14. Oktober 2021 / 15:34 Uhr

Nach zwei schweren Jahren: Pieter-Marvin Wolf blüht beim Rostocker FC auf

Nach zwei schweren Jahren: Pieter-Marvin Wolf blüht beim Rostocker FC auf

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Pieter-Marvin Wolf (r.) führt mit dem Rostocker FC die Tabelle und selbst die Torschützenliste der Oberliga Nord an.
Pieter-Marvin Wolf (r.) führt mit dem Rostocker FC die Tabelle und selbst die Torschützenliste der Oberliga Nord an. © Johannes Weber
Anzeige

NOFV-Oberliga Nord: Der 22 Jahre alte Offensivspieler steht mit seinem Team an der Tabellenspitze und führt selbst die Torjägerliste an. Am Samstag empfängt er mit dem RFC den MSV Neuruppin um seinen ehemaligen Nachwuchstrainer Stefan Prüfer.

Für die Oberliga-Fußballer des MSV Neuruppin steht am zehnten Spieltag der Saison 2021/22 „eines der leichteren Auswärtsspiele“ auf dem Programm. So sieht es zumindest Abteilungsleiter Stefan Prüfer mit Blick auf die Partie des Aufsteigers am Samstag (14 Uhr) beim Tabellenführer Rostocker FC. „Dem RFC steht von Beginn an der Druck im Nacken, Erfolg zu haben. Schon die Ausgliederung der Oberliga-Fußballer in eine Spielbetriebs- GmbH zeigt ja den vorbestimmten Weg in Richtung Regionalliga“, erläutert Prüfer.

Anzeige

Einen, der gegen den Aufstieg der Ostseestädter überhaupt gar nichts einzuwenden hätte, kennt der 51-Jährige ganz besonders gut: Pieter-Marvin Wolf. Den 22-Jährigen, der mit sechs Treffern die Torschützenliste der NOFV-Oberliga Nord anführt, begleitete er beim Pritzwalker FHV auf den ersten Schritten am runden Leder. „Ich denke, Pieter war sechs Jahre in meiner Pritzwalker Mannschaft, ehe er mit dem C-Junioren-Alter zum Nachwuchs des FC Hansa Rostock wechselte“, erinnert sich Prüfer, der mit seinem ehemaligen Schützling noch immer regelmäßig im Austausch steht.

Mehr zur NOFV-Oberliga Nord

Dass sich die Wege der beiden einstigen Weggefährten am Samstag in der Oberliga kreuzen, sei laut Wolf mehr oder weniger einem Zufall zu verdanken. „Ich war in der Sommervorbereitung mit Babelsberg 03, wo ich mich zu diesem Zeitpunkt nur noch fit gehalten habe und auf der Suche nach einem neuen Verein in der Regionalliga war, beim Testspiel gegen den Rostocker FC mit dabei und kam rund 25 Minuten zum Einsatz“, berichtet der gebürtige Pritzwalker, der im Nachwuchs nach seinen Anfängen beim FHV und dem Wechsel zu Hansa auch noch das Trikot vom FC Förderkader René Schneider und Energie Cottbus trug. „Ich bin an dem Tag auf viele Jungs aus der Hansa-Jugend getroffen und so mit dem Verein in Berührung gekommen.“ Nachdem er anschließend mit dem Team im Trainingslager war, habe man sich schnell auf eine Zusammenarbeit geeinigt. „Bislang war das wahrhaftig nicht die schlechteste Entscheidung“, sagt Wolf mit Blick auf seine Torquote und den ersten Platz des Rostocker Traditionsvereins mit einem zufriedenen Lachen.

Der RFC musste sich nur am zweiten Spieltag beim ebenfalls mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestarteten Greifswalder FC geschlagen geben und feierte ansonsten bereits sieben Saisonsiege. „Wir sind eine echte Multi-Kulti-Truppe, in der viele noch kein deutsch sprechen“, verweist Wolf auf einige seiner Mitspieler, die aus Belgien und Frankreich kommen. „Der Mix passt aber richtig gut und es macht viel Spaß. Wir wollen natürlich aufsteigen, wissen aber, dass wir mit Greifswald, Hertha Zehlendorf oder dem RSV Eintracht richtig starke Konkurrenz haben.“ Der Offensivspieler selbst ist zudem froh, dass er seiner Mannschaft nach zwei schweren Jahren beim Regionalligisten in Babelsberg endlich wieder auf dem Platz helfen kann.

Probetraining beim FSV Frankfurt

Nachdem er in seiner Premierensaison 2018/19 in der Landeshauptstadt unter Trainer Almedin Civa mit sieben Toren und zwei Vorlagen in 26 Regionalligaspielen noch einen richtig guten Einstand im Männerbereich feierte, folgten schwierige 24 Monate. „Nach Almes Abgang ist bei Babelsberg viel weggebrochen. Im gesamten Verein und bei mir persönlich hat sich in dieser Zeit nicht viel weiterentwickelt. Das habe ich mir natürlich anders vorgestellt“, sagt Wolf, der in Rostock wohnt und „Soziale Arbeit und Management“ an einer Fernuniversität studiert.

Gerade unter dem inzwischen entlassenen Nulldrei-Coach Predrag Uzelac war er außen vor. „Ich weiß nicht warum, aber der Trainer hatte ein persönliches Problem mit mir. Er hat ein Jahr nicht mit mir gesprochen. Wenn ich gefragt habe, woran es liegt, dass ich nicht spiele, meinte er nur, dass alles gut sei“, erläutert Wolf und richtet den Blick inzwischen aber wieder nach vorne. „Ich bin positiv überrascht vom Niveau der Oberliga. Fast in jedem Spiel trifft man auf Akteure, die vorher auch in der Regionalliga aktiv waren“, sagt der Blondschopf. Er selbst hatte im Sommer zwar eigentlich den Plan, weiter in der Regionalliga zu kicken, hatte mit Blick auf seine mäßige Bilanz des vergangenen Spieljahres bei interessierten Vereinen wie dem FSV Frankfurt (Regionalliga Südwest) aber wenig Argumente auf seiner Seite. Dass er die aktuell in der Oberliga umso mehr sammelt, wundert seinen einstigen Förderer Stefan Prüfer nicht.


Opa Bernd als größter Fan

„Pieter war viele Jahre, schon als kleinster Fußballer, ein Leader. Er krempelte die Trikotärmel hoch und ging voran. Egal wie schwer es für sein Team war, er gab niemals auf und führte sein Team zum größtmöglichen Erfolg“, erinnert sich der MSV-Verantwortliche. „Sein Wille, Erfolg zu haben, ist definitiv sein größtes Pfund. Pieter persönlich hätte ich vor der Saison eher den Durchbruch in der Regionalliga als den Wechsel eine Klasse tiefer in die Oberliga gewünscht. Dass er es kann, weiß ich. Dafür hat er viele Jahre seiner Jugend investiert.“

Am Samstag sind die Rollen auf jeden Fall klar verteilt. „Natürlich wollen wir unseren Erfolgslauf fortsetzen und den nächsten Sieg feiern. Ein Selbstläufer wird das in der Oberliga aber wie immer auf keinen Fall“, warnt Wolf, der bei seinen Spielen fast immer von Opa Bernd und dessen Sirene unterstützt wird. „Er ist eigentlich immer dabei und unterstützt mich, seitdem ich klein bin.“ Dass Enkel und Opa im nächsten Jahr gemeinsam den Aufstieg in die Regionalliga feiern und in der kommenden Saison ins Karl-Liebknecht-Stadion nach Potsdam-Babelsberg zurückkehren, würde ihnen sicherlich auch Stefan Prüfer gönnen – im Gegensatz zu drei Punkten am Samstag.

„Bonusspiel“ mit vielen Fragezeichen

„Man muss das schon realistisch einschätzen“, sagt MSV-Trainer Henry Bloch mit Blick auf das anstehende Auswärtsspiel seines Teams beim Rostocker FC. „Für uns geht es ums Überleben und der Gegner will hoch. Von daher wollen wir es den Rostockern am Samstag so schwer wie möglich machen und gucken, was geht.“ In den kommenden Wochen stünden mit den Duellen gegen Hansa Rostock II, Lok Stendal und MSV Pampow die wegweisenderen Spiele auf dem Programm.

„Da müssen wir etwas holen“, weiß Bloch. In den vergangenen sechs Pflichtspielen verließ sein Team den Platz nur einmal als Verlierer und schaffte es vor allem, sich defensiv zu stabilisieren. „Da sind wir auf einem ganz guten Weg. Am Ende bringen dich aber nur Siege voran.“ Die Personallage bleibt weiter angespannt. „Im Vergleich zum Pokal kommen vielleicht zwei, drei Spieler hinzu. Aber wir sind weit davon entfernt, unseren Kader nach Trainingsleistungen zu benennen“, sagt Bloch. Fragezeichen stehen unter anderem hinter Maximilian Janke und Lukas Kraefft.