30. Oktober 2020 / 16:57 Uhr

Niklas Hult zum Derbysieg von Hannover 96: "War ein atemberaubendes Gefühl"

Niklas Hult zum Derbysieg von Hannover 96: "War ein atemberaubendes Gefühl"

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Leistungsträger: Niklas Hult ist gesetzt als linker Verteidiger, macht es auch offensiv mit Köpfchen.
Leistungsträger: Niklas Hult ist gesetzt als linker Verteidiger, macht es auch offensiv mit Köpfchen. © Swen Pförtner/dpa
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96-Verteidiger Niklas Hult (30) macht sich keine Sorgen, obwohl der Oberschenkel Probleme macht. Im SPORTBUZZER-Interview erzählt der Schwede, dass er Hannover mehr mag als Griechenland und weshalb er als Defensivspieler so offensiv denkt.

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God dag, Niklas Hult. Wie geht es dem Oberschenkel? Am Mittwoch mussten Sie das Training vorzeitig beenden. Sollte sich 96 sorgen, ob das mit dem Einsatz in Fürth klappt?

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Ich glaube, es war nur etwas Ermüdung im Oberschenkel. Es gab keine richtige Situation, aber im Fünf-gegen-fünf habe ich ein bisschen was gespürt. Da haben wir entschieden, lieber reinzugehen und das mal zu checken. Das war eher eine Sicherheitsmaßnahme. Ich glaube nicht, dass man sich große Sorgen machen muss.

Das wäre gut für 96: Sie standen in allen sechs Pflichtspielen in der Startelf. Hätten Sie damit gerechnet, dass es so schnell so gut läuft für Sie?

Klar habe ich es gehofft, aber ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Die letzten sechs Monate vor meinem Wechsel habe ich nicht viel gespielt, weil mein Vertrag auslief. Dann kamen Corona und die Urlaubszeit. Ich habe dann zwei Monate lang eigentlich nur allein für mich trainiert. Als ich hierherkam, habe ich bei null angefangen – oder eher minus zehn. (lacht) Aber ich fühle mich gut und genieße es sehr.

Zuvor waren Sie vier Jahre lang in Griechenland. Hand aufs Herz: Fehlt Ihnen die Wärme im Vergleich zum Herbst in Niedersachsen?

In Griechenland scheint jeden Tag die Sonne, aber ich war ja nicht zum Urlaubmachen dort. Meine Familie und ich mögen Hannover sehr. Hier ist das Klima dem in Schweden viel ähnlicher, und es ist nah dran an der Heimat. Bis in meine Heimatstadt sind es vielleicht acht Stunden, das ist voll okay. Auch das Supermarktsortiment ist ähnlicher. (lacht) Außerdem passt der deutsche Fußball besser zu mir, denke ich. Ich vermisse Griechenland nicht.

Und wie läuft es mit dem Deutschlernen? Einer Ihrer ersten Sätze war ja „Ich spreche kein Deutsch“. Ist seitdem etwas dazugekommen?

Wir haben unsere Tochter noch nicht im Kindergarten unterbringen können, und mit ihr zu Hause ist es eher schwierig, die nötige Zeit zu finden. Aber das klappt bald – und dann fange ich an, richtig Deutsch zu lernen. Ich kann aber schon ein paar Wörter, schnappe auch in der Kabine und beim Training was auf.

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Kennen Sie das Wort Derbyheld schon? Sie haben schließlich gegen Braunschweig eines der vier Tore geschossen. Wie hat sich das angefühlt?

Das kenne ich. Das war ein atemberaubendes Gefühl, dann auch noch vor unseren Fans. Das hat mich sehr stolz gemacht. Das letzte Tor davor war auch schon lange her, mehr als vier Jahre, da habe ich noch in Frankreich gespielt.

Dabei denken Sie offensiv für einen Linksverteidiger. Wo kommt das her?

Damals in Schweden war ich zunächst einige Jahre lang linker Mittelfeldspieler, bis ich mich mal schwer verletzt habe. Dann hab ich mich nicht mehr ganz so schnell und explosiv gefühlt wie früher. Das brauchst du aber auf der Position, deshalb habe ich mich entschieden, lieber ein guter Linksverteidiger zu werden, statt ein mittelmäßiger Mittelfeldspieler. (lacht) Dass ich offensiv denke, ist geblieben.

Gegen Düsseldorf hat es zuletzt gut harmoniert mit Ihnen und Florent Muslija auf links. Sie haben auf der Seite auch schon mit Genki Haraguchi und Mike Frantz zusammen gespielt. Ist es egal, wer vor Ihnen steht?

Ich finde es gut, dass wir so durchwechseln können und kaum ausrechenbar sind. Du brauchst für jedes Spiel die passende Taktik. Genki zum Beispiel geht auf links mehr in die Tiefe hinter die Verteidiger, Flo will den Ball immer in den Fuß.

Beim 3:0 gegen Düsseldorf harmonierte Niklas Hult (links) richtig gut auf der Seite mit Florent Muslija.
Beim 3:0 gegen Düsseldorf harmonierte Niklas Hult (links) richtig gut auf der Seite mit Florent Muslija. © imago images/Joachim Sielski

Sonntag geht es gegen Greuther Fürth. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Das wird ein hartes Spiel gegen einen guten Gegner. Wir müssen mit derselben Mentalität ins Spiel gehen wie gegen Düsseldorf.

Aber wieder vor null Fans.

Es ist echt schade. Die Fans geben uns Extraenergie, wir werden das vermissen. Aber unterm Strich ist das Coronavirus bedeutender als der Fußball, und wir müssen tun, was am sichersten für die Menschen ist.

Macht man sich Gedanken darüber, dass die Saison vielleicht nicht bis zum Ende gespielt werden kann?

Nein, das ist kein Thema bei uns. Wir denken wirklich nur ans nächste Training und das nächste Spiel. Es weiß ohnehin niemand, was passieren wird.