07. August 2020 / 11:36 Uhr

Nicky Adler beim Radefelder SV gelandet: "Keine 70 Tore in 34 Spielen"

Nicky Adler beim Radefelder SV gelandet: "Keine 70 Tore in 34 Spielen"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
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Nicky Adler fliegt im Trikot von Erzgebirge Aue nach Foul von Marcel Titsch-Rivero. Künftig trägt der Stürmer das RSV-Leibchen. © PICTURE POINT
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Im SPORTBUZZER-Interview spricht Nicky Adler über sein Comeback in der Fußball-Landesklasse, seinen körperlichen Zustand, Zweikampf- und Mannschaftsführung.

Radefeld. Man kann es Transferhammer nennen oder auch spektakuläre Reaktivierung: Ex-Profi Nicky Adler, 35, hat beim Radefelder SV unterschrieben und spielt künftig in der Fußball-Landesklasse Nord. Wem der Name nicht geläufig ist: Adler spielte im deutschen Oberhaus für den 1. FC Nürnberg sowie 200 Mal in der 2. Liga, unter anderem für Erzgebirge Aue, Sandhausen und Duisburg. Zuletzt stand er bei Lok Leipzig unter Vertrag und hatte seine Karriere im Mai eigentlich für beendet erklärt. Im Interview erklärt er seine Rückkehr, spricht über Sprints mit 35 und dämpft sogleich die Erwartungen.

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DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Nicky Adler

Oktober 2001: In der B-Junioren-Regionalliga kommt es zum Duell zwischen dem VfB Leipzig und dem 1. FC Magdeburg. Hier führt Nicky Adler den Ball. Zur Galerie
Oktober 2001: In der B-Junioren-Regionalliga kommt es zum Duell zwischen dem VfB Leipzig und dem 1. FC Magdeburg. Hier führt Nicky Adler den Ball. ©

Herr Adler, wie kam es zum Rücktritt vom Rücktritt?

Ich habe ja vor kurzem einen neuen Job angefangen und wollte mir ein bisschen Zeit geben, um zu entscheiden, ob ich meiner Leidenschaft Fußball weiter nachgehe. Die höherklassige Belastung hat nicht mehr funktioniert, die Landesklasse passt eher in mein aktuelles Leben. Zum neuen Verein habe ich außerdem familiäre Beziehungen und auch logistisch gesehen ist es der beste Standort für mich.

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Und für die 7. Liga sind Sie quasi so eine Art Superstar...

Naja, die ganz großen Erwartungen muss keiner haben. Ich werde auch nicht immer mitspielen und mittrainieren können. Das wird der ein oder andere sicher kritisch sehen. Aber wenn ich da bin, werde ich wie immer mein Bestes geben. 70 Tore in 34 Spielen sollte aber keiner erwarten.

Vielleicht auch, weil Sie gegen Ende Ihrer Profizeit große Verletzungsprobleme hatten?

Der Belastung des Profifußballs mit täglichem Training plus Spiel am Wochenende hat mein Körper nicht mehr standgehalten. Da hat sich der Verschleiß bemerkbar gemacht und außerdem braucht man im Alter einfach längere Regenerationszeit.

Wie ist denn inzwischen Ihr körperlicher Zustand?

Während meines dreiviertel Jahres als Co-Trainer bei Lok habe ich auch immer wieder selbst bei den Einheiten mitgemacht. Das hat super funktioniert, mit einem Tag Pause dazwischen. Ich bin in einem guten Zustand – und am Montag erst auf Arbeit 20 Kilometer gelaufen.

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Aber sicher nicht gesprintet...

Sprints muss man sich mit 35 sowieso einteilen. Ich werde auch kontrolliert spielen. In bestimmten Situationen, wo ich weiß, es könnte knallen, ziehe ich lieber zurück. Ich werde nicht mehr so ungestüm in die Zweikämpfe gehen wie früher.

Sie haben in Radefeld bereits mittrainiert. Wie sind Sie aufgenommen worden?

Sehr gut. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Alle waren freundlich und wir sind sofort ins Gespräch gekommen. Auch nach dem Training haben wir uns noch lange bei einem Radler unterhalten. Die Jungs sind mit dem Herzen und Spaß dabei. Das ist anders als mit Profis, wo immer der berufliche Gedanke dahinter steht.

Sehen Sie sich angesichts Ihrer Vita als Führungsspieler?


Natürlich werde ich einer der wenigen sein, die auf dem Platz Dinge korrigieren dürfen. Schon allein wegen meiner Erfahrung sehe ich mich als Ansprechpartner, jeder kann zu mir kommen. Aber ich komme hier auch nicht hin und mache einen auf Chef. Ich bin selber nur Spieler.

Morgen trifft Ihr Ex-Verein Lok Leipzig im Sachsenpokal-Halbfinale auf Eilenburg. Schielen Sie noch mit einem oder beiden Augen dahin?

Na klar. Mein Interesse für Lok ist da und wird immer da bleiben. Ich habe Almedin Civa (Lok-Trainer) sogar eine Liste mit gesperrten Spielern ins Büro gehängt, damit er niemand falsches einsetzt. Und ich hoffe natürlich, dass Leipzig ins Finale kommt.