23. März 2018 / 06:00 Uhr

Nico Hülkenberg vor dem Formel-1-Start: "Ich bin ready to rumble!"

Nico Hülkenberg vor dem Formel-1-Start: "Ich bin ready to rumble!"

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nico Hülkenberg geht voll fokussiert in die Formel-1-Saison.
Nico Hülkenberg geht voll fokussiert in die Formel-1-Saison. © Getty
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Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg spricht im SPORTBUZZER-Interview über seine Ziele für die am Sonntag beginnende Saison und seinen Umgang mit dem Leistungsdruck. Zudem erklärt er, warum er die Grid Girls vermissen wird und an welcher TV-Show er gern teilnehmen würde.

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SPORTBUZZER: Herr Hülkenberg, Fußball-Weltmeister Per Mertesacker hat eine Debatte über Leistungsdruck im Sport entfacht. Er sagt, er habe vor jedem Spiel Brechreiz und sei froh, wenn seine Karriere vorbei ist. Können Sie das nachvollziehen?

Nico Hülkenberg (30): Ich liebe meinen Job und das zu tun, was ich am besten kann: Rennfahren. Mit Brechreiz habe ich glücklicherweise nicht zu kämpfen. Egal wie oft ich bereits in ein Formel-1-Auto gestiegen bin, es gibt mir immer noch einen besonderen Kick. Es ist unheimlich intensiv und herausfordernd, permanent ans Limit zu gehen. Ich bin unheimlich dankbar, diesen Weg bestreiten zu dürfen.

Erleben Sie so einen Druck auch in der Formel 1?

Der Vergleich zwischen dem Druck eines Nationalspielers im Fußball und meiner Person in der Formel 1 ist nur bedingt möglich. Fußball ist in Deutschland die unangefochtene Nummer eins. Dementsprechend groß ist die Erwartungshaltung einer ganzen Nation, etwa bei großen Turnieren wie der WM oder EM. Sportmedien berichten nahezu ganzjährig über die Leistungen einzelner Spieler und auch durch die sozialen Medien werden Diskussionen fortlaufend befeuert. Ich kann nachvollziehen, dass einige Spieler diese Kritik nicht kalt lässt. Als Formel-1-Fahrer bin ich ganzjährig unterwegs und nehme im Vergleich zu Nationalspielern die heimische Presse viel seltener wahr.

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Weltmeister Jenson Button beschreibt in seinem Buch, wie wichtig es im Motorsport ist, Rennen und Titel zu gewinnen. Sie haben 135 Grand Prix absolviert, gelten als einer der talentiertesten Fahrer. Wurmt es sie nicht, dass Sie bisher nie um Siege fahren konnten?

Na klar wurmt mich das, aber in meinem Sport bin ich eben sehr von meinem Arbeitsgerät abhängig. Ein paar Mal hatte ich die Chance, aufs Podium zu fahren, aber stets kamen unglückliche Umstände dazwischen. Meistens Dinge, die ich nicht beeinflussen konnte. Aber hey, auch das muss man erst einmal schaffen: 135 Rennen ohne Performance – und immer noch in der Formel 1. (lacht)

Bevor wir auf Renault zu sprechen kommen, reden wir über die Deutschen. 2018 fahren mit Sebastian Vettel und Ihnen nur noch zwei Deutsche in der Formel 1 - so wenige wie seit 1996 nicht. Ist die Formel 1 in Deutschland ein Auslaufmodell?

Ich denke nicht, dass sich nur anhand dieser Tatsache ein Auslaufmodell erkennen ließe. Heutzutage entscheidet nicht allein das Talent darüber, wer ein Cockpit in der Formel 1 erhält. Besonders in den kleineren Teams werden Fahrer eingesetzt, die ein gewisses Grundbudget durch Investoren mitbringen. Und über unseren Nachwuchs mache ich mir ehrlich gesagt wenig Sorgen.

Die beiden letzten Deutschen: Nico Hülkenberg und Sebastian Vettel.
Die beiden letzten Deutschen: Nico Hülkenberg und Sebastian Vettel. © Getty

Ist die Formel 1 durch die Mercedes-Dominanz langweilig geworden?

Mal ganz ehrlich: Zu Beginn des Jahrtausends hat Michael Schumacher im Ferrari den Rennzirkus nach Belieben dominiert und hierzulande gab es riesige Euphorie. Nur wenige haben sich über Langeweile beschwert. Mercedes leistet einfach hervorragende Arbeit. Wir sollten die ersten Rennen abwarten und nicht voreilig urteilen.

Ab 2018 gibt es keine Grid Girls mehr, die Formel 1 scheint unter dem neuen Besitzer Liberty Media seriöser zu werden. Wie finden Sie diese Entwicklung?

Die Grid-Girl-Entscheidung kann ich nicht nachvollziehen, weil es für mich ein Rückschritt in Sachen Showbusiness ist. Ein paar heiße Mädels vor den Autos auf dem Grid, das ist doch für die ganze Szene förderlich. Aber nicht falsch verstehen: Liberty Media macht an vielen Stellen einen guten Job, zum Beispiel bei der Entwicklung von verschiedenen Marketinginitiativen, die den Sport als Marke wachsen lassen und die Verbindung zu den Fans intensivieren. Das ist vor allem für Renault sehr bedeutend.

Das sind die Formel-1-Teams 2018

<b>Mercedes AMG Petronas Motorsport
</b> - Platzierung 2017: 1. <b>Motor: </b>Mercedes M09 EQ Power+ <b>Trivia:</b> Die „Silberpfeile“ sind zuletzt vier Jahren in Folge Weltmeister geworden. Zur Galerie
Mercedes AMG Petronas Motorsport - Platzierung 2017: 1. Motor: Mercedes M09 EQ Power+ Trivia: Die „Silberpfeile“ sind zuletzt vier Jahren in Folge Weltmeister geworden. ©

Kommen wir zu Renault. Können wir uns in 2018, dem dritten Jahr des Teams, darauf einstellen, sie häufiger auf dem Podium zu sehen?

In 2017 haben wir ein gutes Fundament gelegt, wir sind gemeinsam Schritt für Schritt vorangekommen. 2018 haben wir natürlich etwas andere Ansprüche. Renault investiert weiterhin kräftig und wir können hoffentlich punktuell die Großen ärgern.

Renault-Berater Alain Prost traut dem Team noch keine Siege zu, erwartet aber messbare Verbesserungen. Was haben Sie sich für 2018 als Ziel gesetzt – den ersten Sieg?

Wir wollen in diesem Jahr auf der guten Position, die wir uns im letzten Jahr erarbeitet haben, aufbauen. Ich bin ready to rumble. Ich habe ein gutes Gefühl und bin zuversichtlich.

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Was haben Sie sich für 2018 mit Renault als Ziel gesetzt – den ersten Sieg?

Wir wollen in diesem Jahr auf der guten Position, die wir uns im letzten Jahr erarbeitet haben, aufbauen. Ich bin ready to rumble.

Sie haben vor einer „Sterilisation des Sports [...] durch Regeln und Sicherheitsvorkehrungen“ gewarnt. Ist mehr Sicherheit nicht wünschenswert?

Natürlich kann ich nicht abstreiten, dass ich schnelle Autos, ihren Sound und das pure Racing liebe. Vielleicht bin ich in der falschen Zeit geboren (lacht). Aber natürlich ist die Sicherheit ein sehr wichtiges Thema in der Formel 1. Es entscheiden die richtigen Leute darüber, welche Neuerungen es gibt. Ich habe vollstes Vertrauen in sie.

Wie liefen die Tests in Barcelona? Ihr Technikchef Bob Bell sprach von Problemen mit dem Temperaturmanagement.

In der letzten Saison war unser Auto zwar schnell, aber nicht beständig. Wir sind zu oft ausgefallen. Doch wir sind überzeugt, dass wir uns zu Beginn unseres dritten Werksteam-Jahres in diesen Bereichen verbessern konnten. In diesem Jahr haben wir ein neues Auto, das nicht nur aerodynamisch viele Neuerungen aufweist, sondern auch unter der Haube viel Innovatives birgt, das nicht gleich auf Anhieb ersichtlich ist. Das Gesamtpaket wird im Verlauf des Jahres noch weiterentwickelt und verbessert.

Formel 1: Alle Strecken der Saison 2018

Australien GP: In Melbourne wird über 58 Runden eine Gesamtdistanz von 307,574 Kilometern gefahren. Eine Runde ist 5,303 Kilometer lang. Beim Saison-Auftaktrennen (25. März) kommt es im Albert Park (Stop and Go-Kurs) ob der engen Streckenführung häufig zu Kollisionen. Im vergangenen Jahr triumphierte Sebastian Vettel. Das Qualifying beginnt am 24. März um 07:00 deutscher Zeit, das Rennen startet am 25. März um 07:10. Zur Galerie
Australien GP: In Melbourne wird über 58 Runden eine Gesamtdistanz von 307,574 Kilometern gefahren. Eine Runde ist 5,303 Kilometer lang. Beim Saison-Auftaktrennen (25. März) kommt es im Albert Park ("Stop and Go"-Kurs) ob der engen Streckenführung häufig zu Kollisionen. Im vergangenen Jahr triumphierte Sebastian Vettel. Das Qualifying beginnt am 24. März um 07:00 deutscher Zeit, das Rennen startet am 25. März um 07:10. ©

In der Formel 1 wird mit irren Beträgen jongliert. Wie kann der Junge aus Emmerich am Niederrhein, der einst eine Ausbildung zum Speditionskaufmann absolvierte, diese Zahlen greifen?

Ganz einfach: bodenständig bleiben! Auch wenn das schwer zu verkaufen ist, wenn man seinen Wohnsitz in Monaco hat (lacht). Aber ich bin schon ziemlich deutsch gestrickt und das werde ich auch nicht ablegen: diszipliniert, pünktlich, ordentlich, zuverlässig. Meine Ausbildung hat mir vieles mit auf den Weg gegeben. Ich bin eben ein "Hands On"-Typ.

50 ehemalige Formel-1-Fahrer und was aus ihnen wurde

Jenson Button, Nico Rosberg, Marc Gene, Jarno Trulli: Wir zeigen 50 ehemalige Formel-1-Fahrer und was aus ihnen wurde. Zur Galerie
Jenson Button, Nico Rosberg, Marc Gene, Jarno Trulli: Wir zeigen 50 ehemalige Formel-1-Fahrer und was aus ihnen wurde. ©

Wie dürfen wir uns den Privatmenschen Nico Hülkenberg vorstellen? Was machen Sie, wenn Sie nicht um eine Rennstrecke düsen?

Auch abseits der Rennstrecke gibt es viele Dinge, die man genießen kann. Ich spiele gerne Tennis, interessiere mich für Mode und gehe gerne zu Lifestyle-Events. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich sehr viel reise und an tollen Orten dieser Welt bin. Ich mag es, mich mit Menschen auszutauschen und neue Kulturen kennenzulernen. Fun und Action spielen dabei immer eine Rolle. Am liebsten würde ich mal bei der Sendung Ninja Warrior teilnehmen – ich glaube, das wäre genau das Richtige für mich (lacht).