27. Oktober 2021 / 07:29 Uhr

Norberts Einwurf: Was RB Leipzig fehlte "waren Tempo, Tricks und Finesse"

Norberts Einwurf: Was RB Leipzig fehlte "waren Tempo, Tricks und Finesse"

Norbert Wehrstedt
Leipziger Volkszeitung
Auch Benjamin Henrichs (l.) hätte treffen und damit für mehr Ruhe sorgen können.
Auch Benjamin Henrichs (l.) hätte treffen und damit für mehr Ruhe sorgen können. © Picture Point
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RB Leipzig musste sich ordentlich mühen, um bei Viertligist Babelsberg den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals zu sichern. An Einsatz mangelte es beim 1:0-Sieg nicht, meint LVZ-Kolumnist Norbert Wehrstedt. Wohl aber an Gier, Tempo und anderem.

Bring it on! Ja, das ziemlich lausige Cheerleader-Filmchen, das in fünf Verlängerungen ging, schwebte als Versprechen über Babelsbergs Weiß-Blau. Jesse Marsch wollte den Titel als Marsch-Richtung. Her damit!

Mit Wumms in die nächste Runde. Vierte Liga, wir kommen! Leicht gesagt, langsam angegangen. Statt die beiden Viererketten vorm Sechzehner als Gummi auseinander zu ziehen, lief es beinhart durch die Mitte. Vergeblich, klar! Babelsberg blieb robust, RB vergaß die Raffinesse. Zu durchsichtig, zu behäbig. Zu oft ein wilder roter Haufen, der sich gegenseitig die Räume nahm.

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RB spielte Pässe zwischen den Ausruhpausen, Babelsberg machte den gewieften Straßenkicker. Viel Bemühen, wenig Lohn für Leipzig. Hugo Novoa zeigte ein paar schöne Läufe – und tauchte ab. André Silva stand gegen eine Wand. Yussuf Poulsen rackerte und raufte, Angelino flankte und suchte Lücken, das Mittelfeld spielte, die Abwehr stand standhaft. Der Wille wellte auf das 03er-Tor. Was fehlte, waren Tempo, Tricks und Finesse. Stattdessen Ungenauigkeit. Immer wieder. Die Taktik schien ohnehin simpel zu sein: einfach drauf.

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So lief´s denn auch durch. Immer auf der Rasierklinge. Ohne Gier. Aber mit Glück. Da hätte durchaus einmal ein Ball durchrollen können. Die Wackler nahmen ohnehin zu, Babelsberg streckte Eisenwaden ins letzte Gefecht. Aber wer immerhin ein Tor hat, der zittert sich durch.

„Bring it on“ hieß hierzulande übrigens „Girls United“. Eine Sternstunde des Kinos war´s nicht. Daran hielt sich RB in Babelsberg. Erfolgreich.

Norbert Wehrstedt ist den Leserinnen und Lesern der Leipziger Volkszeitung seit drei Jahrzehnten als gern auch mal scharfzüngiger Film- und Fernsehkritiker bekannt. "Nebenbei" schlägt sein Herz heftig für RB Leipzig. Dass Fan-Sein und kritische Begleitung sich nicht ausschließen müssen, beweist der Journalist in seiner Spieltagskolumne "Norberts Einwurf".