17. März 2020 / 12:24 Uhr

Coronavirus: Das sagen Göttinger zur Fußball-Pause bis 19. April

Coronavirus: Das sagen Göttinger zur Fußball-Pause bis 19. April

Eduard Warda
Göttinger Tageblatt
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Der Fußball in Niedersachsen ruht bis mindestens 19. April, individuelles Training ist angesagt. © dpa
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Niedersächsischer Fußballverband reagiert auf Entwicklung der Corona-Krise

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Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) setzt Spiel- und Trainingsbetrieb in Niedersachsen bis mindestens 19. April aus – diesen Beschluss des Präsidiums teilte der Verband am Dienstagvormittag mit. Was bedeutet das für die Klubs? Wir haben mit dem Vorsitzenden des Fußballkreises Göttingen-Osterode, einem Funktionär und einem Trainer über die Situation gesprochen.

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„Ich persönlich habe damit gerechnet, und ich befürchte, dass der 19. April nicht das Ende sein wird“, sagt Hans-Dieter Dethlefs, Vorsitzender des NFV-Kreises Göttingen-Osterode. „Die Fälle nehmen zu, und wir haben noch keinen Stand, dass der Berg erreicht ist.“ 

Ob und wie die Saison unter diesen Umständen beendet werden kann, müssten die jeweiligen Ausschüsse entscheiden. „In dieser Hinsicht müssen wir auch dringend mit den Vereinen in Kontakt bleiben“, unterstrich Dethlefs. „Wie es weitergeht, müssen wir abwarten. Man kann nicht hellsehen, aber man kann Ruhe bewahren. Mir geht es um die Gesundheit, und da muss ich sagen: Fußball ist nicht alles, die Gesundheit jedes einzelnen hat im Moment Priorität.“

Hans-Dieter Dethlefs
Hans-Dieter Dethlefs © Hinzmann

Die Erklärung im Wortlaut:

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat am Dienstag auf die rasante Ausbreitung des Coronavirus reagiert und die Pause für Spielbetrieb und Training bis zum 19. April verlängert. Die Erklärung in Auszügen: 

„1. Die (...) Aussetzung des Spielbetriebs wird bis auf weiteres, mindestens jedoch bis einschließlich den 19.04.2020, verlängert. 2. Gleichzeitig wurde die Entscheidung getroffen, dass ab sofort alle zentralen und dezentralen Maßnahmen der Lehrarbeit (Aus-, Fort- u. Weiterbildung) und Talentförderung für den gleichen Zeitraum auszusetzen sind bzw. ausgesetzt werden. (...) 3. Darüber hinaus ist zu beachten, dass sämtliche Sitzungen und Tagungen auf allen Gliederungsebenen des NFV (Informationsveranstaltungen, Organsitzungen, etc.) in diesem Zeitraum ebenfalls auszusetzen sind. Nur in zwingenden und nicht aufschiebbaren Fällen soll hiervon – unter Beachtung der aktuellen Vorgaben der maßgeblichen Behörden – abgewichen werden. Die gleiche Situation trifft die Mitgliedsvereine. 4. Die Mitgliedsvereine werden unter Hinweis auf die behördlichen Vorgaben zudem angehalten, sämtlichen Trainingsbetrieb im o.g. Zeitraum einzustellen. (...) Rechtzeitig – 10 Tage vor Ablauf des 19.04.2020 – erfolgt eine Information über den weiteren Fortgang.“

„Wenn ich wüsste, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass nach dem 19. April wieder Fußball gespielt wird, hätte ich wahrscheinlich auch schon den Lotto-Jackpot geknackt“, sagt Thorsten Tunkel, stellvertretender Vorsitzender der SVG Göttingen und Schriftführer des Bezirksspielausschusses. Pro forma müsse man sich als Klub darauf einstellen, nach dem 19. April wieder in die Punktspiele einzusteigen, „nur so richtig fehlt mir der Glaube daran, dass es nach dem 19. April weitergeht“. 

Dazu kommt, dass sich die Spieler momentan nur eingeschränkt fit halten können: Training in den Fitnessstudios fällt weg, und ob es zukünftig überhaupt noch möglich sei, joggen zu gehen, stehe ebenfalls in den Sternen, so Tunkel. Bleiben nur noch Fitnessübungen in den eigenen vier Wänden, und da mangele es an den gleichen Bedingungen für alle.

Fu§ball, SVG Gšttingen , 27.03.2018, Gšttingen: Thorsten Tunkel. Foto: Swen Pfšrtner
Thorsten Tunkel © Pförtner

Sollte die Saison wiederaufgenommen werden, dann wohl erst wieder am 1. Mai. „Eigentlich benötigst du nach einer sechswöchigen Pause wie im Sommer eine Vorbereitung“, verdeutlicht der SVG-Funktionär. 

Genau über dieses Thema sei am vergangenen Freitag im Bezirksspielausschuss geredet worden: „Gesetzt den Fall, dass wir am 1. Mai wieder anfangen, müsste die Saison verlängert werden, aber man könnte sie mit Terminen an Feiertagen und englischen Wochen zu Ende spielen. Nur wäre es eine enorme Belastung für die Spieler. Sportwissenschaftler würden wahrscheinlich auf das große Verletzungsrisiko hinweisen, und die neue Saison müsste um zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben werden“, so Tunkel.

Ein anderer Aspekt jenseits aller finanziellen Unwägbarkeiten für Klubs und Spieler: „Wir müssten auch die Wechselfristen anpacken, viele Dinge, die Neuland sind, in Angriff nehmen. Die Klubs müssten ja bis Mitte Juni Planungssicherheit haben. Das würde einen ziemlichen Rattenschwanz nach sich ziehen“, gibt Tunkel zu bedenken.

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Fabian Otto, Trainer des Bezirksligisten SG Bergdörfer, sieht die Fußball-Pause bis 19. April ganz pragmatisch. „Für mich ist es eine logische Konsequenz der Entwicklung. Momentan stehen Solidarität und Gesundheit an erster Stelle. Es gilt, Menschen zu schützen“, sagt er.

Die SG-Spieler hielten sich mit individuellen Konditionseinheiten fit, „mal schauen, was zukünfitg überhaupt noch geht. Im ländlichen Raum spricht ja eigentlich nichts dagegen, joggen zu gehen“, sagt Otto.

Fabian Otto. Teamvorstellung der SG Bergdörfer am 09.07.19 in Brochthausen, Niedersachsen. 
Sport, Fußball Männer.
|Foto: Helge Schneemann
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Fabian Otto © Helge Schneemann

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch die Saison zu Ende spielen, aber das ist momentan auch nicht wichtig“, unterstreicht der Trainer. „Die Spieler sind zwar traurig, weil wir uns auf die Rückrunde vorbereitet haben, und wir alle würden uns freuen, uns öfter zu sehen. Aber es gibt jetzt wichtigere Sachen. Es ist schwierig, aber wir kriegen das alles hin, wenn wir uns alle massiv einschränken und direkte soziale Kontakte vermeiden.“