21. April 2022 / 18:36 Uhr

Vor Oberliga-Kellerduell: MSV-Trainer Henry Bloch und Süd-Coach Sven Körner im Interview

Vor Oberliga-Kellerduell: MSV-Trainer Henry Bloch und Süd-Coach Sven Körner im Interview

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Süd-Trainer Sven Körner (l.) und MSV-Coach Henry Bloch, beide mit der Trainer-A-Lizenz ausgestattet, wissen um die Bedeutung des Aufeinandertreffens beider Vereine.
Süd-Trainer Sven Körner (l.) und MSV-Coach Henry Bloch, beide mit der Trainer-A-Lizenz ausgestattet, wissen um die Bedeutung des Aufeinandertreffens beider Vereine.
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NOFV-Oberliga Nord: Am Freitagabend duellieren sich die märkischen Teams aus Neuruppin und Brandenburg/Havel unter Flutlicht im Volksparkstadion. Zuvor standen die beiden Trainer der abstiegsbedrohten Clubs Rede und Antwort.

Freitagabend, Volksparkstadion, Flutlicht – ein großer Schritt Richtung Klassenerhalt kann gemacht werden, das wissen sowohl Henry Bloch (48) als auch Sven Körner (39). Die Trainer der Fußball-Oberligisten MSV Neuruppin und Brandenburger SC Süd 05 wollen mit ihren Teams den Abstieg aus der Fünftklassigkeit verhindern. Vor dem märkischen Duell, das Schiedsrichter Sirko Müke um 19.30 Uhr anpfeift, standen Bloch und der gebürtige Hallenser Körner, der am 30. September 2021 das Traineramt an der Havel übernahm, im Doppelinterview Rede und Antwort.

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Noch ist etwa ein Viertel der Saison zu absolvieren. Hat das Duell zwischen dem MSV und dem BSC Süd dennoch Endspiel-Charakter?

Henry Bloch: Es ist nicht das Endspiel. Aber durchaus ein finales Spiel für uns – so gehen wir die Sache an. Wir haben uns in den letzten Wochen in eine sehr gute Ausgangslage gebracht und wollen dieses Feuer im eigenen Stadion auch am Freitag auf den Rasen bringen.

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Sven Körner: Nein, meiner Meinung nach ist es kein Endspiel. Natürlich können wir die Tabelle lesen und wir stehen fraglos mehr unter Druck als der MSV. Aber in der Liga kommen manchmal so wilde Ergebnisse zustande, da ist auch nach dem Duell am Freitag noch alles möglich. Wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, können wir es jedem Gegner schwer machen.

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Vier Punkte trennen die märkischen Rivalen aktuell. Würde dieser 15. Platz, den der MSV derzeit inne hat, zum Klassenerhalt reichen?

Körner: Das weiß ich nicht, ich kann ja nicht in die Glaskugel schauen. Aber wenn Viktoria Berlin in der 3. Liga bleibt und der BFC Dynamo aufsteigt, könnte es reichen. Ich hoffe, dass es reicht, dann haben wir eine reelle Chance, wenn wir unsere Hausaufgaben machen.

Bloch: Da der Torgelower FC als erster Absteiger feststeht, bin ich guter Dinge. Wenn wir vier Mannschaften hinter uns lassen, dann muss das einfach reichen.

Sie sprechen es bereits an, der mit 32 Punkten im Mittelfeld platzierte Torgelower FC verabschiedet sich freiwillig aus der Fünftklassigkeit. Wie kam diese Nachricht an der Havel und am Ruppiner See an?

Körner: Das war natürlich eine positive Nachricht, weil du automatisch einen Abstiegsplatz weniger hast. Es liegt an uns selbst, Spiele zu gewinnen und die nötigen Punkte zu holen. In einigen Partien haben wir schon Zählbares liegen gelassen.


Bloch: Ich weiß es noch genau, das war in der Woche vor dem Heimspiel gegen Schwerin. Oft mussten wir uns eher mit negativen als mit positiven Nachrichten auseinandersetzen. Diese eine Woche war aber sehr gut für uns – Viktoria Berlin schlug Magdeburg, die Nachricht aus Torgelow und dann noch unser Sieg gegen den FC Mecklenburg. Das hat uns einen Schub gegeben.

Die Spielzeit wird nicht komplett zu Ende gespielt, der MSV kämpft noch um 24 Punkte in den verbleibenden acht Partien, die 05er dürfen noch einmal mehr ran. Am Ende wird wieder die Quotientenregel eine Rolle spielen. Sind Sie mit dieser Entscheidung einverstanden?

Körner: Ich nehme sie hin, kann es aber nicht nachvollziehen. Am Ende der Saison geht es für viele Teams um die goldene Ananas, da kommen Spieler aus der zweiten Reihe oder der Jugend zum Einsatz und es entstehen wilde Ergebnisse. Ich glaube, dass es möglich gewesen wäre, englische Wochen zu spielen.

Bloch: Da gehe ich grundsätzlich mit, wir hätten auch regelmäßig am Mittwoch und am Samstag gespielt. Fast 90 Prozent sind aber auch aussagekräftig, da wollen wir uns nicht beschweren. Denn wir wissen ja selbst, wie wir letztes Jahr in die Oberliga gerutscht sind.

Neuruppin fehlen hinten heraus Heimspiele gegen Torgelow, Mahlsdorf und Ludwigsfelde. Auswärts wäre man zum Steglitzer FC und zum RSV Eintracht gereist. Somit wird ihr Team die gegenwärtige Top-Sieben zweimal bespielen, Herr Bloch.

Bloch: Klar, das ist nicht ideal. Aber wir sind froh, überhaupt so viele Spiele austragen zu dürfen. Ein Abbruch nach der Hinserie wäre für uns schlimmer gewesen, das hätte mich deutlich mehr gestört.

Ihre Mannschaft geht den Duellen mit dem CFC Hertha 06, Greifswalder FC und der TSG Neustrelitz aus dem Weg. Glück im Unglück, Herr Körner?

Körner: Das meine ich ja. Möglicherweise ist es für uns super, aber vermutlich geht es für Neustrelitz dann auch nur noch um die goldene Ananas. Da könnte man als Außenseiter auch an den letzten Spieltagen Punkte sammeln.

Sie bereiten sich akribisch auf den kommenden Gegner vor. Wovor werden sie ihr Team warnen?

Bloch: Auf alle Fälle, dass der BSC Süd keine Laufkundschaft ist, das ist klar. Der Gegner hat sich unter dem neuen Trainer stabilisiert und mehr Ordnung drin, mein Co-Trainer Christoph Sperberg hat die Brandenburger sehr gut analysiert. Das wird eine knifflige Aufgabe.

Körner: Ich habe mir mehrere Spiele vom MSV angeschaut. Das ist eine kompakte Truppe, wuchtig bei eigenen Standards und sie haben eine gute Balance zwischen aggressivem Pressing und tiefem Stehen. Aber natürlich hat der Gegner auch Schwachstellen, welche wir für uns nutzen wollen. Klar ist, dass wir effektiv sein müssen.

Gibt es einen Spieler beim Konkurrenten, den sie gerne in ihrer Mannschaft sehen würden?

Körner: In Neuruppin sind ein paar interessante Jungs. Allen voran natürlich Kapitän Marcus Lemke – ein Spieler, der eine Partie auch mal alleine entscheiden kann.

Bloch: Klar – ob Torwart Tim Stawecki, Innenverteidiger Saheed Mustapha oder Ümran Zambak als Torjäger. Da sind gute Kicker dabei.

MSV Neuruppin seit November 2021 im Volksparkstadion ungeschlagen

Beim MSV stehen Woche für Woche Eigengewächse, zum Teil noch im A-Junioren-Alter, auf dem Platz. Im Kader des BSC Süd findet man ein Dutzend verschiedener Nationen. Was macht ihre jeweilige Mannschaft aus?

Bloch: Wir haben uns an die Liga gewöhnt, spielen dank prägender Figuren wie Marcus Lemke, Kevin Blumenthal oder die Riehl-Zwillinge für den Verein und auch die Stadt. Die Mannschaft versucht alles, um in der Liga zu bleiben, mit den Eigengewächsen haben wir aus der Not eine Tugend gemacht – vor Saisonbeginn habe ich nicht gedacht, dass so viele A-Junioren so viel Spielzeit erhalten. Aber sie etablieren sich, was mich sehr freut.

Körner: Ich habe eine Truppe, die einige Herausforderungen mit sich bringt. Ich switche zwischen der englischen und deutschen Sprache, muss auch viel mit Körpersprache, Mimik und Gestik arbeiten. Wir haben mittlerweile ein paar Wörter gefunden, die jeder begreift. Wir stehen defensiv kompakt, haben von den letzten acht Mannschaften die wenigsten Gegentore bekommen. Das machen wir wirklich gut.

Die Zukunft beider Mannschaften mit Blick auf die kommende Saison ist noch ungewiss, es muss zweigleisig – für die Ober- und die Brandenburgliga – geplant werden. Wie steht es um ihre eigene Person?

Körner: Ich konzentriere mich auf das Ziel Klassenerhalt. Alles andere ist Zukunftsmusik.

Bloch: Ich habe noch keinen Vertrag für die neue Saison. Aber natürlich werden dahingehend noch Gespräche stattfinden.

Mit einem Sieg am Freitagabend kann ein großer Schritt Richtung Ligaverbleib getan werden. Das Hinspiel endete 1:1, wie geht es diesmal aus?

Bloch: Die Jungs müssen brennen und heiß auf die drei Punkte sein. Wir wollen das Spiel gewinnen.

Körner: Mir ist nicht verborgen geblieben, dass der MSV seit November im eigenen Stadion ungeschlagen ist. Ich möchte sehen, dass meine Mannschaft ihre Prinzipien durchdrückt und mit viel Leidenschaft agiert. Dann können wir drei Punkte mitnehmen.