17. August 2022 / 18:27 Uhr

Von Nianzou bis Mai: Wie Bayern-Boss Salihamidzic mit Reservisten Millionen-Ablösesummen generiert

Von Nianzou bis Mai: Wie Bayern-Boss Salihamidzic mit Reservisten Millionen-Ablösesummen generiert

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim FC Bayern tat sich in diesem Transfer-Sommer auch einiges auf der Abgabeseite.
Beim FC Bayern tat sich in diesem Transfer-Sommer auch einiges auf der Abgabeseite. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur/Nordphoto/Passion2Press (Montage)
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Mit dem Transfer von Tanguy Nianzou zum FC Sevilla hat der FC Bayern München einen weiteren Profi, der nicht zum Stammpersonal zählte, für eine Millionen-Ablösesumme abgegeben. Der SPORTBUZZER blickt auf die Profis, die Sportvorstand Hasan Salihamidzic in diesem Sommer transferierte.

Am Sonntagabend, nach dem 2:0 des FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg, hatte Vorstandsboss Oliver Kahn auf die SPORTBUZZER-Nachfrage, ob der FC Bayern München aufgrund des Leistungssprungs von Marcel Sabitzer nun die von RB Leipzig für Konrad Laimer geforderten 30 Millionen Euro Ablöse einsparen könne, kurz und knapp geantwortet: "Was Transfers anbelangt, sind wir im Großen und Ganzen durch." Mittelfeldspieler Laimer ist bei RB noch bis Juni 2023 gebunden, im kommenden Sommer also ablösefrei zu haben.

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Bayern-Boss Kahn meinte mit dem Transfer-Ende die Einkaufseite, denn Abgänge sind weiterhin bis zum Schluss des Transferfensters am 1. September möglich und spülen den Münchnern weitere Millionen in die Kassen. Der jüngste Deal von Sportvorstand Hasan Salihamidzic: Innenverteidiger-Talent Tanguy Nianzou (20) wechselt zum FC Sevilla. Bei den Andalusiern erhält der Franzose einen Vertrag bis 2027, die Bayern bekommen 16 Millionen Euro als garantierte Sockel-Ablöse, im Laufe der Zeit können zusätzliche vier Millionen als Bonuszahlungen hinzukommen. Zudem handelten die Münchner ein Rückkaufsrecht für Nianzou aus, der vor zwei Jahren ablösefrei von PSG gekommen war. "Wir werden Tanguys Entwicklung genau beobachten, denn der FC Bayern hat die Option, ihn nach München zurückzuholen", sagte Salihamidzic.

Wegen diverser Verletzungen und zu wenig Spielzeit (lediglich 28 Pflichtspiele, davon nur fünf über die volle Distanz) aufgrund zu großer Konkurrenz auf der Innenverteidiger-Position (Dayot Upamecano, Lucas Hernández, bis zur letzten Saison Niklas Süle und nun Neuzugang Matthijs de Ligt) suchte er eine neue Herausforderung. Und die Bayern machten ein sattes Transfer-Plus von bis zu 20 Millionen Euro. Nicht der erste Top-Deal von Salihamidzic in diesem Sommer. Mit Bankdrückern und teils Tribünenhockern erlöste der 45-Jährige über 50 Millionen Euro. Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), blickt auf die transferierten Spieler:

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12 Mio. Euro für Chris Richards (22):

Der Innenverteidiger war vor Nianzous Abgang im Ranking der zentralen Abwehrspieler lediglich die Nummer sechs – hatte also noch weniger Aussichten auf Spielzeit. Der US-Nationalspieler war im Januar 2019 aus der MLS für 5,3 Millionen Euro in die U19 des FC Bayern gewechselt und wurde ab der Rückrunde 2020/21 für insgesamt eineinhalb Spielzeiten an die TSG Hoffenheim ausgeliehen. Nun der Wechsel nach nur zehn Pflichtspielen für die Bayern nach London zu Crystal Palace. Beim 1:1 in Liverpool am Montag feierte Richards bereits sein Premier-League-Debüt als Einwechselspieler.

12 Mio. Euro für Marc Roca (25):

Der defensive Mittelfeldspieler kam im Oktober 2020, als das Sommertransfer-Fenster wegen der Corona-Pandemie verlängert worden war, für neun Millionen Euro Ablöse von Espanyol Barcelona nach München. Der Spanier konnte sich auf seiner bevorzugten Position als Sechser allerdings nie gegen die Konkurrenz um Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder Corentin Tolisso (wechselte diesen Sommer ablösefrei zurück zu Olympique Lyon) durchsetzen. Bei Premier-League-Klub Leeds United ist Roca sofort Stammspieler geworden, die Bayern freuten sich über 12 Millionen Euro Ablöse, die sich durch Boni um fünf auf 17 Millionen erhöhen könnten.

8,5 Mio. Euro für Omar Richards (24):

Als Linksverteidiger hat man es beim FC Bayern schwer, da Turbo-Sprinter Alphonso Davies auf dieser Position gesetzt und unangefochten ist. Also machte sich der gebürtige Londoner nach nur einem Jahr und immerhin 17 Pflichtspiel-Einsätzen bei Bayern wieder auf den Weg in die Heimat. Premier-League-Aufsteiger Nottingham Forest zahlte für Richards stattliche 8,5 Millionen Euro Ablöse – ein sehr guter Deal. Denn: Im Juli 2021 war der U21-Nationalspieler ablösefrei vom Zweitligisten FC Reading geholt worden. Wegen einer Verletzung wartet Richards noch auf sein Debüt für Nottingham.

1,6 Mio. Euro für Lars Lukas Mai (22):

Bereits mehrfach war der Innenverteidiger vom FC Bayern ausgeliehen worden, sammelte jeweils in Darmstadt (Saison 20/21) und bei Werder Bremen (Saison 21/22) Spielpraxis in der Zweiten Liga. Nun wurde Mai, der im Januar 2014 aus der Jugend von Dynamo Dresden in die U16 der Münchner wechselte, an den Schweizer Erstligisten FC Lugano verkauft – für immerhin 1,6 Millionen Euro Ablöse. Dort kam der U21-Nationalspieler des DFB zu fünf Pflichtspieleinsätzen, bei den Bayern-Profis waren es lediglich zwei.

800.000 Euro für die Torhüter Christian Früchtl und Ron-Thorben Hoffmann:

Die Keeper Nummer drei und vier der Bayern hinter DFB-Kapitän Manuel Neuer und seinem Stellvertreter Sven Ulreich suchten diesen Sommer beide eine neue Herausforderung. Früchtl (22) wechselte in die österreichische Bundesliga für eine halbe Million Euro zu Austria Wien, während Hoffmann (23) sein Glück bei Zweitligist Eintracht Braunschweig (Ablöse: 300.000 Euro) versucht. Früchtl ist Stammtorhüter in Wien, Hoffmann nach zwei Zweitliga-Einsätzen die Nummer zwei hinter Routinier Jasmin Fejzic.

Macht unterm Strich für Nianzou & Co.: 50,9 Millionen Euro Ablöse – und das ohne die möglichen Bonuszahlungen. Die 45 Millionen Sockel-Ablöse für FIFA-Weltfußballer Robert Lewandowski, der zum FC Barcelona wechselte, kommen zur Einnahmen-Bilanz noch obendrauf. Wegen seiner gelungenen Transferpolitik soll der Vertrag von Sportvorstand Salihamidzic, der aktuell bis Ende Juni 2023 läuft, Ende des Monats um weitere drei Jahre bis 2026 verlängert werden. Das Okay des Aufsichtsrates der AG gilt nur noch als Formsache. Verdient ist verdient.