20. November 2020 / 15:58 Uhr

NOFV kontert offenen Brief des 1. FC Lok Leipzig: „Wir haben andere Problemchen“

NOFV kontert offenen Brief des 1. FC Lok Leipzig: „Wir haben andere Problemchen“

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Holger Fuchs und Thomas Löwe kommen aktuell nicht recht überein.
Holger Fuchs und Thomas Löwe kommen aktuell nicht recht überein. © Christian Modla / imago images
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Die Regionalliga Nordost will am 4. Dezember in den Spielbetrieb zurückkehren. Für den 1. FC Lok Leipzig sind da zu viele Fragen offen. Der offene Brief der Probstheidaer an den zuständigen Nordostdeutschen Fußball-Verband treibt den dortigen Verantwortlichen die Zornesröte ins Gesicht.

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Leipzig. Am Donnerstag überschlugen sich die Meinungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Am Nachmittag verschickte der 1. FC Lok Leipzig einen offenen Brief an den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV), indem die Probstheidaer einen Restart der Viertligastaffeln in diesem Jahr unter Berücksichtigung der erhöhten Infektionszahlen und den Aufforderungen der Kontaktreduzierungen seitens der Bundesregierung als "unverantwortlich und gesellschaftlich nicht vertretbar" formulieren.

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Lok bedauert Entscheidung

Die Probstheidaer warnen vor einem Imageverlust des Fußballs und des Verbands, monieren zudem die ungeklärten "wirtschaftlichen und pandemischen Rahmenbedingungen" eines Re-Starts und stellen dem Verband zahlreiche Fragen. Zusammengefasst: Wer zahlt mögliche Coronatests? Setzt sich der NOFV für eine gesamtdeutsche Lösung bei Unterstützungsprogrammen ein? Ist die Anzahl der Geisterspiele begrenzt? Welche Regeln gelten bei Corona-Infektionen der Spieler?

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Am Donnerstagabend teilte schließlich der NOFV nach einer Tagung des Spielausschusses mit, dass der Regelspielbetrieb, sollte der Lockdown zum 30.11. aufgehoben werden, am ersten Dezemberwochenende wieder starten würde.

Dass nun bereits ein Starttermin verkündet wurde, habe der Leipziger Viertligist „zur Kenntnis genommen“, wie Präsident Thomas Löwe dem SPORTBUZZER erklärt. Er hätte sich indes gewünscht, dass erst die wirtschaftlichen Parameter geklärt werden und danach die des Spielbetriebs. „Ich kann die Entscheidung vom Donnerstag ohne nähere Ausführung nicht verstehen und bedauere sie sehr“, so Löwe, der schwere Vorwürfe erhebt. „Geisterspiele wären mittelfristig ein finanzielles Abenteuer. Der Verband stürzt die Vereine wissentlich in dieses finanzielle Abenteuer. Wir haben als Arbeitgeber auch eine Schutzfunktion und verlangen kurzfristig feste Regeln, sollte noch in diesem Jahr gespielt werden. Zum Beispiel, muss getestet werden, wie oft und wer bezahlt das.

Verband reagiert irritiert

Bei Holger Fuchs löste der Brief der Probstheidaer Irritationen aus. „Ich habe ihn bereits mehrfach gelesen. Es ist schon ein bisschen erstaunlich“, berichtet der NOFV-Geschäftsführer dem SPORTBUZZER und verweist mehrmals auf die Telefonkonferenz mit den Vereinsvertretern unmittelbar nach der Bekanntgabe des Lockdowns und der damit verbundenen Spielpause. „Aus der Konferenz ging hervor, dass die Mehrheit der Vereine möglichst zeitnah mit dem Spielbetrieb starten wolle“, erklärt Fuchs.

Auf der Konferenz, bei der nach SPORTBUZZER-Informationen Lok-Coach Almedin Civa und Geschäftsführer Martin Mieth anwesend waren und wie alle anderen Beteiligten je eine Minute Sprechzeit bekamen, hätte man zwar ein kritisches Verhältnis zu Geisterspielen, weniger jedoch zur zeitnahen Wiederaufnahme des Spielbetriebs gehabt. „Bis zum gestrigen Tag gab es keinen Kontakt zu uns als Verband“, bedauert Fuchs. Schwierigkeiten sehe er außerdem darin, dass „einheitliche Regelung von Nord bis Süd kaum durchsetzbar sind“. Allein die Nordost-Staffel bestehe aus fünf Bundesländern mit unterschiedlichen Verfügungen.

Dennoch versichert Fuchs: „Wir werden auf den Brief antworten. Dann, wenn wir uns in der Lage dazu fühlen.“ Eine Vielzahl von Antworten könne man zudem im Nachbarzimmer, spricht in den anderen Regionalligen, finden. „Wir haben andere Problemchen. Wir müssen die Interessen einer Spielklasse und nicht die eines Vereines umsetzen. Aber natürlich nehmen wir die Meinung ernst.“

Vereine fordern Landesförderung

Ob die Ost-Viertligisten, wie in der Regionalliga West oder in den drei oberen Profiligen, wöchentlich auf Corona getestet werden sollen und wie dies geregelt werden könnte, ist unklar. „Es gibt bisher keine Aussagen oder Vorlagen der Politik, dass dies gefordert ist“, sagt Fuchs.

In der West-Staffel rollt der Ball weiterhin, auch weil die NRW-Landesregierung ein Hilfpaket von 15 Millionen Euro an die Vereine auszahlte. In einem Schreiben wendet sich der VFB Auerbach nun an die Landesregierungen, um Förderung zu erhalten. Lok und die BSG Chemie haben dies mitunterschrieben,

Eine Telefonkonferenz mit den Vereinsvertetern, um die Rahmenbedingungen des Re-Starts zu klären, ist indes nicht geplant. Erst, so Fuchs, wenn die Vereine auf den Verband zukämen.