10. Januar 2022 / 20:52 Uhr

Nicht Doha oder Algarve: Turbine Potsdam startet Trainingslager im märkischen Lindow (mit Galerie)

Nicht Doha oder Algarve: Turbine Potsdam startet Trainingslager im märkischen Lindow (mit Galerie)

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Brandenburgische Kiefern statt Wüste oder Algarve: Turbine Potsdam hat in Lindow das Trainingslager bezogen.
Brandenburgische Kiefern statt Wüste oder Algarve: Turbine Potsdam hat in Lindow das Trainingslager bezogen. © Christoph Brandhorst
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Frauen-Bundesliga: Der Tabellenfünfte aus der Landeshauptstadt hat am Montag mit fast kompletten Kader das Vorbereitungscamp bezogen. Trainer Sofian Chahed kündigt eine "intensive Woche" an.

"Eins, zwei, drei“, zählt Sofian Chahed laut die Ballkontakte seiner Spielerinnen mit. „Vier, fünf, sechs.“ Dafür gibt es einen Punkt für das ballführende Team. Der Trainer von Frauenfußball-Bundesligist Turbine Potsdam sieht an diesem trüben Montagnachmittag genau hin. Lockerer Aufgalopp ins fünftägige Trainingslager. „Auf dem Platz machen wir alles mit Ball, abseits des Platzes haben wir genug andere Möglichkeiten, den Ball auch mal ruhen zu lassen“, erklärt Chahed später.

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Meister und Spitzenreiter Bayern München hat sein Vorbereitungscamp im katarischen Doha wegen der Corona-Situation abgesagt. Der VfL Wolfsburg, am 29. Januar Turbines Rückrunden-Auftaktgegner, fliegt aus dem selben Grund nicht an die Algarve nach Portugal. Chahed hat an den Plänen für ein intensives Trainingscamp dagegen festgehalten – auch, weil Turbines Doha quasi vor der eigenen Haustür liegt. Im märkischen Lindow (Ostprignitz-Ruppin) holt sich der Bundesliga-Fünfte aus der Landeshauptstadt den Feinschliff für die zweite Saisonhälfte. „Wir haben hier einen guten Kunstrasenplatz, der die Originalmaße hat, was wir in Potsdam leider nicht vorfinden“, lobt der 38-jährige Coach die Bedingungen im Sport- und Bildungszentrum.

Bilder aus dem Turbine-Trainingslager in Lindow.

Turbine Potsdam bereitet sich in der Sportschule Lindow (Ostprignitz-Ruppin) auf den Rückrundenstart in der Frauenfußball-Bundesliga vor. Am ersten Trainingstag stand Coach Sofian Chahed fast der gesamte Kader zur Verfügung. Zur Galerie
Turbine Potsdam bereitet sich in der Sportschule Lindow (Ostprignitz-Ruppin) auf den Rückrundenstart in der Frauenfußball-Bundesliga vor. Am ersten Trainingstag stand Coach Sofian Chahed fast der gesamte Kader zur Verfügung. © Christoph Brandhorst

Die Breite des Platzes wurde in Spielformen und Angriffs- und Verteidigungsübungen auch voll genutzt. „Hauptschwerpunkt war heute das Verschieben“, verrät Sofian Chahed. Defensive und offensive Grundlagen stehen auf dem Stundenplan, aber auch die eine oder andere Einheit in den Krafträumen. „Es wird eine anstrengende Trainingswoche.“


Krafträume kennt Viktoria Schwalm aus den vergangenen Monaten zu Genüge. Im Lindower Nieselregen steht die 24-jährige Offensivspielerin endlich wieder im Mannschaftskreis, fordert den Ball, spielt Pässe. Im September 2020 hatte „Tory“ ihr letztes Bundesliga-Spiel bestritten, ehe ein Knorpelschaden im linken Knie sie außer Gefecht setzte. Zum Start des Trainingslagers darf sie nun erstmals wieder mit ihren Kolleginnen kicken. Nur Zweikämpfe sind noch tabu. „Wir steigern jetzt die Belastung von Mal zu Mal, dass sich das Knie daran gewöhnt“, sagt Viktoria Schwalm. Fast 15 Monate war daran für sie kaum zu denken. „Was einem da manchmal durch den Kopf geht, kann man gar nicht in Worte fassen“, gibt die Außenbahnspielerin zu. „Es gab Ups und Downs. Mal geht es zwei Wochen gut, dann mal wieder drei Wochen schlechter.“

Keine leichte Zeit für die gebürtige Hessin, die vor zehn Jahren in den Potsdamer Nachwuchs wechselte und 2015 ihr Bundesligadebüt für Turbine gab. „Geduld ist gar nicht so meins“, sagt Viktoria Schwalm und lacht. Doch die wird sie weiter brauchen. Nach ein paar Ballkontakten ist erstmal Schluss, mit dem Fitnesscoach stehen für sie noch ein paar Sonderübungen auf dem Plan. Für ein Comeback gebe es ohnehin noch keinen konkreten Zeitplan. „Ich bin gut damit gefahren, mir kleine Ziele zu stecken“, sagt sie.

Sara Homgaard trainiert individuell

Nichts überstürzen will auch Trainer Chahed. „Es ist klar, dass sie nach so einer langen Verletzung noch Zeit braucht, dass es immer wieder Rückschläge geben kann. Ich bin erstmal froh, dass sie wieder so nah an der Mannschaft ist“, sagt er. „Es ist einfach ätzend, wenn man verletzt ist und allein in der Reha trainieren muss“, weiß auch Viktoria Schwalm. Mit ihr trainierte übrigens auch Sara Holmgaard individuell. Vanessa Fischer verpasste das erste Training wegen ihres Studiums. Gänzlich fehlen bei der Vorbereitung im Ruppiner Land die Langzeitverletzten Karoline Smidt Nielsen, Lena Uebach und Lara Schmidt. Nach gut 90 Minuten pfeift Sofian Chahed die erste Übungseinheit in Lindow ab. Für die nächsten Tage verspricht er: „Es wird intensiv.“