21. Februar 2021 / 15:34 Uhr

Niederlage trotz langer Überzahl: Hannover 96 lässt sich von Düsseldorf auskontern

Niederlage trotz langer Überzahl: Hannover 96 lässt sich von Düsseldorf auskontern

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Düsseldorfer jubeln nach einem Treffer gegen Hannover 96.
Die Düsseldorfer jubeln nach einem Treffer gegen Hannover 96. © Roland Weihrauch/dpa
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Hannover 96 verliert trotz 45-minütiger Überzahl mit 2:3 (1:1) bei Fortuna Düsseldorf. Die Roten konnten den Vorteil der Überzahl nur selten nutzen – ließen sich dafür aber zweimal auskontern. Die Tore für 96 erzielten Florent Muslija und der eingewechselte Mick Gudra mit seinem ersten Ballkontakt.

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So hart ging Kenan Kocak nach einer Niederlage selten mit seiner Mannschaft ins Gericht. „Eine Katastrophale Boxverteidigung“ bescheinigte er seinen Spielern. Und: „Die Pressverteidigung war nicht zweitligawürdig.“ Nach dem 2:3 herrscht Gewissheit bei den 96-Spielern, dass sie noch länger in der 2. Liga bleiben müssen. Die Köpfe hingen tief bei den Spielern, die in Überzahl verdient verloren. „Dusselig“ habe 96 verteidigt, schimpfte der Sky-Reporter. Eine Dussel-Pleite in Düsseldorf bei einem Klassentreffen unter dem Motto „Pleiten, Pech und Pannen“. 

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Valmir Sulejmani bekam das Trikot des Ex-Kollegen Andre Hoffmann geschenkt. Es gab Trost von Edgar Prib, Matchwinner Felix Klaus und Kenan Karaman – alles alte Hannover-Kumpel, die 96 in der Merkur Spiel-Arena gut hätte gebrauchen können.

Die Bilder zum Auswärtsspiel von Hannover 96 bei Fortuna Düsseldorf:

Der Düsseldorfer Rouwen Hennings (2.v.l) erzielt per Elfmeter das 1:0. Zur Galerie
Der Düsseldorfer Rouwen Hennings (2.v.l) erzielt per Elfmeter das 1:0. ©

Am Ende verlor 96 alles, das Spiel, die Aufstiegschancen und Timo Hübers. Der Verteidiger verletzte sich so schwer am Oberschenkel, dass er raus musste. Die letzten sechs Minuten wurde es also nichts mit der Aufholjagd beim Stand von 2:3. Aus Überzahl nach dem Platzverweis wurde wieder Gleichzahl. Das machte eigentlich auch keinen Unterschied.

Sowohl 96 als Fortuna schien es zu verwirren, so viele Ex-Kollegen auf dem Platz zu wissen. Kingsley Schindler rannte Ex-96er Felix Klaus im Strafraum von den Beinen. „Unnötiger Elfer“, schimpfte Kocak. Rouwen Hennings schob ihn flach rechts rein – 96-Torwart Michael Esser war nah dran (28. Minute).


Kastenmeier schenkt 96 den Ausgleich

In der anderen Kiste gab dann Florian Kastenmeier den Ton an mit seinem irren Pass in die Füße von Florent Muslija. 96-Trainer Kenan Kocak hatte kurz zuvor vom 4-3-3 auf ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute umgestellt. Muslija stand deshalb genau im reintelefonierten Passweg von Kastenmeier. Trainingsweltmeister Muslija trat zum Tanzsolo an. Ein Düsseldorfer, zwei Düsseldorfer, flach vorbei an Kastenmeier – 1,2,3 und 1:1 (37.).

Bei 18 Grad plus, 26 Grad mehr als vor einer Woche gegen Paderborn, zeigte der Fortune Florian Hartherz sein Kämpferherz. Erst säbelte er Sei Muroya die Beine weg, dann stoppte er den weggeeilten Schindler mit einem Foul – Felix Zwayer schickte Hartherz zurecht mit einer gelb-roten Karte vom Platz (45.). Es hätte auch die glatte Rote sein dürfen – denn Schindler war durch.

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In dem Szenendurcheinander ging beinahe unter, dass 96 ohne Stammstürmer unterwegs war. 96 kombinierte sich zaghaft durchs Mittelfeld – vorne fehlte aber die Gefahr, die sonst Marvin Ducksch entfacht. Der Torjäger saß mit einer Muskelfaserriss-Diagnose zunächst auf der Bank.

Dann fing sich die Fortuna in Unterzahl zwei Dinger in einer Minute. Erst köpfte Schindler ins Netz, kurz danach Valmir Sulejmani. Beide Tore pfiff Zwayer wegen Abseits aber weg. Kocak hätte sich auch hier mehr Cleverness gewünscht: „Wir rennen zweimal ins Abseits, wir machen es zu kompliziert.“ Pech für 96. Das 1:2 durch Felix Klaus (52.) entsprang einer plötzlichen Totalpanne der Defensive, so als sei sie in Unterzahl und nicht die Fortuna. Zwei Seitenwechsel genügten, Muslija ließ Klaus entwischen und der frühere 96-Profi traf zum 2:1.

Gudra trifft mit dem ersten Ballkontakt

Ex-Dachdecker Moussa Doumbouya und Ducksch stürmten nun gemeinsam. Aber den Unterschied machte der eingewechselte Shinta Appelkamp mit dem 3:1. Mit drei gegen zwei rannten die Düsseldorfer in der Szene an – eine unfassbare Situation in Überzahl eine Viertelstunde vor Schluss.

Mick Gudra brachte 96 mit seinem ersten Ballkontakt (79.) noch einmal auf 2:3 ran. Aber die Szene von „Quick Nick“ nach Vorlage von Doumbouya kam zu spät. Nun kann 96 die Saison vernünftig abhaken und sich ganz schnell um die nächste Saison kümmern – dazu gehört der Vertrag und der Oberschenkelmuskel von Timo Hübers.