05. März 2020 / 18:32 Uhr

Trainerhammer: Nils Reutter übernimmt Eintracht Northeim bis Sommer

Trainerhammer: Nils Reutter übernimmt Eintracht Northeim bis Sommer

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Nils Reuter (l.) und A-Jugendtrainer Jan Ringling übernehmen den Oberligisten Eintracht Northeim bis zum Sommer
Nils Reuter (l.) und A-Jugendtrainer Jan Ringling übernehmen den Oberligisten Eintracht Northeim bis zum Sommer
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War die Causa Northeim für Simon Schneegans von Beginn zum scheitern verurteilt? Der Fußball-Oberligist hat seinen Cheftrainer nach der 1:3-Pleite gegen Tündern am Mittwochabend freigestellt. Nils Reutter und Jan Ringling übernehmen das stark abstiegsgefährdete Team bis zum Sommer.

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„Wir bedanken uns ganz ausdrücklich bei Simon Schneegans für sein hohes Engagement, das in der schwersten Zeit der Vereinsgeschichte weit über eine normale Trainertätigkeit hinausging“, sagt Eintracht-Vorstandssprecher Moritz Braukmüller. Was war passiert? Die Northeimer Eintracht hatte am Sonntagnachmittag in einem der zahlreichen Endspiele um den Klassenerhalt ein bittere 1:3-Pleite gegen Blau-Weiß Tündern kassiert. Die Rhumestädter spielten phasenweise wie ein Absteiger: Der Grund für den sofortigen Trainerwechsel?

„Wir werden künftig noch mehr auf die Jugend setzen und haben die Entscheidung für einen sofortigen Umbruch getroffen. Dazu gehört nach unserer Analyse auch die Veränderung auf der Trainerposition“, so Braukmüller in der offiziellen Stellungnahme des Vereins. Die Eintracht kassierte zwar eine bittere Niederlage, zeigte aber insbesondere in der ersten halben Stunde, dass sie keineswegs gegen den Trainer spielt. Engagiert, temporeich und druckvoll entwickelte sich Einbahnstraßenfußball in Richtung des Gästetors.

Was fehlte, war das frühe 2:0. Vielleicht wäre die Partie anders gelaufen und Schneegans auch beim kommenden Oberligaspiel beim Ligaprimus VfV Hildesheim noch an der Seitenlinie. Die sportliche Situation ist ohne jeden Zweifel mehr als prekär – nach dem Sieg gegen Braunschweig keimte an der Rhume noch einmal Hoffnung auf. 22 Spiele 18 Punkte, 29:58 Punkte – das ist die niederschmetternde Bilanz eines Teams, was vor einem Jahr schon mit einem Fuß in der Tür zur Regionalliga gestanden hatte.

Aber sind die Probleme nicht hausgemacht? Eine Saison mit einem schwächer besetzten Kader, der Ärger mit Co-Trainer Oliver Hille, die mangelnde Vorbereitungszeit im Sommer, der Rückzug des Finanziers. All das sind Punkte, die für sich sprechen und auch nicht spurlos an einem Team vorbeigehen können.

Verein steht im Vordergrund

„Die Entscheidung kam für mich überraschend. Ich hatte schon die Planung für die kommende Saison im Kopf“, sagte ein enttäuschter Schneegans am Donnerstagmorgen. Der A-Lizenzhaber aus dem Eichsfeld betont jedoch, dass er die Entscheidung bezüglich seiner Freistellung gut verstehe. „Bei aller Freundschaft steht der Verein im Mittelpunkt, nicht Simon Schneegans“, so der Ex-Coach, der nur gut acht Monate im Amt weilte. „Es gab zu viele Hürden, an einer bin ich gescheitert“, beschreibt Schneegans die teilweise misslichen Begleitumstände im bisherigen Saisonverlauf.

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„Vor einem Jahr war das nicht vorhersehbar. Da ging es klar um das Thema Regionalliga“, betont der Eichsfelder, der die Saison eigentlich durchziehen wollte. „So bin ich nicht. Ich hätte nicht in Sack gehauen – auch wenn es manchmal schwer war.“ Die Vereinsverantwortlichen teilten dem Übungsleiter am Mittwochmorgen die Entscheidung mit und auch Schneegans wusste, dass das Gespräch nichts Gutes ergeben werde. „Es konnte nur um Entlassung oder Verlängerung gehen“ sagt der A-Lizenzhaber.

"Undankbare Aufgabe"

Das Team und der Vorstand haben immer zu ihm gestanden. Da habe es keinerlei Verwerfungen gegeben. „Ich werde mir jetzt erst einmal Zeit für meine Familie und Freunde nehmen. Das Dreivierteljahr war schon sehr kräftezehrend“, betont Schneegans. Sicher sei er sich, dass in Northeim im Sommer „einiges passieren“ werde. Der große Umbruch, bedingt durch die finanziellen Einsparungen, wurde ja bereits vom Vorsitzenden Tim Schwabe bekannt gegeben. Zufassend blickt der Ex-Coach auf eine sehr „undankbare Aufgabe“ zurück.

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Eintracht Northeim unterliegt in der Fußball-Oberliga gegen Tündern Zur Galerie
Eintracht Northeim unterliegt in der Fußball-Oberliga gegen Tündern © Schneemann

„Bei den Ergebnissen hatte ich schon früher mit einer Entlassung gerechnet“, sagt Kapitän Christian Horst. Der erfahrene Defensivakteur betont aber auch, dass es im Winter ein konstruktives Gespräch mit dem Trainer gegeben habe. Ein Gerücht, dass sich Teile der Mannschaft bereits im Winter gegen Schneegans ausgesprochen haben sollen, konnte Horst nicht bestätigen. „Der Trainer ist immer das schwächste Glied. Jetzt haben die Spieler aber keine Ausreden mehr . Wir haben definitiv die Qualität für die Liga“, betont Horst. Der Polizist nimmt den scheidenden Schneegans in Schutz. „Sein Art und die spielerischen Vorstellungen haben gut gepasst. Simon hat im Sommer aber einen Scherbenhaufen übernommen. Er war zur falschen Zeit da.“

Die Mannschaft wird bis zum Sommer interimsweise von Nils Reutter und A-Juniorentrainer Jan Ringling übernommen. „Nils kennt den Verein gut und ist die Wunschlösung bis Saisonende“, so Braukmüller. Reutter war bereits unter Malte Froehlich in der Saison 2018/2019 als Co-Trainer in der Oberligamannschaft tätig und übernahm dann die U23 in der Bezirksliga. „Wir freuen uns über die spontane Bereitschaft zu helfen und sind überzeugt davon, dass er einen neuen Impuls in die Mannschaft trägt“, ergänzt der Vorstandssprecher. Die erste Aufgabe ist zugleich eine echte Bewährungsprobe. Es geht zum Ligaprimus und Aufstiegsfavoriten nach Hildesheim. Soweit war die Eintracht vor einem Jahr auch einmal.