08. Juni 2021 / 09:55 Uhr

Nils Butzen nach Abschied von Hansa Rostock: "Es war extrem emotional"

Nils Butzen nach Abschied von Hansa Rostock: "Es war extrem emotional"

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung

Hansa-Defensivspezialist Nils Butzen im Zweikampf mit dem Hamburger Tim Leibold 
Hansa-Defensivspezialist Nils Butzen im Zweikampf mit dem Hamburger Tim Leibold  © LUTZ BONGARTS
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Für Nils Butzen war sein dritter Aufstieg ein ganz besonderer. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 28-Jährige darüber, warum der Koggenklub ihn nicht loslässt, wie Hansa es in der 2. Liga packen kann - und er gibt einen Einblick in seine Zukunftspläne.

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Herr Butzen, dass Ihre Zeit bei Hansa mit dem Aufstieg endet, hat viele überrascht. Sie auch?

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Wenn eine Entscheidung so lange dauert, kann man sich schon denken, warum das so ist. Wenn es positive Nachrichten für mich gegeben hätte, hätte der Verein es vor dem Saisonende durchblicken lassen. Insofern kam es nicht ganz unerwartet.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie kein Vertragsangebot erhalten?



Am Dienstag nach dem Lübeck-Spiel - das war emotional schwierig für mich. In dem Moment und an den Tagen danach hatte ich daran ganz schön zu knabbern, das war relativ heftig. Man macht sich Gedanken, was man hätte besser machen können und ist natürlich auch traurig darüber, dass man nicht mit in die 2. Liga gehen kann. Das war ja das Ziel, als ich zu Hansa gekommen bin.

Eine Situation wie diese kannte ich bis dahin noch nicht. In Magdeburg bin ich mehr oder weniger freiwillig gegangen, da hatte ich auch die Möglichkeit zu bleiben. Jetzt hatte ich diese Wahl nicht, das war für mich eine neue Erfahrung. Aber irgendwann muss man versuchen, den Fokus auf das zu legen, was kommt.

Sehr viel Zeit, sich neu zu orientieren, bleibt Ihnen nicht. Einige Vereine starten schon in den nächsten Tagen in die Vorbereitung auf die neue Saison.

Für mich als Spieler wäre es von Vorteil gewesen, frühzeitig Bescheid zu wissen, damit man mit anderen Vereinen konkreter werden kann. Ich habe das alles beiseite geschoben, weil ich immer gesagt habe, dass Hansa mein erster Ansprechpartner ist. Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch die Vereinsverantwortlichen, dass sie den Weg so gewählt haben.

Die schönsten und emotionalsten Momente der Hansa-Aufstiegssaison:


Bentley Baxter Bahn gewinnt das Kopfballduell gegen den Stuttgarter Daniel Didavi (v.). Zur Galerie
Bentley Baxter Bahn gewinnt das Kopfballduell gegen den Stuttgarter Daniel Didavi (v.). ©

Ihre langwierige Schambeinverletzung kam für Sie zur Unzeit.

Sie hat dazu geführt, dass ich mich knapp fünf Monate überhaupt nicht zeigen und empfehlen konnte. Aber ich bin jemand, der sich zuerst an die eigene Nase fasst, und da muss man ehrlich sein: Wären meine Leistungen vor der Verletzung dementsprechend gewesen, dann hätte nicht wenig dafür gesprochen, mit mir zu verlängern. Ich bin dann mitten in der heißen Phase zurückgekommen und habe dann noch drei Mal fast über die volle Distanz gespielt. Da waren meine Leistungen dann aber auch nicht so, dass ich sagen konnte: Es führt jetzt kein Weg an einer Vertragsverlängerung vorbei.

Ich hätte richtig abliefern müssen, um eine Chance auf einen neuen Vertrag zu haben. Zumal ich auch kein erfahrener Zweitligaspieler bin, ich habe 18 Spiele für Magdeburg gemacht. Wenn ich lese, dass auch Spieler mit laufenden Verträgen vielleicht gehen sollen, kann ich durchaus nachvollziehen, dass der Verein auslaufende Verträge nutzen muss, um Platz im Kader zu schaffen.

Sie gelten als sportlicher Ziehsohn von Trainer Jens Härtel. Wie war der Abschied von ihm?

Wir haben sehr lange zusammengearbeitet - sieben Jahre mit einer kurzen Unterbrechung. Es gab einen Termin, da haben wir uns alle zusammengesetzt und darüber gesprochen, wie der Verein sich ausrichtet und was die Beweggründe für die Entscheidung sind. Der Trainer hat nicht noch mal unter vier Augen mit mir gesprochen. Das war mir ganz recht, in dem Moment hatte ich den Kopf dafür gar nicht frei, in mir kreisten tausend Gedanken: Wie geht‘s weiter? Was passiert jetzt?

Was bleibt nach zwei Jahren Hansa Rostock bei Ihnen hängen?

Erst mal, dass es für mich ein extremer Schritt war, nach zehn Jahren in Magdeburg woanders hinzugehen. Hansa ist ein Verein, der eine Leidenschaft entwickelt, die ich von außen nur ein bisschen erahnen konnte. Wenn man dann wirklich dabei ist, merkt man erst, welche Größe und Reichweite Hansa Rostock hat. Wenn man sich voll mit diesem Verein identifiziert, dann lässt er einen nicht los – und so ist es auch bei mir. Trotz der Verletzung war es eine supercoole Zeit. Ich hatte das Glück, dass ich zwei Jahre in zwei Teams spielen konnte, wo es menschlich super gepasst hat. Da sind auch viele Freundschaften entstanden. Für mich bleibt nur Positives hängen – nichts Negatives, wirklich nicht.

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Können Sie die Aufstiege mit Magdeburg und Rostock vergleichen?

Mit Magdeburg bin ich zwei Mal aufgestiegen, die Relegation (2015 zur 3. Liga/ d. Red) war unfassbar emotional. Aber dieses Jahr war es für mich extrem emotional. Auch mit Magdeburg waren es sehr schöne Aufstiege, aber diese Emotionalität wie in diesem Jahr hatte ich da so krass nicht - dass ich da so nah am Wasser gebaut war. Dieses Jahr war so extrem, weil es für mich persönlich so ein schwieriges war. Dass man die ganze Saison so mitfiebert, teilweise auch vor dem Fernseher und nicht helfen kann. Und dann kann man wieder helfen und es geht wirklich bis zur letzten Sekunde, wo noch was schieflaufen könnte. Dieser Aufstieg war mit Sicherheit der emotionalste, weil die Gegebenheiten so waren wie sie eben waren. Mit der Corona-Pandemie, da haben so viele Sachen eine Rolle gespielt, es war einfach eine besondere Zeit. Im Fußball und außerhalb des Fußballs.

Wie schwer wird es nach dem Aufstieg für Hansa?

Wenn man sich die Liga anguckt, ist Hansa von allen Teams der absolute Underdog. Da wäre alles andere als der Abstieg eine Überraschung. Gerade darin kann man aber eine Chance sehen, weil keiner so richtig damit rechnet, dass Hansa die Liga halten kann. Aus dieser Rolle heraus zu agieren, ist ganz angenehm: Man kann nicht verlieren, sondern nur gewinnen.

Droht Hansa ein ähnliches Schicksal wie Ihrem Ex-Verein, der ein Jahr nach dem Zweitligaaufstieg gleich wieder runter musste?

Ich habe in Magdeburg die Erfahrung gemacht, dass es für einen Aufsteiger ganz schwierig wird, wenn das Gefüge nicht passt und die Mannschaft nicht in eine Richtung zieht. Der Zusammenhalt ist genau das, was uns bei Hansa stark gemacht hat. Wenn ich irgendwas mitgeben könnte, dann, dass alle zusammen in eine Richtung ziehen müssen. Die Verantwortlichen, das Trainerteam, die Mannschaft und auch die Fans – dass sie, egal wie es läuft, zusammenalten und nicht anfangen, sich zu zerfleischen! Das würde einem das Genick brechen. Wenn die Mannschaft so zusammenhält, wie sie es dieses Jahr getan hat und die Euphorie mitnimmt, dann werden sie die Klasse halten. Davon bin ich zu hundert Prozent überzeugt.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich bin zu null komma null mit irgendwem gerade konkret. Im Urlaub habe ich mich so gut wie gar nicht mit dem Thema befasst. Stand jetzt ist es ein Gang ins Ungewisse. Es kann aber sein, dass heute ein Anruf kommt oder in zwei Wochen.

Ist eine Rückkehr nach Magdeburg denkbar?

Es gibt keinen Kontakt, aber Magdeburg ist eine Topadresse in der 3. Liga. Ich habe da zehn Jahre gespielt, es gibt sicherlich Vereine, die weniger zu mir passen. Ich bin generell für alles offen, auch für das Ausland. Die 3. Liga ist aber das Ziel, das für mich ganz oben steht - wenn ich da einen Verein finde, mit dem es passt. Ich komme aus einer langen Verletzung, konnte mich nicht so sehr zeigen. Das ist eine schwierige Situation, ich hätte es mir anders gewünscht.