22. Mai 2020 / 19:04 Uhr

NFV-Vorschlag: Calberlah "nimmt es sportlich", Einwände aus Kästorf?

NFV-Vorschlag: Calberlah "nimmt es sportlich", Einwände aus Kästorf?

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Einer der Gewinner und einer der Verlierer des NFV-Vorschlags: Der SV Reislingen/Neuhaus (in Blau) und der SSV Kästorf.
Einer der Gewinner und einer der Verlierer des NFV-Vorschlags: Der SV Reislingen/Neuhaus (in Blau) und der SSV Kästorf.
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Saison-Abbruch, Quotientenregelung, keine Absteiger: Der NFV hat sich auf eine Variante festgelegt, wird diese auf dem außerordentlichen Verbandstag einreichen. Dieses Szenario würde, wenn es angenommen wird, zwar ein paar Härtefälle vermeiden, aber bei Weitem nicht alle.

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Wie es im Amateurfußball weitergeht, ist noch immer unklar. Immerhin hat sich der NFV nun auf seine Variante festgelegt, die er am 27. Juni auf dem außerordentlichen Verbandstag zur Abstimmung einreichen wird. Weitere Anträge von Vereinen sind aber noch möglich, dennoch scheint der Abbruch der Saison und eine Wertung unter Berücksichtigung der Quotientenregelung mit Auf- aber ohne Absteiger die Variante zu sein, die sich am Ende durchsetzt.

Das Positive: Es gäbe dann keine unglücklichen Verlierer in Sachen Abstieg. Das Negative: Es gibt sie aber in Sachen Aufstieg, da in den meisten Ligen nur einer hoch darf. Dadurch werden auch manche Staffeln in der kommenden Saison sehr groß ausfallen. Bei heimischen Fußball-Klubs, die von diesem Szenario direkt betroffen wären, sorgt das Für und Wider daher auch für unterschiedliche Meinungen.

SSV Kästorf berät noch

Großer Verlierer wäre Landesligist SSV Kästorf, der wegen zu weniger Spiele denkbar knapp nicht in die Oberliga aufstiegen würde. Trainer Georgios Palanis ist darüber natürlich sauer - und ärgert sich vor dem Hintergrund, dass es nach der vom NFV eingebrachten Variante keine Absteiger geben wird, über große Ungerechtigkeit. "Wenn man in eine Saison geht und man im Vorhinein weiß, dass es Auf- und Absteiger geben wird, dann darf es keine Verlierer geben. Wo ist das Fair-Play?", ärgert sich Kästorfs Coach. "Es sollte für alle eine gleichberechtigte Behandlung geben. Vahdet Braunschweig hätte als aktueller Tabellenzweiter auch noch aufsteigen können."

Tendenziell würden in einer Saison mehr Vereine gegen den Abstieg spielen als um den Aufstieg, so Palanis. Der SSV sei also Teil einer Minderheit - und diese finde in der Debatte zu wenig Gehör. Gehör verschaffen mit Antrag? Spartenleiter Stefan Redler will das nicht ausschließen: "Wir werden uns am Samstag im Verein zusammensetzen und in der Runde beraten, wie wir weiter vorgehen."

Mehr heimischer Fußball

Ein großer Gewinner des NFV-Vorschlags wäre hingegen Landesligist SV Reislingen/Neuhaus. Coach José Salguero, der nach der Quotientenregelung vom 11. auf den 14. Platz abgerutscht wäre, findet den Vorschlag gut. "Ich halte es für richtig, weil der Quotient im Abstieg ungerecht ist. Wir sind dafür das beste Beispiel", sagt der SVR-Trainer, der sich aber noch keineswegs entspannt zurücklehnen will. "Wenn man die Diskussion in den letzten Monaten beobachtet hat, muss man erstmal abwarten. Aber wir sind auf dem richtigen Weg."

SV Calberlah will Entscheidung hinnehmen

In der Bezirksliga hätte der Titel-Dreikampf zwischen der TSG Mörse, der SV Gifhorn und dem SV Calberlah einen ganz knappen Sieger: Die Wolfsburger würden sich haarscharf gegen Calberlah durchsetzen - beide haben einen Quotienten von 2,333. Die TSG (2) hat aber gegenüber dem SVC (1,467) den besseren Torquotienten (Torverhältnis geteilt durch absolvierte Spiele), wäre deshalb Erster.

Meisterfrage also geklärt? "Wir nehmen es sportlich. Es gibt nur schlechte Lösungen, die Quotientenregelung halte ich noch für die beste", sagt Calberlahs Coach Stefan Timpe, dessen Klub auch deshalb beim Verbandstag keinen eigenen Antrag einreichen wird. "Wir tragen die Entscheidung mit." Beim glücklichen Sieger Mörse würde sich Trainer Thomas Orth dennoch lieber eine Lösung auf dem grünen Platz und nicht am grünen Tisch wünschen. Einem Entscheidungsspiel wären beide Coaches nach wie vor gegenüber aufgeschlossen. Orth: "Das wäre das Sportlichste. Wenn es denn überhaupt möglich ist."

Auch in einem weiteren Punkt sind sich die beiden Bezirksliga-Trainer einig: Beide würden sich auch Absteiger wünschen. Timpe: „Ich finde eines sehr bedenklich. Die nächste Saison startet später, dazu gibt es mehr Spiele.“ Orth gießt auch Wermut in den Freudenbecher der Nichtabsteiger: „In einer Landesliga mit 20 Mannschaften muss man vielleicht auch mal unter der Woche Richtung Harz. Ich bin mal gespannt, ob die Trainerkollegen dann nicht die Ersten sind, die rumjaulen.“