20. November 2020 / 11:53 Uhr

NOFV-Oberligisten geraten in Zeitnot

NOFV-Oberligisten geraten in Zeitnot

Alexander Kruggel
Ostsee-Zeitung
Per Ecke zum Derbyhelden: Ben Sidney Buchholz zeigte, wie es geht (Symbolbild)
Dass die Kicker in der Fußball-Oberliga in diesem Jahr noch ihre Schuhe schnüren dürfen, ist sehr unwahrscheinlich. © imago/Philipp Szyza (Symbolbild)
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Vorstand des Greifswalder FC hält erneuten Saisonabbruch für denkbar. Die wirtschaftliche Probleme vergrößern sich.

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Greifswald. Wie sehen sie aus, die Perspektiven für die Oberliga-Kicker in Mecklenburg-Vorpommern? Wenn es nach dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) geht, sollen die 34 Fünftliga-Vereine im Verbandsgebiet ihre Mannschaften nach dem Wochenende wieder trainieren lassen dürfen. Diesen Wunsch äußerte der NOFV Anfang des Monats in einem Schreiben an die Sportminister von MV, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Spätestens am 2. Dezember, so die Vorstellung des Verbandes, sollen auch die Wettbewerbe nach der Corona-Zwangspause wieder starten.

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Das war wohlgemerkt noch vor der letzten Bund-Länder-Runde am Montag. An eine baldige Wiederaufnahme des Trainings- und Wettkampfbetriebes glaubt beim Oberliga-Klub Greifswalder FC angesichts der derzeitigen politischen Signale allerdings niemand mehr. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr noch ein Spiel haben werden“, sagte Vereinspräsident Heiko Jaap gegenüber dem SPORTBUZZER. Viel mehr befinde sich der Verein aktuell im „Blindflug“ durch den Lockdown light. Seit der Veröffentlichung des NOFV-Schreibens am 6. November hätten sich weder der Verband noch die Sportminister zur Fortsetzung des Spielbetriebes gegenüber den Klubs geäußert.

Das sind die Torschützenkönige seit 2009 in der NOFV-Oberliga Nord:

Saison 2008/09: Benjamin Gaudian (TSG Neustrelitz) - 19 Tore in 29 Spielen Zur Galerie
Saison 2008/09: Benjamin Gaudian (TSG Neustrelitz) - 19 Tore in 29 Spielen ©

Abbruch nach Halbserie möglich

Indessen versucht sich der Greifswalder FC selbst im „Blick in die Kristallkugel“, wie der Sportliche Leiter Daniel Gutmann erzählt. „Eine Möglichkeit, mit der wir uns beschäftigen und die sich immer weiter verdichtet, ist, dass die Liga nach der Hinrunde erneut abgebrochen und mittels der Quotientenregelung gewertet wird.“ Einen solchen Passus hatten die Landes- und Regionalverbände nach dem Abbruch der vergangenen Spielzeit in ihre jeweiligen Spielordnungen aufgenommen.

Sowohl Jaap als auch Gutmann plädieren zwar für eine baldige Fortsetzung des Wettbewerbs. Doch dass die Saison regulär zu Ende gespielt werden kann, wird immer unwahrscheinlicher. Die meisten Teams in der Oberliga-Nordstaffel haben bisher neun Begegnungen absolviert. Wollte man im nächsten Jahr die restlichen 25 Partien bis zum regulären Saisonende am 30. Juni bestreiten, müsste der nächste Spieltag spätestens für den 9. Januar angesetzt werden – Unterbrechungen und spielfreie Wochenenden ausgeschlossen.

Diese „zeitlichen Zwänge“, die unter anderem aufgrund der nicht erfolgten Abstiege nach der vergangenen Saison zustandekommen, gesteht sich der NOFV im Schreiben an die Minister selbst ein.

Um das Problem zu entschärfen, diskutierten Vertreter der Vereine und des Verbandes Anfang des Monats bereits über die Möglichkeit von Doppelspieltagen zu Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt – doch auch diese Lösung dürfte nur ein Tropfen auf den heißen Stein bedeuten.

Klubs leiden unter Lockdown

Die Probleme der Vereine häufen sich indessen. Zwar würden sich die GFC-Kicker alle individuell fit halten, das Mannschaftstraining könne dies jedoch nicht ersetzen, so Gutmann. Eine Pause von mehreren Wochen könnte ernsthafte Konsequenzen für das künftige sportliche Abschneiden bedeuten.

Ebenso würden auch die wirtschaftlichen Folgen des zweiten Lockdowns für die Vereine weiter zunehmen. „Ich gehe davon aus, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Oberliga-Klubs im Nordosten bereits wirtschaftliche Probleme haben“, so der Sportliche Leiter.

Um den Entwicklungen entgegenzuwirken, sprechen sich sowohl er als auch Heiko Jaap für einen Wiederbeginn der Liga im Januar aus. Sicherheitsbedenken angesichts der Pandemie haben beide nicht. Die ausgearbeiteten Hygiene-Konzepte würden den Schutz der Beteiligten gewährleisten. Eine Perspektive für die nächste Zeit erhofft sich Gutmann schon bald: „Ich bin mir sicher, dass jetzt alle auf die Entscheidungen der Bund-Länder-Konferenz in der nächsten Woche warten.“