neuhaus

Landesliga, SSV Kästorf - SV Reislingen, Foto: Cagla Canidar Zur Galerie
Landesliga, SSV Kästorf - SV Reislingen, Foto: Cagla Canidar ©

Bezirksliga

In der Bezirksliga ist durch die Entscheidung des Verbandstags aus dem Titel-Dreikampf zumindest ein Zweikampf geworden. Den Aufstieg machen nun die TSG Mörse und der SV Calberlah unter sich aus - abhängig davon, ob die TSG darf. Fest steht aber, dass die SV Gifhorn denkbar knapp scheitert. "Es war ja zu erwarten, und wir sind froh, dass es jetzt offiziell ist. Es ist immer die Rede von Sportlichkeit gewesen. Wenn der Erste nicht aufsteigen darf und nun ein Team hochgeht, das in der Tabelle hinter uns steht - und ein Team, das nach einer halben Saison 30 Punkte Rückstand hat, drinbleibt - muss das jeder für sich bewerten", sagt SVG-Coach Tino Gewinner.

Unerwartet kam die Entscheidung nicht, schon seit Wochen hatte sich angedeutet, dass es auf Abbruch und Quotientenregelung hinauslaufen würde. "Wir nehmen das so hin, bereiten uns auf eine weitere Bezirksliga-Saison vor", so Gewinner. "Mir tut es Leid für Mörse, aber wir beglückwünschen Calberlah."

Wirklich zufrieden ist man in Calberlah mit der Situation indes nicht. „Das setzt einer Saison voller Kuriositäten noch das i-Tüpfelchen auf. Mir tut das für jede Mannschaft leid, wenn es an solchen Formalitäten scheitert. So will keiner davon profitieren“, sagte Calberlahs Trainer Stefan Timpe bereits vor einiger Zeit.

Ob der SVC tatsächlich für die Landesliga planen darf, ist aber noch offen. Denn Meister Mörse will - wie schon vor neun Jahren - einen Ausnahme-Antrag stellen. Eigentlich dürfte die TSG mangels Jugend-Unterbau nicht hoch, "aber wir wollen das nicht einfach so hinnehmen", sagt Mörses Coach Thomas Orth. "Gerade für kleine Vereine wird es immer schwerer, und es wird nicht geschaut, was man hat - es wird in Mörse tolle Vereinsarbeit geleistet. Man kann viel kaputtmachen, wenn man nur auf die Paragraphen schaut", betont Orth. "Die Regel ist meiner Meinung nach überholt und veraltet."

SV Gifhorn gibt Neuzugänge bekannt

Zwei Neuzugänge gibt's außerdem für die SV Gifhorn: Mit Tim Karwehl (MTV Wasbüttel) kehrt ein echter SVer zurück an die Eyßelheide, hinzu kommt mit Marvin Syma ein Keeper aus der A-Jugend des MTV Gifhorn. Gewinner: "Damit sind unsere Kaderplanungen abgeschlossen."

Mehr heimischer Fußball

Kreis Wolfsburg

Aus der Kreisliga Wolfsburg steigen gleich zwei Teams auf: Der SV Barnstorf als Erster sowieso, aber auch der Zweite WSV Wendschott darf in der kommenden Saison in der Bezirksliga ran, weil in dieser Saison der Kreis Wolfsburg zwei Aufstiegsrechte hat. "Klar wären wir lieber sportlich aufgestiegen", sagt Co-Trainer Jan Ademeit. "Aber man nimmt das natürlich gerne mit. Und mit dem Kader gehören wir auch in die Bezirksliga." Gefeiert und gejubelt haben die Wendschotter dennoch ordentlich - natürlich unter Beachtung der Corona-Maßnahmen. "Wir waren zusammen essen, und dann wurde es auch feuchtfröhlich", sagt Ademeit mit einem Schmunzeln. "Meine Stimme ist auch noch nicht ganz wieder da..."

Kreis Gifhorn

Leise Hoffnungen noch ins Aufstiegsrennen der 1. Kreisklasse Gifhorn 1 einzugreifen, hatte sich auch der Tabellenzweite FC Germania Parsau gemacht. Der Klub hatte den Antrag eingereicht, Auf- und Absteiger per Final-Four-Turnier zu bestimmen. Doch der setzte sich nicht durch, kam gar nicht erst zur Sprache. FC-Trainer Sören Henke hatte zwar damit gerechnet, "aber die Art und Weise war nicht gut. Wenn der Antrag des NFV mit 91 oder 92 Prozent durchgewunken wird und wir gar nicht erst zu unserem Antrag kommen, brauche ich nicht wochenlang so ein Gedöns zu machen - das hat eher gezeigt, was für ein abgekartetes Spiel es war."

Vor allem mit der Argumentation gegen Absteiger hat Henke dabei ein Problem. "Es hieß, dass die Teams auf den Abstiegsplätzen sich ja noch hätten verbessern können", so Henke. Für die Topteams wurde diese Begründung aber nicht in Betracht gezogen, "dabei hätten sich die Plätze zwei, drei oder vier ja noch nach vorn schieben können. Die Integrität des Wettkampfs wurde so nicht gewahrt."

Henke stellt zugleich aber klar: "Es geht nicht darum, dass ich anderen Vereinen etwas nicht gönne. Der FSV Vorhop/Schönewörde ist verdienter Herbstmeister geworden, wir gratulieren natürlich!", so Henke. Protestieren wird Parsau nicht, so der Coach: "Wir nehmen es so hin - aber es fehlt mir bei vielen Verantwortlichen die Weitsicht."