11. Oktober 2019 / 18:00 Uhr

Kommentar zum Aus des Nike Oregon Projekt: Ein Schlag für Klosterhalfen - aber der richtige Schritt

Kommentar zum Aus des Nike Oregon Projekt: Ein Schlag für Klosterhalfen - aber der richtige Schritt

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Konstanze Klosterhalfen wird auf dem Weg zu Olympia vom Aus des Nike Oregon Projekt hart getroffen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.
Konstanze Klosterhalfen wird auf dem Weg zu Olympia vom Aus des Nike Oregon Projekt hart getroffen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring. © Getty Images
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Das Aus des Nike Oregon Projekt ist ein Schlag für die Olympia-Vorbereitung von Konstanze Klosterhalfen. Dennoch ist es der einzig richtige Schritt des Sponsors, dem aber noch mehr folgen müssen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.

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Der Sponsor hat das Nike Oregon Projekt (NOP) eingestelltund einen anderen Schritt hätte es von Seiten des Sponsors nicht geben dürfen. Schließlich wurde der Gründer und Leiter, Alberto Salazar, von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur für vier Jahre gesperrt. Auch wenn bei Athleten des NOP nie Doping nachgewiesen wurde – das Projekt des US-Sportartikelherstellers Nike genoss seit Bekanntwerden der Anschuldigungen vor einigen Jahren einen umstrittenen Ruf, erst recht nach der Sperre Salazars in der vergangenen Woche. Das nahm auch der Sponsor wahr: Für die Athleten sei es zur „unfairen Belastung“ gekommen. Darunter musste während der Leichtathletik-WM in Doha auch die deutsche Laufhoffnung Konstanze Klosterhalfen leiden.

Den Schatten, der über dem NOP lag, hätte sie hingenommen. Zu groß und zu wichtig war der Entwicklungsschritt in den USA. Den jetzigen Schritt von Nike, auch persönlicher Sponsor von Klosterhalfen, könne sie aber „komplett nachvollziehen“. Vor allem, „um die aktuellen Athleten und deren Leistungen zu schützen, denn deren und meine sportliche Leistung ist seit der letzten Woche leider aufgrund der Umstände in den Hintergrund geraten“, wie Klosterhalfen sagte.

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Klosterhalfen hatte mit Verdächtigungen zu kämpfen

Immer wieder wurde die 22-jährige Athletin rund um ihren Bronze-Lauf von Doha über die 5000 Meter mit den Doping-Anschuldigungen gegen Salazar und ihr Team konfrontiert. Immer wieder gab sie geduldig die Auskunft, dass ihr Trainer aber Pete Julian sei – und eben nicht Salazar. Dennoch war die Leverkusenerin mit Zweifeln konfrontiert, auch sie wurde plötzlich mit Doping in Verbindung gebracht. Dabei ist die Leistungsentwicklung von Klosterhalfen in den vergangenen Jahren deutlich nachzuvollziehen. Beim NOP machte sie dann den nächsten großen Schritt: ihr wurde eingebläut, taktisch zu laufen – und sie gewinnt auf einmal Medaillen.

Dass das Projekt und damit verbunden ihre Trainingsgruppe geschlossen wird, ist aber ein Schlag für Klosterhalfen, die sich vielleicht selbst hätte distanzieren müssen vom NOP. Doch sie wollte weiter in Oregon (USA) trainieren. Nun, elf Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio, muss sie sich – wie viele Kolleginnen und Kollegen auch – ein neues Trainingsprogramm mit eventuell neuen Trainern aufbauen. Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Dennoch ist es auch eine Chance. Klosterhalfen und Co. können so mit weniger Problemen und Verdächtigungen die Vorbereitung für die Olympischen Spiele angehen.

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Der Sponsor hat sich mit der Entscheidung selbst noch nicht aus der Schusslinie genommen. „Wir werden Alberto in seiner Berufung weiterhin unterstützen“, erklärte Nike. Dabei waren E-Mails Salazars auch an die Geschäftsführung des Sportartikelherstellers adressiert, als er über mögliche Dopingvergehen berichtete. Somit ist die Schließung des NOP zwar ein wichtiger Schritt, dem aber noch mehr folgen müssen. Eine lückenlose Aufklärung muss das Ziel sein.