24. Dezember 2020 / 05:40 Uhr

NHL-Leihgabe Leon Gawanke von den Eisbären: "DEL-Spiel war mein Kindheitstraum"

NHL-Leihgabe Leon Gawanke von den Eisbären: "DEL-Spiel war mein Kindheitstraum"

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
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Eishockey-Profi und NHL-Leihgabe Leon Gawanke spricht im SPORTBUZZER-Interview über seine Rückkehr zu den Eisbären Berlin, Corona-Quarantäne in der Vorbereitung und Freundschaften in Bergfelde.

Leon Gawanke ist zurück bei den Eisbären Berlin. Der 21-jährige Nationalspieler ist vom NHL-Club Winnipeg Jets an seinen Jugendverein ausgeliehen, bis die Saison in den USA und Kanada startet. Wie lange das Gastspiel dauert, weiß keiner so recht. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Gawanke über sein DEL-Debüt für die Eisbären, den Aufschwung des deutschen Eishockeys und freundschaftliche Verbindungen nach Oberhavel.

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Leon Gawanke, am Sonntagabend wurde offiziell, dass die NHL am 13. Januar in die neue Saison starten will. Haben Sie in der Zwischenzeit schon etwas aus Winnipeg gehört?

Es war ja schon die ganze Zeit davon die Rede, dass sie Mitte Januar anfangen wollen. Jetzt ist der Termin offiziell. Aber aus Winnipeg habe ich derzeit noch nichts gehört, das wird bestimmt in den nächsten Wochen passieren.

Die deutschen Spieler in der NHL

Dominik Kahun (Jahrgang 1995, Center bei den Edmonton Oilers) Zur Galerie
Dominik Kahun (Jahrgang 1995, Center bei den Edmonton Oilers) ©

Sie haben dort im Mai 2019 einen Dreijahresvertrag unterzeichnet, wurden dann aber zunächst bei den Manitoba Moose in der American Hockey League eingesetzt. Wie ist dort die Perspektive?

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Da ist es eher noch schwieriger, eine Saison hinzubekommen, als in der NHL, weil man die TV-Gelder nicht hat. Wenn es wirklich eine AHL-Saison gibt, werde ich da auch spielen. Da habe ich nicht viel zu entscheiden.

Aber Sie sehen ihre nähere Zukunft bei den Eisbären in Berlin?

Wie gesagt, bisher habe ich aus Winnipeg noch nichts gehört. Aber es wäre sicher nicht so schlau, wenn ich jetzt dahin fliege, zwei Wochen trainiere, runtergeschickt werde und dann einen Monat nichts mache. Da wäre es für meine Entwicklung besser, wenn ich in der Zeit hier sieben, acht Spiele machen kann. Aber das habe ich nicht zu entscheiden, das wird Winnipeg für mich entscheiden.

Den Traum von der NHL haben Sie nicht aufgegeben.

Das ist doch klar, das steht über allem. Es wäre natürlich wunderbar, wenn das klappt. Aber ich mache mir da keinen Druck, will mich von Jahr zu Jahr entwickeln, um irgendwann den Sprung zu schaffen – vielleicht kommt er früher, vielleicht später.

Welchen Stellenwert genießt das deutsche Eishockey in Nordamerika?


Wir sind eindeutig im Aufschwung, das hat man auch da drüben mitbekommen. Schon allein, dass Leon Draisaitl letztes Jahr der beste Spieler der Welt war, zeigt auch, dass es in Deutschland gute Eishockeyspieler gibt. Und es kommen neue Leute nach. Jetzt wurden zwei Spieler in der ersten Runde und einer ganz früh in der zweiten gedraftet. Das gab es davor auch noch nie. Ich freue mich auf die Zukunft, auch mit der Nationalmannschaft.

Sie sind nach vier Jahren zurück in ihrem Jugendclub, haben zum Saisonauftakt in der Deutschen Eishockey-Liga debütiert. Was ist das für ein Gefühl?

Mein erstes DEL-Spiel zu machen, das war schon immer mein Kindheitstraum. Ich bin hier aufgewachsen, hatte bei den Meisterschaften eine Dauerkarte im „Welli“ und war riesiger Eisbären-Fan. Es war immer mein Ziel, in der DEL zu spielen. Dass es jetzt sogar noch ein bisschen höher hinausging, ist natürlich wunderbar, aber es war schon ein schönes Gefühl, am Freitag aufgelaufen zu sein.

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Hat sich der Club seit ihrem Abschied vor vier Jahren verändert?

Ich hatte ja vorher nicht wirklich viel mit den Profis zu tun, daher kann ich nicht genau sagen, wie es früher war. Aber es gibt hier schon ein bisschen nordamerikanisches Flair, durch die Kooperation mit den LA Kings und mit Weißwasser, wo die jungen Spieler zum Einsatz kommen können. Das ist ja ein bisschen so wie mit den Farmteams in der NHL. Man merkt, dass man hier in Berlin etwas erreichen will und sich nicht mehr nur damit zufrieden gibt, hinter Mannheim und München zu stehen.

Die Vorbereitung war wechselhaft: der Saisonstart wurde zweimal verschoben, dann musste das gesamte Team in Corona-Quarantäne. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich war ja selbst von Corona betroffen, das waren keine schönen Tage. Aber es war dann nach zwei, drei Tagen wieder okay. Dann musste ich in den weiteren sieben Tagen Quarantäne versuchen, mich irgendwie fit zu halten. Nach einem Gesundheitstest in der Charité ging es dann wieder auf’s Eis.

Was trauen Sie den Eisbären in dieser besonderen Saison zu?

Das Ziel ist ganz klar die Meisterschaft. Wir haben uns in den letzten Wochen noch einmal gut verstärkt. Es ist auf jeden Fall eine talentierte Mannschaft. Und auch Bremerhaven ist in der Liga kein kleiner Gegner. Die Partie hat schon gezeigt, dass wir ganz oben mitspielen können.

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Trotzdem stecken die Eisbären im Umbruch. Ist das Kennenlernen schon abgeschlossen?

So lange wie jetzt waren wir noch nie zusammen. Der Sommer war ja unendlich lang. Auch die Kanadier sind schon wieder einige Zeit hier. Jetzt sind nochmal drei Neue reingekommen, die haben sich super etabliert. Andere kennt man schon seit vielen Jahren. Es ist schon ein guter Zusammenhalt in der Truppe.

Sie sind seit März wieder in Berlin, weil die Saison in Nordamerika abgebrochen wurde. Wie war die lange Zeit ohne Eishockey?

Jeder will spielen, keiner mag es, nur zu trainieren. Aber ich denke, ich habe den Sommer ganz gut genutzt. Jetzt ist es umso schöner, dass es wieder losgeht – mit Punktspielen, in denen es um etwas geht.

Sie sind in Bergfelde (Oberhavel) aufgewachsen, haben dort früher sogar im Fußballverein gespielt. Gibt es noch Kontakte in die alte Heimat?

Ich habe noch ein paar alte Schulfreunde in Bergfelde, ab und zu sind wir zum Grillen da. Es ist auch immer wieder schön, mal hinzufahren und zu sehen, wie sich alles entwickelt hat. Das war auf jeden Fall eine schöne Zeit.

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