18. Juni 2021 / 10:31 Uhr

Norman Quindt will sich einen Traum erfüllen

Norman Quindt will sich einen Traum erfüllen

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
Der neue Torhüter Norman Quindt wehrt einen Ball ab.
Norman Quindt hütet den Kasten des TSV Havelse, will in die 3. Liga aufsteigen. © Sportbuzzer
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Der Keeper des TSV Havelse spielt am Samstag üm den Aufstieg in die 3. Liga. Welche Rolle Trainer Jan Zimmermann dabei spielt, erzählt der Sohn der Hessisch Oldendorfer Torwart-Legende Uwe Quindt im Sportbuzzer-Interview.

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HESSISCH OLDENDORF. Für Norman Quindt kann sich am Sonnabend ein ganz großer Traum erfüllen. Er spielt mit dem TSV Havelse ab 13 Uhr im Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Schweinfurt 05 um den Einzug in den bezahlten Fußball der 3. Liga. Er gehörte zum Nachwuchs von Hannover 96, er spielte in der Regionalliga beim SV Rödinghausen und bei der TSG Neustrelitz, er war bei den Sportfreunden Lotte sogar schon mal in Liga drei, aber erst jetzt beim TSV Havelse kann er als Stammtorwart der breiten Öffentlichkeit zeigen, was er wirklich draufhat.

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Beim 1:0-Hinspielsieg war der 24-Jährige der große Rückhalt seiner Mannschaft. Im Hause Quindt schließt sich gewissermaßen gerade der Kreis. Vater Uwe wechselte einst vom TSV Havelse zum TuS Hessisch Oldendorf – und blieb, im Gegensatz zu allen anderen. Er leitet in Rinteln das Tiefbauamt und fiebert am Sonnabend natürlich ebenfalls mit. Das Spiel wird im BR-Fernsehen live übertragen. Wenige Tage vor dem wohl wichtigsten Spiel seiner Karriere unterhielten wir uns mit Norman Quindt.

Wie haben wir uns Ihre Woche vor dem alles entscheidenden Rückspiel gegen den 1. FC Schweinfurt 05 vorzustellen?

Genauso fokussiert wie immer, seit entschieden wurde, dass der TSV Havelse als Vertreter der Regionalliga Nord in die Relegation gehen wird. Man muss sich vorstellen, dass wir am 3. Januar mit dem Training begonnen haben und es auch durften. Wir haben einfach so getan, als wenn die Saison weitergehen würde, haben Testspiele gemacht, ohne zu wissen, was passieren wird. Als dann entschieden wurde, dass wir um den Aufstieg in die 3. Liga kämpfen, war die Freude riesengroß. Für den TSV Havelse wäre das ein unglaubliches Ding.

Spürt man das im Verein?

Ja, in jeder Sekunde. Ehrenamtliche haben jeden Tag hart daran gearbeitet, es zu ermöglichen. Der Trainer machte bei der Suche nach neuen Sponsoren mit, denn es geht natürlich auch um die Finanzen. Es musste mit Hannover 96 verhandelt werden, als feststand, dass wir in der 3. Liga nicht in unserem Stadion spielen dürfen. Es ist absolut einmalig, was hier schon jetzt geleistet wurde, dass wir tatsächlich die Lizenz für die 3. Liga erhalten. Sollte es mit dem Aufstieg klappen, werden einige Ehrenamtliche zukünftig fest im Verein arbeiten müssen.

Sie wirkten beim 1:0-Sieg gegen den favorisierten Bayern-Meister 1. FC Schweinfurt sehr ruhig und sehr sicher. Wie haben Sie das Spiel erlebt?

Ich war am Vorabend vor dem Spiel schon in meiner eigenen Welt, voller Vorfreude, aber nicht aufgeregt. So ein Spiel macht man vielleicht nur einmal im Leben. Als es angefangen hatte, habe ich schon früh gespürt, dass wir läuferisch besser sind als die Schweinfurter, dass wir auch die besseren Chancen haben. Ich habe mich tatsächlich sehr sicher gefühlt.

Ihren Vertrag beim TSV Havelse haben Sie bereits um ein Jahr verlängert.

Warum auch nicht? Es ist ein toller Verein, ich fühle mich unglaublich wohl, arbeite beim Sponsor und hoffe, das auch weiterhin machen zu dürfen.

Auch im bezahlten Fußball der 3. Liga?

Havelse ist Havelse. Wir sind nicht Dynamo Dresden oder MSV Duisburg, nicht 1860 München oder der 1. FC Saarbrücken. Wir würden finanziell zum unteren Viertel gehören. Sollten wir den Aufstieg tatsächlich schaffen, werden die meisten Spieler berufstätig bleiben, vermute ich. Man muss das organisatorisch irgendwie hinbekommen.

Ihnen sind die Erfolge mit dem TSV Havelse besonders zu gönnen, weil es in Ihrer Karriere auch sehr schwierige Phasen gab, nach dem Abstieg der Sportfreunde Lotte aus der 3. Liga zum Beispiel.

Ich musste mir einen neuen Verein suchen, stellte mich bei Energie Cottbus vor und erhielt einen Anruf von Matthias Maucksch, den ich kannte und der den Regionalligisten Union Fürstenwalde trainierte. Aber schon nach wenigen Wochen gab es Probleme. Ich wollte den Vertrag lösen, kam aber bis Ende November nicht heraus, weil man sich sperrte. Aber ich hatte keinen Verein, konnte dann drei Wochen beim SV Meppen mittrainieren und las in der Zeitung, dass der TSV Havelse ein Torwartproblem hat. Ich habe Jan Zimmermann angerufen und ihm meine Geschichte erzählt. „Komm vorbei“, sagte er. Nach vier Trainingseinheiten fragte er, ob ich für den TSV Havelse spielen wolle.

Jan Zimmermann wechselt bekanntlich zu Hannover 96. Verraten Sie uns, auf was für einen Typ sich die Spieler und Fans einstellen können.

Er ist menschlich angenehm – und er ist locker. Man kann mit ihm über alles reden, selbst über private Angelegenheiten. Jan Zimmermann ist ein toller Typ, der aber auch eine andere Seite hat: konzentriert, analytisch, diszipliniert. Hannover 96 bekommt einen richtig guten Mann.

Viele Beobachter freuen sich, dass 96 einen Trainer aus dem Umfeld verpflichtet hat, der sich vielleicht weniger auf den Ersatzbänken der Bundesligisten umschauen wird und eher an talentierten Spielern aus der Nähe, aus dem Nachwuchs oder aus der 2. oder 3. Liga interessiert ist. Was wäre, wenn er dieses Mal tatsächlich bei Ihnen anruft?

Ich bin berufstätig, das würde nicht gehen. Nein, ernsthaft: Ich würde mich natürlich freuen, wenn er vielleicht eines Tages an mich denkt. Im Fußball kann es manchmal sehr schnell gehen, habe ich gelernt. Mich interessiert derzeit aber nur noch das Rückspiel gegen Schweinfurt – mehr wirklich nicht.