14. März 2019 / 22:43 Uhr

Niklas Heisen aus Lütjenburg zockt für den HSV in der Bundesliga

Niklas Heisen aus Lütjenburg zockt für den HSV in der Bundesliga

Jens Kürbis
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Das Nordlicht im Team: Niklas Heisen. Der gebürtiger Eutiner, der in Hamburg studiert,  ist seit dem 16. Lebensjahr ein Meister an der Konsole
Das Nordlicht im Team: Niklas Heisen. Der gebürtiger Eutiner, der in Hamburg studiert,  ist seit dem 16. Lebensjahr ein Meister an der Konsole © Agentur 54°
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Der „eSports“-Markt boomt – und der DFB kickt mit Nationalteam und Bundesliga mit. Ein Besuch bei den neuen HSV-Profis im Volksparkstadion.

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Volkspark Hamburg. Beim HSV sind alle Lampen an. Im Stadion-Inneren heizt ein „Rasen-Solarium“ dem Grün ein. Weiter oben, der VIP-Bereich ist verwaist. Bis auf eine Ausnahme – die Loge Nummer 50. Es ist die gute Stube für die jüngsten HSV-Profis, jene, die kein Grün brauchen. Sechs Bildschirme, Tastaturen, Konsolen, Bürosessel, Steuerpult, Kamera, Spots, dazu eine weiße Couchecke und natürlich die Konsolen – alles auf gut 20 Quadratmetern. Willkommen beim „eSports“-Bundesligateam der Rothosen. Es ist die Spielwiese für Jannik Berg (24), Nickname „Testotier“ („Ich war oft im Fitnessstudio“), den Holländer Quinten „Quinten“ van der Most (20) und Niklas „Heisen“ Heisen (20), das Nordlicht. Einen Trainer hat das Trio auch – Patrick Roth (26), ebenfalls ein Profi an der Konsole.

Im Dezember hat der HSV das Trio unter Vertrag genommen. Alles für die Virtual Bundesliga. 22 Teams aus der 1. und 2. Liga kämpften mit zwei bis vier Spielern (einheitliche Spielstärke 85) bis gestern an 21 Spieltagen um die erste deutsche Fifa19-Club-Meisterschaft. Premieren-Meister: Werder Bremen. Der HSV landete auf Rang sieben. „Damit sind wir sehr zufrieden. Wir wollten unter die Top zehn“, erklärt Roberto Cepeda. Der 32-Jährige kümmert sich beim HSV um eSports. Seit zwei Jahren ist er an dem Thema dran. Das Konzept hat Marleen Groß (27), Leiterin Marketing Operations, entwickelt. Unter dem neuen Vorstandschef Bernd Hoffmann wurde dieses nun auch in die Praxis umgesetzt.

HSV-eSports – Pilotprojekt und Ergänzung zum Kerngeschäft

Im Oktober wurde eine neue eSports-Abteilung im HSV e.V. gegründet. Doch als der DOSB die Anerkennung als Sportart verweigerte, wanderte eSports in die HSV Fußball AG. „Als Pilotprojekt“, erklärt Cepeda. Wie viel der HSV derzeit investiert, das will er nicht sagen. Nur fest steht: Eine Cashcow ist „FIFA-eSports“ nicht, eher eine Ergänzung zum Kerngeschäft auf dem Rasen. Doch der Markt boomt. Knapp 400 Millionen Menschen frönen weltweit dem digitalen Spiel. In Asien sind die Stars Millionäre. Ins Bild passt: Der DFB schickt zur ersten virtuellen Team-WM im April ein „Nationalteam“. Auch der HSV will an dem Markt partizipieren, hofft auf Sponsoren, innovative Kooperationen, zunächst aber auf die Interaktion mit den vornehmlich jungen Fans (10 bis 30 Jahre).

Gestatten, das neue Bundesligateam des Hamburger SV: Quinten van der Most (20), Niklas Heisen (20) und Jannik Testotier Berg (24/v.l) . Sie sind die Fifa19-Profis an der Konsole
Gestatten, das neue Bundesligateam des Hamburger SV: Quinten van der Most (20), Niklas Heisen (20) und Jannik "Testotier" Berg (24/v.l) . Sie sind die Fifa19-Profis an der Konsole © Agentur 54°
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Für Cepeda ist es das „Rock’n-Roll-Projekt“ des HSV. „Wir wollen darüber Geschichten spielen, für Fans und Follower greifbar sein, uns zeigen, auch werben.“ Die Spiele werden über einen eigenen Twitch-Kanal ins World Wide Web gestreamt. Beim Derby gegen Werder schauten im Schnitt um die 1000 Fans zu. Und ja, „es ist Sport, auch wenn die Jungs nicht so schwitzen, wie auf dem Rasen“.

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Die Konsolen-Welt nähert sich der realen langsam an – nicht nur durch die Marke Bundesliga, die Klubs. „Testotier“, „Quinten“ und „Heisen“ haben so nicht nur einen Trainer, auch Spielerberater, werden durch die Agentur „eSportsReputation“ gemanagt. „Testotier“, der in Darmstadt lebt, lief zuvor für Galatasaray Istanbul auf, „Quinten“, für Feynoord Rotterdam. Beide sind Profis, „wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht, können davon leben“. Wie viel sie verdienen, will „Testotier“ nicht sagen. Kein Geheimnis: Die virtuellen Topstars verdienen bis zu 5000 Euro im Monat. Nicht allein durch ihre Klubs, vielmehr über Wochenend-Turniere und -Ligen in ihren Ultimate-Teams und Privat-Sponsoren.

Patrick Roth (r.) bei einer Videoanalyse mit Quinten van der Most.
Patrick Roth (r.) bei einer Videoanalyse mit Quinten van der Most. © Agentur 54°

Heisen – der „Exot“ unter den Konsolen-Profis

„Heisen“ ist der Exot unter den Konsolen-Profis. Geboren in Eutin, im ostholsteinischen Oldenburg das Gymnasium besucht, in Lütjenburg zu Hause („Da habe ich auch für den TSV gekickt“), studiert er jetzt in Hamburg Psychologie (2. Semester). Mit 16 war er schon Profi, hat für den VfL Wolfsburg gespielt, war Top acht in der Liga, ehe er eine Work-and-Travel-Auszeit in Australien nahm. Jetzt ist er zurück an der Konsole, bevorzugt auf der „Xbox“. Einer Welt, die einen eigenen Biorhythmus lebt. „Wir spielen bis in die tiefe Nacht hinein, schlafen dann oft lange aus“, erzählt „Testotier“, der im Januar an den Wochenenden in drei Tagen 22 Stunden vorm Bildschirm war. Sein Ziel: Er will im Einzel unter die Top 60 der Welt. Für die Bundesliga wird er, wie „Quinten“ und der Coach, zehn Tage vor den Spielen in Hamburg eingeflogen. Für bis zu fünf Stunden tägliches Training. Nur: Das Projekt läuft am 30. Juni aus. Noch steht nicht fest, ob es weitergeht. Koordinator Cepeda ist zuversichtlich. Für ihn ist eSports längst ein Teil der HSV-Zukunft.

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