30. November 2021 / 08:00 Uhr

Nico Rosberg über den WM-Kampf in der Formel 1, die Extreme-E-Serie und den Umweltschutz im Motorsport

Nico Rosberg über den WM-Kampf in der Formel 1, die Extreme-E-Serie und den Umweltschutz im Motorsport

Bianca Garloff
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nico Rosberg wurde 2016 Formel-1-Weltmeister.
Nico Rosberg wurde 2016 Formel-1-Weltmeister. © IMAGO/Motorsport Images (Montage)
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Nico Rosberg hat jüngst ein eigenes Team in der SUV-Rennserie Extreme E gegründet. Nun möchte er nach seiner erfolgreichen Formel-1-Karriere auch dort Erfolge feiern. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die neue Rennserie, Umweltschutz im Motorsport und den spannenden WM-Kampf in der Formel 1.

Nico Rosberg ist der letzte Fahrer, der Lewis Hamilton in der Formel-1-WM schlagen konnte. Jetzt tritt er als Teamchef in der Ex­treme E, einer Rennserie für elektrische Offroad-Fahrzeuge, gegen den Briten, der ebenfalls ein Team gegründet hat, an.

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SPORTBUZZER: Nico Rosberg, Sie sind Formel-1-Weltmeister, vielleicht bald Extreme-E-Champion. Wie ist es als Teamchef?

Nico Rosberg (36): Gut! Die andere Seite zu erleben ist toll. Mit am spannendsten ist es, mit den Fahrern umzugehen. Das kann ich, weil ich selbst mal Fahrer war. Man kann einem Rennfahrer nicht sagen, was er machen soll, das funktioniert einfach nicht (lacht).

Ist das Konzept der Extreme E bisher aufgegangen?

Wir haben sehr spannende Rennen erlebt. Das muss die Basis sein. Dazu kommt das Thema Umwelt, auf das sich auch der Motorsport konzen­trieren muss. Auf Sardinien haben wir Familien besucht, die stark unter dem größten Waldbrand in der Geschichte der Insel gelitten haben. Eine Familie beispielsweise hat alles verloren. Da gibt es keine Pflanze, kein Tier mehr – die komplette Lebensgrundlage, einfach weg. Da versuchen wir zu unterstützen. Und das mit Rennsport kombinieren zu können, ist einfach schön.

Sind Motorsport und Umweltschutz nicht eigentlich ein Widerspruch?


Hier nicht. Wir machen auf die Pro­bleme unseres Planeten aufmerksam, helfen vor Ort und fahren emissionsfrei Rennen. Die Energie für die Elektromotoren der SUV wird mit Wasserstoffgeneratoren vor Ort erzeugt. Die Logistik ist reduziert, weil wir mit einem Schiff reisen. Und: Mit Serien wie der Extreme E zeigen wir, wie cool Elektromobilität ist. Für eine nachhaltige Zukunft geht es nicht darum, Technologie abzuschaffen, sondern sie mit neuer Technologie zu verbessern. Dabei hilft auch der Motorsport.

Sebastian Vettel hat sich für ein Tempolimit ausgesprochen. Wie sehen Sie das?

Tendenziell versuche ich eher, Verbote zu vermeiden und die Themen über Innovationen anzugehen. Statt eines generellen Tempolimits könnte man versuchen, das Ganze über digitale Verkehrsführung zu managen. Wenn die Autobahn voll ist, wäre ein Tempolimit sinnvoll. Ist die Fahrbahn leer, spricht nichts gegen freie Fahrt, insbesondere wenn man elektrisch unterwegs ist. Mit solchen Kompromissen können sich die Menschen besser anfreunden – und es hilft auch!

Wen sehen Sie im WM-Duell der Formel 1 vorne?

Das ist eine sensationell enge Kiste! Gefühlsmäßig sage ich Lewis. Für ihn spricht seine Erfahrung. Aber die WM ist total offen.

Sie haben Hamilton 2016 aufgrund extremer mentaler Stärke geschlagen. Kann das auch Verstappens Erfolgsrezept werden?

Max macht das wirklich superstark. Das Mentale ist in so einem Duell essenziell. Für Max ist das sicher nicht einfach, denn er ist das erste Mal in so einer Situation. Und dann auch noch gegen den erfolgreichsten Formel-1-Fahrer aller Zeiten. Insofern hat er schon jetzt größte Anerkennung verdient.

"Man muss ausnutzen, wenn Lewis seine Schächephasen hat"

Sie wissen es aus eigener Erfahrung: Wie kann man Hamilton schlagen?

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Man muss ausnutzen, wenn Lewis seine Schwächephasen hat, in denen er ein wenig die Motivation, den Kopf verliert. Dann heißt es: volle Attacke! Soll heißen: Man muss dann die maximal mögliche Punktzahl holen, denn Lewis darf man nie abschreiben. Der kommt immer wieder zurück.

Wie oft denken Sie an das Jahr 2016 zurück – und wie hart Ihr Meisterjahr gegen Hamilton war?

Sehr oft! Jedes Mal wenn ich Lewis gewinnen sehe, wird es klarer, warum es für mich nicht ganz so einfach war, ihn zu schlagen.