10. Januar 2020 / 18:01 Uhr

Sportbeigeordnete Noosha Aubel: "20 Potsdamer Vereine haben einen Aufnahmestopp"

Sportbeigeordnete Noosha Aubel: "20 Potsdamer Vereine haben einen Aufnahmestopp"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Noosha Aubel ist seit August 2017 Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport, im Januar 2019 kam auch der Bereich Jugend hinzu.
Noosha Aubel ist seit August 2017 Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport, im Januar 2019 kam auch der Bereich Jugend hinzu. © Friedrich Bungert
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Die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport spricht vor dem Stadtsportball in Potsdam über fehlende Sportstätten und Hallenzeiten, die Zukunft der Rugby-Spieler am Neuen Palais und die komerzielle Nutzung der MBS-Arena.

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Beim Potsdamer Stadtsportball werden am Sonnabend (18 Uhr, MBS-Arena) die erfolgreichsten Nachwuchssportler der Stadt geehrt. Vor der Veranstaltung spricht die Potsdamer Sportbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) über fehlende Sportplätze, neue Hallen und die Sanierung des Stadions im Luftschiffhafen.

Für Sportler sind gute Trainingsbedingungen essenziell. Das Stadion Luftschiffhafen soll dieses Jahr saniert werden, was kostet die Sanierung und wie ist der Stand?

Die Kosten betragen rund 5,3 Millionen Euro und wir sind gerade dabei, den Bauantrag zu stellen. Wir wollen den Bauablauf so gestalten, dass die Sportler und Vereine möglichst wenig eingeschränkt werden. Wir gehen davon aus, dass wir in der ersten Jahreshälfte beginnen können und bis Ende 2021 die Sanierung abgeschlossen werden kann.

Also während der Saison von Turbine Potsdam, der Potsdam Royals und der Leichtathleten?

Es werden ja unterschiedliche Dinge gemacht. Die Laufbahn kann saniert werden, während die Rasenfläche noch bleibt. Wir wollen es so eintakten, dass der Punktspielbetrieb der Mannschaften möglichst wenig tangiert wird. Und im Moment prüfen wir Ausweichmöglichkeiten. Wir haben bei der Sanierung der Schwimmhalle gesehen, wenn alle an einem Strang ziehen und zusammenrücken, ist vieles möglich.

Stephan Goericke, der Präsident der Potsdam Royals, hat den Bau eines dritten Stadions vorgeschlagen, was halten Sie davon?

Das sehe ich eher kritisch, weil aus meiner Sicht zum einen die möglichen Flächen fehlen und zum anderen auch der Bedarf. Dafür haben wir einen ganz klaren Mangel an Sportfreianlagen. Wir planen mittelfristig zehn weitere wettkampftaugliche Sportplätze. Das ist unsere Kernpriorität, damit der organisierte Vereins- und Breitensport stattfinden kann und Vereine nicht mehr Aufnahmestopps aussprechen müssen.

Was heißt mittelfristig genau?

Bei den zehn Anlagen haben wir überall einen Planungsstand, sei es in Groß Glienicke, Neu Fahrland oder Krampnitz. Das Gesamtpaket wollen wir in den nächsten zehn Jahren realisiert haben. Durch die Planungs- und Prüfungserfordernisse, beispielsweise Emissions- und Naturschutz, dauern die Prozesse länger als uns das lieb ist.

Nach Neu Fahrland sollen unter anderem die Rugby-Spieler des USV Potsdam umziehen, die bislang am Neuen Palais spielen – und die von dem Umzug überhaupt nicht begeistert sind.

Wir halten das auch nicht für die Optimallösung. Und im Moment ist es so, dass es noch keine klare Äußerung gibt, wann die Bautätigkeit, die den Umzug erforderlich macht, tatsächlich startet. Bis dahin – wir gehen derzeit von 2024 aus – kann Rugby dort bleiben. Wir planen weiterhin, in Neu Fahrland einen Platz zu bauen – ob dann für Rugby oder eine andere Sportart, werden wir sehen.

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Brandenburgs Sportler des Jahres seit 1998. ©

Wie viele Vereine in Potsdam haben denn einen Aufnahmestopp für Mitglieder?

Mit Sicherheit 20, weil die Trainingszeiten auf unseren Sportfreianlagen ausgereizt sind. Das ist insbesondere mit Hinblick auf die Jugendarbeit keine zufriedenstellende Situation. Wir sind eine wachsende, verdichtete Stadt, in der eine hohe Flächenkonkurrenz besteht. Wohnraum, Schule, Wirtschaft, das alles konkurriert miteinander. Diese Bedarfe müssen in Einklang gebracht werden.

Es gab auch schon den Vorschlag, Plätze beispielsweise auf Supermärkten zu bauen. Ist das für Potsdam eine Option?

Wir sind immer dabei, wenn beispielsweise Schulen gebaut werden, weitere und innovativere Formen mitzudenken. So bauen wir Schulsporthallen in die Erde, um Platz zu gewinnen. Aber ein wettkampftaugliches Spielfeld auf einem Dach zu bauen, ist sehr schwierig, zum einen aus statischen Gründen, zum anderen treibt das die Kosten unverhältnismäßig in die Höhe.

Sie hatten kurz nach ihrem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren im MAZ-Interview gesagt, dass Sie prüfen wollen, ob Vereine teilweise auch Zeiten gar nicht brauchen.

Wir haben das stichprobenartig gemacht. Außerdem sind die Vereine untereinander auch ein Regulativ. Man muss dazu sagen, dass die Hallen das geringere Problem sind. Wir haben seit 2017 zwölf neue Felder gebaut, bis 2024 kommen noch einmal 29 neue Felder dazu. Im Indoorbereich sind wir somit deutlich besser aufgestellt als bei den Sportfreianlagen.

Außerdem wollten Sie die MBS-Arena kommerzieller nutzen, sind Sie damit zufrieden?

Noch nicht. Das ist auch ein kritisches Thema, solange wir den Bedarf an Hallenkapazitäten noch nicht vollständig decken können. Außerdem sind gerade für Konzerte und Veranstaltungen die Buchungsvorläufe sehr lang, dann können die Termine nicht von unseren Mannschaften wie dem SC Potsdam, dem VfL Potsdam oder dem UJKC Potsdam genutzt werden. Wir werden zu diesem Thema aber im Frühjahr eine Standortkonferenz haben und mögliche Lösungen diskutieren.