14. Oktober 2021 / 15:34 Uhr

Süd-Coach Sven Körner im Interview: "Wir stehen vor einer Mammutaufgabe"

Süd-Coach Sven Körner im Interview: "Wir stehen vor einer Mammutaufgabe"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Sven Körner (Trainer Süd), RSV Eintracht 1949 - Brandenburger SC Süd 05, Oberliga Nord, 9. Spieltag, Saison 21/22, Stahnsdorf, 02.10.2021, Foto: Benjamin Feller
Sven Körner trifft mit Oberligist Brandenburger SC Süd 05 am Samstag im Heimspiel auf den Ludwigsfelder FC. © Benjamin Feller
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NOFV-Oberliga Nord: Trainer Sven Körner spricht im Interview über seine ersten Wochen beim Brandenburger SC Süd 05.

Nach einem 0:2 beim RSV Eintracht und einem 1:1 in Pampow steht Sven Körner am Sonnabend (14 Uhr) vor seinem ersten Heimauftritt als Trainer des Brandenburger SC Süd 05. Vor gut zwei Wochen übernahm der 39-Jährige die Nachfolge von Mario Block und strebt mit seinem neuen Team gegen den Ludwigsfelder FC den ersten Dreier an. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der Inhaber der Trainer-A-Lizenz über seine ersten Tage bei Süd, sein Verhältnis zu Peter Hyballa von Drittligist Türkgücü München und René Görisch.

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Herr Körner, wie empfanden Sie die ersten zwei Wochen als verantwortlicher Trainer beim Brandenburger SC Süd 05?
Sven Körner: Intensiv, sehr intensiv. Die ersten Tage kam ich immer mit heiserer Stimme zu Hause an.

Weil Sie auf dem Platz ein extrem lauter Trainer sind?
Eher sehr kommunikativ. Wenn du als Trainer neu irgendwo hinkommst und dich mitten in der Saison sofort in die Arbeit stürzen musst, wollen natürlich gefühlt alle etwas von dir. Mir war es wichtig, mir so gut es geht einen Überblick zu verschaffen, Dinge aufzusaugen und zu analysieren. Ich wollte die Strukturen kennenlernen, die Mannschaft und das Team drumherum.

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Sportlich steht nach zwei Partien unter Ihrer Leitung ein Zähler auf der Habenseite. Eine zufriedenstellende Bilanz?
Gerade in der ersten Halbzeit in Pampow haben wir schon viele Dinge gut gemacht und wollen daran anknüpfen. Die Mannschaft strotzt bei der aktuellen Bilanz natürlich nicht vor Selbstvertrauen und ist psychisch und physisch auch nicht in der Verfassung, wie ich sie für meine Art von Fußball gerne hätte.

Wie würden Sie diese Art beschreiben?
Ich habe einen klaren Plan vom Fußball, will mutig spielen lassen, brutal aktiv nach vorne verteidigen.
Das klingt wirklich mutig als Trainer eines sieglosen Tabellenletzten in der Oberliga.
Das ist meine Idealvorstellung. Natürlich muss man immer sehen, wie diese umsetzbar ist. Bei aller nötigen Intensität darf ich die Jungs jetzt natürlich auch nicht überfrachten, das Thema Belastungssteuerung ist ein ganz großes. Wir wollen uns als Mannschaft Stück für Stück gemeinsam entwickeln, zusammenwachsen und als Einheit versuchen, zum Erfolg zu kommen. Die Jungs haben mir es in den ersten Einheiten aber wirklich leicht gemacht, anzukommen. Und ich denke, dass ich durch meine Art schon ein Trainer bin, der ziemlich nah am Team ist. Wenn es nötig ist, kann ich aber auch mal auf den Tisch hauen. Es ging mir bei meinen bisherigen Stationen in Stendal und Halberstadt auch nie darum, nur kurzfristig Erfolg zu generieren, sondern auch langfristig etwas auf den Weg zu bringen. Süd stand in den vergangenen Jahren in der Tabelle immer unten, das kommt ja nicht von ungefähr. Da gilt es, auf viele Aspekte zu gucken und verschiedene Baustellen in Angriff zu nehmen, dabei will ich meinen Beitrag leisten. Wir stehen vor einer Mammutaufgabe, freuen uns aber riesig auf diese Herausforderung.

Kannten Sie aus dem aktuellen Team bereits Spieler?
Nur Saheed Mustapha. Ihn wollte ich zu meiner Zeit als Trainer bei Lok Stendal mal verpflichten.


Hatten Sie schon Kontakt zu Ihrem Vorgänger Mario Block?
Nein. Ich kannte ihn vorher nicht und möchte mir mein eigenes Bild machen.

Wie kam der Kontakt zu den Brandenburgern zustande?
Präsident Peter Janeck hat mich kontaktiert und es kam zu einem ersten Treffen, bei dem wir uns beschnuppert haben. Dann kamen wir schnell zusammen.

Und würden es im Fall eines Abstiegs in die Brandenburgliga auch bleiben?
Ich habe bis zum Ende der Saison zugesagt und will in dieser Zeit mit der Mannschaft und allen im Verein dafür sorgen, dass wir möglichst erfolgreich sind. Alles andere interessiert mich nicht.

Welche Rolle spielt bei diesem Vorhaben der neue Sportliche Leiter René Görisch?
Ich bin natürlich sehr froh, dass wir so eine Galionsfigur des Vereins mit an Bord haben und freue mich auf die Zusammenarbeit. Ich denke, dass er uns mit seinem Standing im Verein durchaus die ein oder andere Tür öffnen könnte.

Zum Beispiel bei Neuzugängen?
Die Jungs, die aktuell hier sind, geben alles und hauen sich rein. Natürlich halten wir aber Augen und Ohren offen und gucken, ob noch was möglich ist. Spieler, die jetzt noch auf dem Markt sind, sind aber nicht selten entweder schlecht oder eben zu teuer.

Im aktuellen Kader stehen Spieler aus den unterschiedlichsten Nationen, viele sind nicht lange im Verein und es gibt Sprachbarrieren. Das führte in der Vergangenheit nicht selten zu Abstimmungsproblemen. Wie wollen Sie dem entgegenwirken?
Natürlich ist das nicht einfach, aber da sind wir kreativ genug, um uns zu behelfen. Wir arbeiten mit Codewörtern wie zum Beispiel ,Iglu’.

Das kommt wann zum Einsatz?
Wenn wir das Zentrum dicht machen und uns zurückziehen, es eng wie in einem Iglu machen wollen. Den Zuschauern in Pampow musste ich das auch schon erklären (lacht).

Nach der Saison 2019/20 lösten Sie Ihren Vertrag beim Regionalligisten Germania Halberstadt trotz eines weiteren Jahres Laufzeit auf eigenen Wunsch auf. Es folgte eine längere Pause. Eine bewusste Entscheidung?
In Halberstadt hatten wir unterschiedliche Vorstellungen und in wichtigen Bereichen gingen die Meinungen auseinander. Dann ist es besser, das direkt anzusprechen. Ich habe noch immer einen sehr guten Kontakt zum Verein. Danach war der Trainermarkt im Zuge der Corona-Pandemie und frühen Saisonunterbrechung tot. Es gab zwar lose Anfragen aus der Regionalliga, aber mehr auch nicht.

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Sie haben gesagt, dass Sie einen klaren Plan vom Fußball haben. Haben Sie als Trainer ein Vorbild?
Vorbild ist das falsche Wort, man will schon seinen eigenen Weg finden. Aber unter Peter Hyballa, der jetzt den Drittligisten Türkgücü München trainiert, habe ich während seiner Zeit in der Slowakei hospitiert. Vom ersten Moment an war es so, als wenn wir uns schon viel länger kennen würden. Wir sind in vielen Bereichen auf einer Wellenlänge.

Jugend beim Halleschen FC durchlaufen

Der 39 Jahre alte Sven Körner wurde in Halle an der Saale geboren und hat beim heutigen Drittligisten Hallescher FC mit dem Kicken begonnen. Nachdem er beim HFC auch seine ersten Schritte im Männerfußball ging, lief er den Großteil seiner aktiven Laufbahn für Lok Stendal auf, wo er sich im Angriff am wohlsten fühlte, aber auf vielen Positionen eingesetzt werden konnte. Als Trainer arbeitete der Inhaber der Uefa-A-Lizenz bislang bei Lok Stendal (Juli 2013 bis September 2018) sowie Germania Halberstadt (Juli 2019 bis Juni 2020). Mit seinem Kompagnon leitet der zweifache Familienvater eine Versicherungsagentur und hat seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in Stendal.