25. März 2020 / 07:13 Uhr

Nordsachsens Trainer haben kaum Hoffnung auf Fortsetzung der Fußball-Saison

Nordsachsens Trainer haben kaum Hoffnung auf Fortsetzung der Fußball-Saison

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Versteinerte Mienen allerorten: Egal ob Radefelds Trainer Tino Berger (Foto links), ESV-Coach Tilo Ohlig (rechts) oder der Zschortauer Übungsleiter Christian Mörschke (unten). In Fußball-Nordsachsen herrscht kollektive Schockstarre.
In Fußball-Nordsachsen herrscht kollektive Schockstarre. © Alexander Prautzsch
Anzeige

Seit zwölf Tagen befinden sich die Fußballmannschaften in Nordsachsen in der Corona-Zwangspause. Der SPORTBUZZER hat sich vor Ort umgehört und die aktuelle Stimmungslage erfragt.

Anzeige
Anzeige

Nordsachsen. "Als wir das letzte Mal auseinander gegangen sind, sind wir alle noch davon ausgegangen, dass wir uns zwei Tage später zum Spiel wiedersehen“, sagt Tilo Ohlig. Keine zwei Wochen ist das her – und klingt doch schon heute wie eine Geschichte aus ferner Vergangenheit, die vielleicht einst als Vor-Corona-Zeitalter bekannt sein wird. Was der Trainer des ESV Delitzsch erzählt, es lässt sich wohl auf sämtliche (Fußball-)Mannschaften in Nordsachsen münzen. Eines eint sie alle: Keiner weiß, was da kommen mag. Aber jeder macht sich so seine Gedanken.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die Saison zu Ende bringen. Es stehen jetzt schon zu viele Spiele aus“, meint Tino Berger, Coach des Delitzscher Landesklasse-Konkurrenten Radefelder SV. Trainerkollege Christian Mörschke von Nordsachsenligist SG Zschortau meint: „Entweder wird die Saison als Flickenteppich zu Ende gebracht oder wir spielen sie eben komplett nächstes Jahr nochmal.“ Ähnlich sieht das Ohlig: „Die beste Variante wäre ein Abbruch und in der neuen Saison fangen alle bei Null an.“ Problem bei der Sache: Die derzeitigen Spitzenreiter und Aufstiegsanwärter wären alles andere als amüsiert, die Kellerkinder würden bevorteilt.

Suche nach einer fairen Lösung

„Dann nehmen wir eben den Stand zur Winterpause“, entgegnet Ohlig. In diesem Fall wiederum sähen sich die Abstiegskandidaten um die Chance gebracht, noch einmal aus dem Sumpf heraus zu waten. Die Verfolger im Meisterschaftsrennen liefen Sturm, freilich nicht so, wie sie sich die Aufholjagd der Rückrunde vorgestellt hätten. Hätte, wäre, könnte – ein Fußballleben im Konjunktiv.

Mehr zum Thema

Die Suche nach einer fairen Lösung dürfte sich in jedem Fall schwierig gestalten. Volkmar Beier, Spielausschussvorsitzender des Nordsächsischen Fußballverbandes und der hiesigen Landesklasse Nord, plädiert wie einige andere für Playoffspiele. Wie deren Ausgestaltung konkret aussehen könnte, wissen freilich momentan nicht einmal die Nachfahren des seligen Nostradamus.

Auch die unverbesserlichen Optimisten ahnen: Ein vorzeitiges Saisonende zeichnet sich ab am Fußballfirmament. Manch einer sucht jetzt bereits den richtigen Umgang für den Fall der Fälle. „Für Sportler ist es natürlich schade. Manch einer muss hohe Ziele begraben. Aber meiner Ansicht nach gäbe es schon jetzt keine regulären Verhältnisse mehr. Der Sport spielt sowieso nur noch eine Nebenrolle“, erzählt Christian Mörschke.

Individuelle Einheiten

Trotz und wegen alledem setzen die Übungsleiter in der derzeitigen Phase allgemeiner Orientierungslosigkeit auf individuelle Einheiten ihrer Schäfchen. „Auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind, ich denke, alle sind so ehrgeizig, dass sie etwas machen“, sagt Ohlig. Berger pflichtet ihm bei. „Die Jungs werden sich schon bewegen, sie sind alle sportlich angehaucht.“ Alles andere wäre auch überraschend bei einem Landesklasse-Kicker.

Sportliche Selbstbefriedigung schön und gut, aber es gibt auf absehbare Zeit keinen Nervenkitzel am Wochenende, keine brachialen Zweikämpfe, keine heiß diskutierten Fehlentscheidungen, keine – schnief – Tore, kurzum: keinen König Fußball. „Irgendetwas fehlt“, sagt Tilo Ohlig. Und wenn es blöd läuft, wird dieses etwas noch eine ganze Weile fehlen.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt