05. März 2021 / 22:06 Uhr

Norwegische Klubs fordern Boykott der WM 2022 in Katar - Infantino: "Falscher Ansatz"

Norwegische Klubs fordern Boykott der WM 2022 in Katar - Infantino: "Falscher Ansatz"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Boykott von Teams wie der norwegischen Nationalmannschaft um Superstar Erling Haaland bei der WM 2022? FIFA-Präsident Gianni Infantino hält nichts davon.
Boykott von Teams wie der norwegischen Nationalmannschaft um Superstar Erling Haaland bei der WM 2022? FIFA-Präsident Gianni Infantino hält nichts davon. © IMAGO/Bildbyran/dpa/Montage
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Die Austragung der WM 2022 in Katar steht bereits länger in der Kritik. Nun haben sich sechs norwegische Erstliga-Klubs für einen Boykott ihrer Nationalmannschaft für das Turnier im Wüstenstaat ausgesprochen. FIFA-Präsident Gianni Infantino äußerte Unverständnis über Forderungen dieser Art.

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat kein Verständnis für Boykottüberlegungen vor der WM 2022 in Katar. Er glaube, dass ein Boykott "definitiv nicht die richtige Maßnahme" sei, um etwas zu erreichen, sagte der Chef des Fußball-Weltverbandes am Freitag während einer Pressekonferenz. Zuletzt hatten mehrere norwegische Erstliga-Klubs ihre Nationalmannschaft aufgefordert, der Endrunde in Katar (21. November bis 18. Dezember) fernzubleiben. So stimmten erst am Donnerstagabend die Mitglieder des bekanntesten Klubs Rosenburg Trondheim mehrheitlich dafür, dass sich der Verein beim Verband für einen WM-Boykott aussprechen soll.

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"Es ist immer, war immer und wird immer der einzige Weg sein, in den Dialog zu treten und sich zu engagieren, um Veränderungen herbeizuführen", sagte Infantino. In Bezug auf die Menschenrechtslage habe Katar in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Er freue sich auf eine "fantastische" WM, sagte Infantino. "Vielleicht hat der Fußball ja einen kleinen Teil zu positiven Veränderungen beigetragen."

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Der britische Guardian hatte zuletzt berichtet, dass in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Arbeiter aus fünf asiatischen Ländern in Katar gestorben seien. Katars Regierung hatte daraufhin mitgeteilt, die Sterberate unter Millionen ausländischer Arbeiter liege in einem zu erwartenden Bereich. Der Botschafter in Deutschland, Abdullah bin Mohammed Al Thani, erklärte, der Guardian-Bericht führe die Öffentlichkeit in die Irre.

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Infantino mahnte zur Vorsicht, wenn über Zahlen gesprochen werde. Es gehe dabei um Menschenleben. Auf Baustellen mit direktem WM-Bezug habe es seit 2014 drei Todesfälle gegeben und 34 weitere, die nicht direkt mit der Arbeit erklärt werden könnten.

Norwegens Verband leht WM-Boykott ab

Verbänden wie Norwegen könnte ein WM-Boykott teuer zu stehen kommen. Neben einer Vertragsstrafe von mindestens 20.000 Franken, sollte sich das Land für die WM qualifizieren, droht auch der Ausschluss von weiteren FIFA-Turnieren wie beispielsweise der Frauenfußball-Weltmeisterschaft oder Nachwuchsturnieren. Nowegens Verband sprach sich am Mittwoch bereits gegen einen WM-Boykott aus. In einer öffentlichen Stellungnahme schrieb der Verband um Präsident Terje Svendsen, dass ein Fernbleiben bei der WM "Hunderttausende von Arbeitnehmern in die Arbeitslosigkeit schicken" würde, auch wenn Norwegen die Kritk an den Arbeitsbedingungen in Katar teile. Zudem würde Norwegen mit dem Boykott am Ende das Signal "alleine senden". Deshalb sei es besser "von innen heraus zu arbeiten, um unsere Haltung auszudrücken und hoffentlich zu Verbesserungen beitragen zu können."