06. März 2021 / 18:35 Uhr

Niederlage, Sperren und Wolfsburger Zoff mit dem TV-Mann: "Waren alle emotionalisiert"

Niederlage, Sperren und Wolfsburger Zoff mit dem TV-Mann: "Waren alle emotionalisiert"

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Frust: Der VfL verlor trotz Tor von Weghorst (l.), Lacroix (r.) gehört zu den Wolfsburgern, die jetzt gesperrt sind.
Frust: Der VfL verlor trotz Tor von Weghorst (l.), Lacroix (r.) gehört zu den Wolfsburgern, die jetzt gesperrt sind. © imago images/Jan Huebner
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Da hat der VfL Wolfsburg jetzt eine Menge zu verarbeiten. Im Spiel bei 1899 Hoffenheim gab es die erst dritte Niederlage dieser Bundesliga-Saison - und für die kommende Partie gegen Schalke fallen gleich drei (!) Spieler mit Sperren aus.

Die Zu-null-Serie ist gerissen, die mehr als zwei Monate andauernde Serie ohne Bundesliga-Niederlage auch - entsprechend groß war der Frust beim VfL Wolfsburg nach dem 1:2 am Samstag bei 1899 Hoffenheim. Die Kraichgauer sind nach den Clasico-Gegnern Bayern und Dortmund (Duell hier im Liveticker) erst das dritte Liga-Team, das gegen die Niedersachsen gewann. Besonders bedient war Wolfsburger einziger Torschütze Wout Weghorst. "Ist das dein Ernst?", raunzte der Niederländer Sky-Reporter Martin Groß an, der nach Abpfiff von einer "Delle" sprach, weil der VfL unter der Woche auch das Pokalspiel in Leipzig verloren hatte. Weghorst zornig: "Vorher haben wir wie lange nicht verloren? Wenn du so anfängst zu reden, bist du von der ersten Minute an ganz negativ eingestellt. Dann höre ich auf." Und der Zoff ging weiter: "Es ist unsere erste Bundesliga-Niederlage nach zwei Monaten. Da musst du dich erst mal besser einlesen und deine Frage dann anders formulieren..."

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Der Frust ist verständlich, schließlich hat der VfL nicht nur Punkte liegen gelassen, sondern muss am kommenden Samstag auch noch drei Spieler ersetzen. Erst sah Maxence Lacroix nach einem Foul an Ihlas Bebou sein fünftes Gelb der Saison, dann traf es Xaver Schlager - der ebenfalls Bebou zu Fall gebracht hatte. Im Anschluss an Schlagers Verwarnung in der 72. Minute entwickelte sich ein Wortgefecht zwischen Schiedrichter Markus Schmidt und der Wolfsburger Bank, in dessen Folge Trainer Oliver Glasner Gelb sah - und Sportdirektor Marcel Schäfer sogar Gelb-Rot. "Ich habe meine Coaching-Zone verlassen und wollte dem Schiedsrichter zeigen, dass Bebou weggerutscht ist", erklärte der Österreicher. "Wir waren alle emotionalisiert, daher gab es noch zweimal Gelb für Marcel. Das akzeptieren wir so. Es war nichts Beleidigendes dabei, aber vielleicht war unser Tonfall zu aggressiv."

In der Nachspielzeit gab es dann noch Rot - gegen Paulo Otavio (der zuvor auch sein fünftes Gelb gesehen hatte) nach überflüssiger Notbremse gegen Munas Dabbur. Der Linksverteidiger des VfL muss - weil es ein brutales Foul von hinten war - nun mit mehr als den bei Notbremsen üblichen zwei Spielen Sperre rechnen.

Der VfL Wolfsburg bei 1899 Hoffenheim - Die Bilder

Das VfL-Team vorm Spiel. Zur Galerie
Das VfL-Team vorm Spiel. ©

Trainer Oliver Glasner wird gegen Schalke wohl auf Marin Pongracic (für Lacroix) und Josuha Guilavogui (für Schlager) zurückgreifen; ob Jerome Roussillon nach Wadenproblemen wieder fit wird, ist offen. "Er kann noch nicht trainieren. Da müssen wir abwarten, wie es sich die Woche über entwickelt." Zu allem Überfluss ist auch noch Renato Steffen angeschlagen, musste wegen Problemen mit dem Sprunggelenk ausgewechselt werden. Glasner: "Wir schwer es ist, müssen wir noch abklären."

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Zum überflüssigen Otavio-Platzverweis meinte der VfL-Trainer: "Es war eine klare Rote Karte, aber ich will mit Paulo nicht zu hart ins Gericht gehen. Er ist 60 bis 70 Mal die Linie hoch und runter gelaufen." Weil das Tor leer war (Koen Casteels war bei der letzten Ecke des Spiels mit vorn), habe der Brasilianer "retten wollen, was nicht mehr zu retten war. Es ist gut, dass sich Dabbur nicht verletzt hat. Ich hoffe, dass die Sperre nicht allzu lang ausfällt."

Zuvor war bereits Wolfsburgs Zu-null-Serie auch in der Fußball-Bundesliga gerissen: Nachdem der VfL Wolfsburg beim Pokal-Aus in Leipzig schon zwei Gegentore kassiert hatte, musste Torhüter Koen Casteels auch am Samstag bei 1899 Hoffenheim hinter sich greifen. Nach 673 unbezwungenen Minuten sorgte Christoph Baumgartner (zimmerte den Ball unter die Latte) nach Zuspiel von Pavel Kaderabek mit seinem Treffer in der 8. Spielminute dafür, dass der Belgier mit seiner Jagd auf Uralt-Rekordhalter Timo Hildebrand neu anfangen muss. Casteels nahm es sportlich. "Das ist mir egal", sagte der Belgier. "Wenn man so eine Serie hat, will man sie natürlich fortsetzen. Aber nicht wegen der Serie, sondern die Chance ist größer zu gewinnen, wenn die Null steht." Es sei klar gewesen, "dass wir irgendwann mal wieder ein Gegentor bekommen werden". Jetzt waren es gleich zwei in einem Spiel. Glasner sagte zum Ende der Serie: "Diesmal war Koen chancenlos, sonst hätte er den Ball vielleicht auch noch rausgefischt."

Und so nahm die zweite VfL-Niederlage innerhalb von vier Tagen ihren Lauf. "Ich bin generell ein ganz schlechter Verlierer", so Glasner, daher sei er in den Wochen zuvor "ziemlich verwöhnt" worden. Nun "sind wir alle enttäuscht", denn: "Wir haben das Spiel aufgrund unserer ersten Halbzeit verloren. Da haben wir defensiv nicht die Konsequenz an den Tag gelegt, wie wir es über Wochen und Monaten gezeigt haben. Wir waren in der einen oder anderen Situation etwas zu sorglos und zu langsam. Das hat Hoffenheim knallhart ausgenutzt." Danach habe es bei seinem Team "nach vorn immer wieder gut ausgesehen. In der zweiten Halbzeit haben sich die Jungs mit aller Kraft gegen die Niederlage gestemmt."

<b>Koen Casteels</b>: Bei den Gegentoren machtlos, ansonsten gewohnt sicher, aber nicht stark beschäftigt. - Note 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Bei den Gegentoren machtlos, ansonsten gewohnt sicher, aber nicht stark beschäftigt. - Note 3 ©

Immerhin: Casteels' Kollege Weghorst stellte eine neue Bestmarke auf. Der Torjäger hat nicht nur seine Mini-Flaute beendet, sondern ist nun der erste Wolfsburger in der Bundesliga-Geschichte, der in drei aufeinander folgenden Spielzeiten 15 oder mehr Tore erzielte - das hatten nicht einmal Edin Dzeko oder Grafite geschafft. Getröstet hat's ihn nicht. "Wir hatten noch Super-Möglichkeiten, beispielsweise meinen Kopfball. Der muss besser kommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es gut gemacht, die Restverteidigung war gut, fast jeder zweite Ball war bei uns." Dass es dennoch nicht für wenigstens einen Punkt reichte, ist "sehr enttäuschend, es war absolut unnötig".

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