06. Juli 2018 / 20:01 Uhr

Niclas Füllkrug im Interview: Bei "18 Millionen auf dem Tisch war ich selbst gespannt"

Niclas Füllkrug im Interview: Bei "18 Millionen auf dem Tisch war ich selbst gespannt"

Jonas Szemkus
 und Dirk Tietenberg 
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Niclas Füllkrug zieht im Trainingslager voll mit. In der neuen Saison will er nicht weniger Gas geben.
Niclas Füllkrug zieht im Trainingslager voll mit. In der neuen Saison will er nicht weniger Gas geben. © Florian Petrow
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Sein Verbleib bei Hannover 96 war eines der ganz großen Themen. Jetzt spricht Niclas Füllkrug im Trainingslager von Hannover 96 über seinen persönlichen Transfersommer und seine zukünftige Rolle für die Roten.

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96-Stürmer Niclas Füllkrug (25) schoss 14 Tore in der abgelaufenen Saison, das weckt Begehrlichkeiten: Gladbach bot in der Sommerpause 18 Millionen Euro für den Ricklinger Jungen. Der Flirt war heiß, Füllkrug offen für einen Wechsel – doch er bleibt in Hannover. Im Trainingslager stellt er sich dem großen Zukunftsinterview.

Das denken 96-Fans zum Verbleib von Niclas Füllkrug in Hannover

Fan-Meinung zum Füllkrug-Verbleib bei Hannover 96. Zur Galerie
Fan-Meinung zum Füllkrug-Verbleib bei Hannover 96. ©
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Wären Sie gerade lieber in Gladbach?

Jeder weiß, dass ich glücklich in Hannover bin. Aber natürlich will ich nicht abstreiten, dass ich mit Gladbach gesprochen habe. Es ein besonderer Verein. Die Verantwortlichen haben sich große Gedanken gemacht, welche Spieler sie verpflichten wollen, und sie wollten mich als Rekordtransfer. Da habe ich mir gedacht: Komm, ins Gespräch muss du mal gehen. Die Gespräche waren sehr angenehm, aber ich hatte auch gute Gespräche in Hannover. Dass es schwer gewesen wäre, aus Hannover wegzugehen, war klar für mich. Aber dazu kommt es nicht. Ich glaube auch, ich habe mich in jeder Situation korrekt verhalten, die 96-Verantwortlichen waren über alles informiert. Jetzt bin ich hier und möchte versuchen, was in die Hand zu nehmen. Ich bin glücklich, wie es gekommen ist, und ich bin glücklich, weil ich Gewissheit habe. Es war schon eine etwas belastende Zeit.

Wie lief Ihr Denkprozess nach dem Angebot?

Natürlich versucht man, sich alle Konstellationen einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Damit man einfach weiß, auf was man vorbereitet sein sollte. Als ich gehört habe, dass ein Verein 18 Millionen auf den Tisch legen will für mich, war ich selbst gespannt, wie das weitergeht. Am Ende hatten wir das Gespräch mit den Verantwortlichen in Hannover und haben entschieden, dass ich bleibe. Es ist auch eine große Wertschätzung von 96, mich bei so einem Angebot nicht ziehen zu lassen. Das heißt, sie sehen noch mehr Potenzial in mir.

Wie liefen die Gespräche genau mit Gladbachs Entscheidern, Manager Max Eberl und Trainer Dieter Hecking?

Gladbach hat sich enorm bemüht, die Gespräche waren sehr gut. Die beiden sind gute Typen und das hat mir alles imponiert. Und so ein Interesse gibt auch Selbstvertrauen. Gladbach war auch nicht der einzige Club, der angefragt hat. In England hätte ich viel mehr verdienen können. Aber wir haben eben aus guten Gründen zusammen in Hannover die Entscheidung getroffen, dass ich bleibe. Ich bin glücklich und gebe Vollgas.

Sie wären ja nicht der erste Leistungsträger gewesen, der geht ...

Ich hoffe natürlich auch, dass diese Entscheidung von uns jetzt vielleicht ein Zeichen ist – in Richtung der 96-Fans und vielleicht auch in Richtung möglicher Zugänge. Dass einige Leistungsträger den Verein verlassen haben, war für die Fans und die Außenstehenden sicherlich nicht einfach. Ich hoffe, dass mein Verbleib vielleicht ein doppelt gutes Zeichen sein kann.

Bilder vom dritten Tag des Trainingslagers von Hannover 96 in St. Peter-Ording (6.7.2018):

Die Spieler machen beim Intervall-Lauf auf dem Sand Tempo. Zur Galerie
Die Spieler machen beim Intervall-Lauf auf dem Sand Tempo. ©

Was gefällt Ihnen so gut an Ihrem Hannover?

Wertschätzung ist eine der Sachen, die ich so liebe in Hannover. Überall wo ich hingehe, werde ich toll behandelt, überall bin ich der Ricklinger Junge. Ich mag das in Hannover zu sein und so viele Leute zu kennen. Das ist echt sehr cool. Kurz bevor die Entscheidung für meine Zukunft gefallen ist, war ich zum Beispiel bei einer Veranstaltung auf dem Schützenfest. Da hat der Oberbürgermeister eine Rede gehalten und mich gebeten, in Hannover zu bleiben. Das sind Sachen, die imponieren mir sehr. Ich hoffe, dass das so bleibt mit der Wertschätzung. Und dass mir die Leute den Rücken genau so stärken, falls es mal nicht so läuft.

Sie und Ihre Familie sind verwurzelt in der Region. Was haben die zum Gladbach-Angebot gesagt?

Meine Familie und meine Frau versuchen immer, mich zu unterstützen. Meine Frau hat versucht, so wenig Einfluss wie möglich zu nehmen. Sie hat nur gesagt: Mach, was dich glücklich macht. Aber als ich gesagt habe, wir bleiben in Hannover, haben alle fast geweint vor Freude. Da ist eine Riesenlast abgefallen.

Der Wechsel zu Gladbach ist vom Tisch. Verlängern Sie jetzt in Hannover?

Ich bin offen für alle Gespräche. Jeder weiß, wie glücklich ich hier bin. 96 ist am Zug. Wenn etwas passendes auf dem Tisch liegt, wird sich das nicht lange ziehen. Den Vertrag muss 96 bauen – ich glaube, die kriegen das sehr gut hin. (lacht).

Wie schätzen Sie die aktuelle Qualität der Mannschaft ein?

Es heißt ja auch oft, dass wir noch Spieler brauchen. Aber wir würden auch jetzt schon eine starke Mannschaft auf den Platz kriegen. Wir haben sehr viele sehr gute Spieler. Außerdem haben wir viele gute Charaktere auf dem Platz. Vielleicht sogar einige mehr als andere Mannschaften. Ich finde, es gibt gar keinen Grund, nervös zu werden. Wenn noch mehr Qualität dazu kommt, super.

Niclas Füllkrug - seine Stationen in Bildern

Niclas Füllkrug im Jahr 2010, damals spielte er bereits in der Jugend von ... Zur Galerie
Niclas Füllkrug im Jahr 2010, damals spielte er bereits in der Jugend von ... © Imago

Wollen Sie mehr Führungsspieler werden?

Ich bin einer der Alteingesessenen, kenne das System vom Trainer, meine Laufwege. Das gibt mir schon eine große Sicherheit, das ist immer gut. Da musst du natürlich auf dem Platz vorangehen. Für mich hat das nicht immer mit Wörtern oder Reden zu tun. Es ist wichtig, die Mitspieler auch zwischenmenschlich mal mitzunehmen, da versuche ich meinen Teil beizutragen. Man merkt das schon wieder: Wir sind eine tolle Mannschaft, auch die Neuen sind bereits integriert. Ansonsten wird sich zeigen, ob ich mehr Verantwortung übernehmen kann und werde. Aber ich bin nicht der Typ, der die Mannschaft auf dem Platz dirigieren sollte.

Und sonst auf dem Platz: 14 Tore wollen sie schon noch einmal wieder schießen, oder?

Die 14 Tore hat auch vergangene Saison keiner von mir erwartet. Aber ich bin da schon selbstbewusst. Eine Torvorgabe mache ich mir aber nicht. Das einzige Ziel, das ich mir persönlich setze: einen guten Saisonstart, mit der Mannschaft und mit mir. Das ist schon noch eine meiner Schwächen: Ich habe noch nie die Saison mal direkt mit Toren angefangen und damit würde ich schon gern mal früher starten. (lacht) Und mit der Mannschaft will ich einfach weg bleiben vom Abstiegskampf.

Horst Heldt hat vor kurzem gesagt, dass fürs Nationalteam kein Weg an Ihnen vorbeiführt. Ist das auch ein Ziel?

Das habe ich gelesen ... hat er mir vorher aber auch selber schon mal gesagt. (lacht) Ich finde, das Thema ist schwer zu besprechen. Die WM ist leider nicht gut für uns gelaufen, und natürlich versuche ich immer, meine Leistung zu bringen. Ich gebe sowieso immer alles. Du brauchst eine gewisse Torquote, um dort irgendwann mal sein zu dürfen. Das wäre das Größte, was es für mich gibt. Da gibt's keine Champions League, kein Gar-Nichts, was da mithalten kann. Deshalb bin ich da ganz demütig. Ich würde niemals einen Platz in der Nationalmannschaft fordern. Klar wird es ein paar Veränderungen geben beim DFB – das haben die Verantwortlichen dort ja auch selbst gesagt. Da muss man schauen, ob da eine kleine Tür aufgeht.

Gab's denn schon mal einen Kontakt zu Jogi Löw?

Nein, bisher noch gar nicht.

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