16. Mai 2020 / 13:15 Uhr

NFV-Webinare: Viele Fragen, noch mehr Meinungen und eine gewisse Verunsicherung

NFV-Webinare: Viele Fragen, noch mehr Meinungen und eine gewisse Verunsicherung

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Direktor Jan Baßler (am Podium) beantwortet ausgewählte Fragen der Vereine, Präsident Günter Distelrath (rechts) und Steffen Heyerhorst hören zu.
Direktor Jan Baßler (am Podium) beantwortet ausgewählte Fragen der Vereine, Präsident Günter Distelrath (rechts) und Steffen Heyerhorst hören zu. © Screenshot
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Was hat das knapp einstündige Webinar des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) unter dem Strich gebracht? Es gab keine Neuigkeiten, einige interessante Hinweise, viele offene Fragen und noch mehr Meinungen. Der außerordentliche Verbandstag wird mehr denn je erwartet.

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Pressesprecher Manfred Finger führte durch die Veranstaltung im virtuellen Raum, die um 9.30 Uhr zunächst den Vereinen aus den Bezirken Hannover und Braunschweig vorbehalten war. Zwei Stunden später trafen sich an gleicher Stelle die Klubs aus den Bezirken Lüneburg und Weser-Ems.

NFV filtert Fragen und leitet nur eine Auswahl weiter

Es war zwar möglich Fragen über die Chat-Funktion zu stellen, diese wurden allerdings von Direktor Jan Baßler und Marian Kobus gesichtet und gefiltert. Den Teilnehmern daheim wurde nur eine Auswahl von 17 Fragen und Kommentaren zur Verfügung gestellt.

Grundsätzlich ging es darum, die Vereine zu informieren. Ihnen die vier Varianten für den Umgang mit der Saison 2019/2020, auf die sich der Verbandsvorstand zuvor geeinigt hatte, noch einmal näher zu erläutern. NFV-Präsident Günter Distelrath begründete in seinen einleitenden Worten, warum sich der Verbandsvorstand für die Aufnahme der Variante 4 (Fortsetzung des Spieljahres) entschieden hat.

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Den Vorwurf, der NFV würde versuchen, die Fortsetzung des Spieljahres durchzudrücken, sei schlichtweg nicht richtig. "Die Wahrscheinlichkeit bei 30 Prozent, die sich bei unserer Umfrage für die Fortsetzung ausgesprochen haben, dass ein entsprechender Antrag für den Verbandstag gestellt wird, ist nicht klein. Deswegen haben wir ihn mit aufgenommen", sagte Distelrath. Auch der Vergleich mit anderen Landesverbänden hinke, betonte der NFV-Präsident, weil diese sich auf andere Satzungen und Ordnungen berufen könnten. Beispielsweise Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

"Es stimmt nicht, dass der NFV den Prozess zeitlich verschleppt"

Auch den Vorwurf, der NFV würde auf Zeit spielen, wollte der 70-Jährige so nicht stehen lassen. "Ich glaube, es war richtig, die behördlichen Anordnungen abzuwarten. Es liegt uns ein Gutachten vor, dass ein Verbandstag für den Saisonabbruch zwingend erforderlich ist. Es stimmt nicht, dass der NFV den Prozess zeitlich verschleppt, die Vorbereitung, zumal der Verbandstag wahrscheinlich im virtuellen Raum stattfinden wird, braucht seine Zeit."

Auf die Frage eines Teilnehmers, ob das angesprochene Rechtsgutachten, offenbar von einem Juristen aus München erstellt und 50 Seiten lang, den Vereinen zugänglich gemacht werden soll, antwortete der NFV: "Derzeit ist nur vorgesehen, dass die Mitglieder des Verbandsvorstandes es einsehen können. Insofern bitte an den Kreisvorsitzenden wenden."

Ein Überblick: Das ist der Status quo bei Deutschlands Landesverbänden. Stand: 21. Mai 2020.

<b>Schleswig-Holstein:</b> Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit, wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert.

 Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  Zur Galerie
Schleswig-Holstein: Ob sie sich bei ihrem Weg auf Glatteis bewegen, wird sich zeigen. Klar ist: Das Präsidium des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) hat beschlossen, dass die Saison 2019/2020 nicht über den 30. Juni hinaus verlängert werden soll. Stattdessen wird sie ohne weiteren Spielbetrieb auslaufen. Mit anderen Worten: Sie ist abgebrochen worden. "Die Entscheidung gibt unseren Vereinen die bestmögliche Planungssicherheit", wird SHFV-Präsident Uwe Döring auf der Homepage des Verbandes zitiert. Am 9. Mai entschied das Präsidium schließlich, die Saison mithilfe der Quotientenregel zu werten. Es gibt zwei Auf-, aber keine Absteiger. Sollte eine Mannschaft auf den Aufstieg verzichten, erfolgt keine Weitergabe des Aufstiegsrechts. Die ausstehenden Kreispokalspiele sollen als regionale Qualifikationsrunden vor Beginn der nächsten Saison gespielt werden. Bei den Frauen und Junioren steigen hingegen jeweils nur die Staffelsieger auf, Absteiger gibt es ebenfalls nicht.  ©

Der Hauptinhalt des Webinars sollte sich allerdings einzig und allein um die Frage drehen: "Welchen Abbruch wollen wir denn?", fragte Distelrath. NFV-Justiziar Steffen Heyerhorst beschrieb im Schnelldurchgang noch einmal die vier Varianten, auf die sich der Verbandsvorstand zuvor geeinigt hatte und die auf der NFV-Homepage seit dem 8. Mai einzusehen sind: Annullierung der Saison, Abbruch mit Quotierung (mit oder ohne Absteiger) sowie die Fortsetzung des Spieljahres.

Ein Kreis stimmte für Annullierung

Jan Baßler beantwortete anschließend ausgewählte und exemplarische Fragen. Laut dem NFV-Dirkektor habe es unter anderem einen Kreis in Niedersachsen gegeben, der mehrheitlich für eine Annullierung gestimmt habe, diese sei auch rechtlich umsetzbar. Und: Wie in jedem Sportverein hat auch der NFV einen Vorstand, in denen es wiederum Ehrenamtliche gebe. "Wie bei euch gibt es Privatpersonen, die für das Handeln des Verbandes haftbar gemacht werden könnten", sagte Baßler. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei ein Verbandstag nötig.

Verbandstag am 27. Juni?

Wie geht es jetzt weiter? Am 20. Mai, also nächsten Mittwoch, trifft sich der Verbandsvorstand zum vierten Mal im virtuellen Raum. "Unter Berücksichtigung der heutigen Erkenntnisse werden wir final die möglichen Varianten festlegen", sagte Distelrath. Zwei Tage später wird dann voraussichtlich der außerordentliche Verbandstag mit einer auf fünf Wochen verkürzten Ladungs- und Antragsfrist einberufen. Alles deutet auf Samstag, 27. Juni, hin. Drei Tage vor dem formalen Ende der Saison 2019/2020.

Was bleibt sind weiterhin viele offene Fragen über den Umgang mit der Spielzeit, unzählige Meinungen in den Vereinen, eine daraus resultierende Verunsicherung und ein sehnlichst erwarteter außerordentlicher Verbandstag. In der Hoffnung, dass sich dort eine Mehrheit für die Lösung mit den wenigsten Verlierern findet.