08. Juli 2021 / 17:30 Uhr

„Nicht in unserer Hand“: Leipziger Tokio-Asse bedauern Olympia ohne Zuschauer

„Nicht in unserer Hand“: Leipziger Tokio-Asse bedauern Olympia ohne Zuschauer

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Zuschauerausschluss bei Olympia: Im Stadion von Tokio werden keine Zuschauer zugegen sein.
Zuschauerausschluss bei Olympia: Im Stadion von Tokio werden keine Zuschauer zugegen sein. © Getty Images
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Nun steht es fest: Die Olympischen Sommerspiele in Tokio werden in diesem Sommer ohne Zuschauer stattfinden. Was sagen die Leipziger Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer zur Entscheidung? Wir haben uns bei ihnen umgehört.

Leipzig. Kanuslalom-Weltmeisterin Andrea Herzog war gerade eingeschlafen und hatte bereits das Handy aus, als die Nachricht die Runde machte, dass Olympia ohne Zuschauer stattfindet. Die 21-Jährige hatte bis zum Schluss gehofft, dass wenigstens ihre Cousine live an der Strecke die Daumen drücken kann. Denn die wohnt in Japan und hätte bis zur Entscheidung am Donnerstag als Einheimische ein Ticket bekommen.

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„Sportler hätten es mehr als verdient, vor Publikum zu starten“

Ihr Trainer Felix Michel war noch wach und meinte: „Keine Zuschauer – das ist sehr schade für die ganzen Olympischen Spiele. Dies verändert jedoch nicht die Aufgabe, die wir gestellt bekommen, nämlich unsere beste Leistung in diesem Jahr abzurufen. Es klingt sehr abgedroschen, aber wir können uns nur auf uns konzentrieren und unser Bestes geben. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.“

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Bei den Paralympics wird Triathlet und Titelverteidiger Martin Schulz (SC DHfK) dabei sein. Zur Galerie
Bei den Paralympics wird Triathlet und Titelverteidiger Martin Schulz (SC DHfK) dabei sein. ©

Das Team steckt gerade voll in der Vorbereitung. „Wir versuchen, uns die Strecke zu erarbeiten und sehen jeden Tag die beeindruckenden leeren Tribünen, die für die Slalom Wettkämpfe aufgebaut wurde. Die Sportler hätten es mehr als verdient, vor Publikum zu starten.“ Die Trainer seien da weniger betroffen. „Jedoch spüren wir auch, wie vorsichtig die Japaner mit dem Thema Corona umgehen. Es ist weltweit eine schwierige Zeit und der Fußball mit seiner EM macht sicherlich nicht gerade die beste Zuschauerpolitik.“

„Stehe eh allein auf der Matte“

Auch DHfK-Bahnrad-Ass Felix Groß zieht den Vergleich zum Fußball: „Ich finde es sehr traurig, dass keine Einheimischen dabei sein dürfen. Bei der Uefa sind ja bis zu 50 .000, 60. 000 Zuschauer erlaubt, zum Finale dürfen sogar Italiener nach London reisen. Dort geht es, aber beim größten Sportevent der Welt ist es leider nicht erlaubt. Ich finde den krassen Unterschied zwischen Fußball und dem olympischen Sport nicht in Ordnung. Für mich macht es keinen großen Unterschied – ich bin leere Ränge vom Weltcup in Hongkong gewohnt.“

Bereits im japanischen Kinosaki trainiert Annekatrin Thiele. Die DHfK-Ruderin sagte kurz vor dem Schlafengehen: „Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend. Es ist trotzdem schade. Ich glaube, die Einheimischen hätten sich sehr gefreut.“ DHfK-Triathlet Martin Schulz ergänzt: „Ich finde es schade, aber absolut vernünftig. Was derzeit bei der Uefa los ist, halte ich für nicht vertretbar. Die mediale Übertragung von Olympia ist ja gewährleistet. Ich hoffe, dass sich alle Sportler an die Regeln halten. Wenn es einen Coronaausbruch gibt, würde der die Paralympics gefährden.“ 1500-m-Mann Robert Farken ergänzt: „Wir sind es dieses Jahr leider gewöhnt, ohne Zuschauer zu laufen. Mit Blick auf die Fußball-EM ist es aber schwer zu verstehen. Der Fokus liegt für uns eh auf der sportlichen Leistung.“

SSG-Schwimmer David Thomasberger sagte zum Zuschauer-Aus: „Ich muss es so hinnehmen, wir müssen das Beste draus machen und können es nicht ändern. Ich hoffe, dass die Sportler die große Schwimmhalle halbwegs füllen und ordentlich Stimmung und Rabatz machen.“ Judoka Marie Branser vom SC DHfK: „Zuschauer würden uns Sportler auf jeden Fall pushen und beflügeln. Aber im Judo sind wir Wettkämpfe ohne Zuschauer gewohnt. Ich stehe eh allein auf der Matte und versuche, alles rechts und links auszublenden.“